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160 Arbeitsstunden
ersetzen Geldstrafe

11.10.2022 • 20:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/Shutterstock

Glasflasche ins Gesicht geschlagen: Urteil gegen mittlerweile 21-Jährigen gesprochen.

Der damals 18-jährige Angeklagte gab zu, dass er nach einer Lehrlingsparty in einer Vorderländer Diskothek auf dem Weg zum Zug im Oktober 2019 in Klaus bei einer Gruppenschlägerei einem 20-Jährigen eine 0,7-Liter-Wodkaglasflasche ins Gesicht geschlagen hatte. Das Opfer kam mit leichten Blessuren davon.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis

Angeklagt wurde der Syrer dafür wegen versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung, mit einer Strafdrohung von bis zu zehn Jahren Gefängnis. Ein Schöffensenat am Landesgericht Feldkirch ging aber beim vierten Verhandlungstermin im Juni 2021 von keiner Verletzungsabsicht aus, sondern nur von einer versuchten schweren Körperverletzung, mit einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Haft. Die Richter gewährten dem Unbescholtenen eine Diversion. Sollte er 160 Stunden gemeinnützige Gratisarbeit leisten, würde das Strafverfahren eingestellt werden.

Beschwerde erhoben

Der Lehrling arbeitete die 160 Stunden ab. Trotzdem wurde das Verfahren nicht eingestellt. Denn die Staatsanwaltschaft erhob im Vorjahr Beschwerde gegen die Diversion, der das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) Folge leistete. Das OLG hielt die Sanktion für zu milde, hob den Diversionsbeschluss auf und ordnete die Weiterführung der Verhandlung am Landesgericht an.

Vom Oberlandesgericht Innsbruck wurde der Diversionsbeschluss aufgehoben. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Vom Oberlandesgericht Innsbruck wurde der Diversionsbeschluss aufgehoben. Shutterstock

In Feldkirch erfolgte daraufhin im März ein Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Schuldig gesprochen wurde der Angeklagte auch wegen zweifacher Körperverletzung, weil er nach den gerichtlichen Feststellungen zwei andere Kontrahenten leicht verletzt hat.

Bedingte Haftstrafe

Dafür wurde der mittlerweile 21-Jährige zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von fünf Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 320 Euro (80 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt.

Arbeitsstunden doch anzurechnen

Das Oberlandesgericht gab nun der Berufung des Angeklagten Folge und argumentierte dabei wie Verteidigerin Andrea Concin. Das Berufungsgericht entschied, dass die bereits geleisteten 160 Arbeitsstunden doch anzurechnen und von der Strafe abzuziehen sind. Das bedeutet, dass der Angeklagte die Geldstrafe nicht zu bezahlen hat. Denn 160 Stunden Gratisarbeit entsprechen den 80 verhängten Tagessätzen. Die Geldstrafe bleibt formal noch bestehen, neben der bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von fünf Monaten mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Das Urteil in dem langen Strafverfahren ist nun rechtskräftig.

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