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Alte Musik als Zeitreise durch Europa

13.10.2022 • 18:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Barockensemble Apollo's Cabinet                                                           <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">Abraham Buckoke</span>
Das Barockensemble Apollo's Cabinet Abraham Buckoke

Ab heute bringt das Klassikfestival :alpenarte internationale Top-Musiker nach Schwarzenberg. Junge Künstlerinnen aus Vorarlberg sprechen über neue Formate.

Mit innovativen Ideen, jungen aufgeschlossenen Musikschaffenden und hohem künstlerischen Anspruch will das Klassikfestival :alpenarte das Publikum begeistern. Das Programm reicht von Vivaldi, Händel und Mendelssohn Bartholdy über Piazzolla bis zu Kreislers „Liebesleid“. Mit verschiedenen Musikstilen soll klassische Musik zugänglich gemacht werden, auch für Schüler.
Zudem bietet die :alpenarte ein Festival, bei dem vor allem junge Künstler im Zentrum stehen. Top-Musiker aus aller Welt und auch aus Vorarlberg werden nach Schwarzenberg geholt: Mezzosopranistin und Artist in Residence Isabel Pfefferkorn wird bei allen drei Konzerten zu erleben sein, und die Barockviolinistin Karoline Wocher wird zusammen mit der Blockflötistin Teresa Wrann und ihrem gemeinsamen Barockensemble „Apollo’s Cabinet“ aus London die musikalische Reise von Charles Burney erzählen.

Unantastbare Welt

Im Interview erzählen die drei jungen Musikerinnen aus Bludenz und Feldkirch, wie wichtig es ist, Konzerte mit neuartigen Formaten und interaktivem Programm für junge Besucher spannender und zugänglicher zu gestalten und mit welchen Schwierigkeiten sie als junge Musikerinnen in der Branche zu kämpfen haben.
Wie Isabel Pfefferkorn beschreibt, will die :alpenarte „die oft als unantastbar wahrgenommene Welt der klassischen Musik berührbar machen“. Für die Sängerin sind es die verschiedenen Epochen und Musikgenres, welche die Musik „trotz ihrer unbeschreiblichen, unsichtbaren Kraft so real und angreifbar machen“. Einen ähnlichen Zugang verfolgt auch das Barockensemble mit dem Ziel, „alte Musik und Barockmusik mit verschiedenen anderen Genres zu verbinden und zu zeigen, „wie spannend die Musik sein kann, wie spannend sie war und dass sie nicht nur als trockenes staubiges Artefakt gesehen wird, sondern wirklich als interessante, aufregende Musik“, sagt Caroline Wocher. Dabei sei es hilfreich, Musik mit „verschiedenen Medien kombinieren zu können“, um das Interesse in den Leuten zu entfachen.

Barockviolinistin Karoline Wocher <span class="copyright">Sarah Yang</span>
Barockviolinistin Karoline Wocher Sarah Yang

Seltene Musik

Das, was die neuartigen Konzertformate der :alpenarte spannend macht, ist, „dass nicht nur große lange Werke, die schon hundert Mal gespielt worden sind, aufgeführt werden, sondern auch Musik, die man eher selten hört und auf eine Art, die erfrischend ist, in der das Publikum miteinbezogen wird, wo erzählt wird und man sich die Instrumente auch anschauen kann“, erklärt Teresa Wrann.
Ein Konzept, welches auch im ersten Konzert „:Baroque For Everyone“ heute Abend in Schwarzenberg präsentiert wird. Die Musiker wandeln auf den Spuren von Charles Burney, einem Mann aus dem 18. Jahrhundert, der als Reiseblogger Europa besuchte und statt wie heute auf Instagram damals eben in seinen Tagebüchern seine musikalischen Erlebnisse der verschiedenen Länder dokumentiert hat.

„Er schreibt beispielsweise, wie er in Frankreich Promenaden entlangläuft, sich in Kaffeehäuser setzt oder wie er in Leibzig auf den Spuren Bachs ganz bekannte Musiker und Komponisten trifft“, so Wrann. Gestaltet wird quasi eine musikalische Reise mit Erzählungen aus den Tagebüchern und auch einem interaktiven Teil, wo mit dem Publikum gemeinsam gesungen wird. „Wir werden mit den Stücken durch Europa führen, sodass die Menschen das Gefühl haben, sie sind genau dort in dieser Zeit“, sagt Wocher. Um das Erlebnis so authentisch wie möglich zu machen, wird auf historischen Instrumenten gespielt.

Neue Ansätze

Generell könnte man versuchen, neue Ansätze zu finden, Konzerte zu gestalten, sagt Wocher im Hinblick auf das Konzertpublikum, das oft größtenteils eher der älteren Generation angehöre, „was auch schön ist, aber die jungen Leute haben nicht so viel Interesse, in ein Konzert zu gehen. Es gibt vieles, was man machen könnte, und ich hoffe, dass das auch in größeren Konzertsälen durchkommt”.

Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn <span class="copyright">Isabel Pfefferkorn</span>
Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn Isabel Pfefferkorn

In Bezug auf Konzepte, Programmierungen, Besetzungen und die gesamte Darstellung könne Musik „etwas vom Wenigen auf der Welt sein, das keine Grenzen aufzeigt“, so Pfefferkorn. „Zum Beispiel muss die Ausnahme von der Selbstverständlichkeit ersetzt werden, Frauen als Komponistinnen in Konzertprogrammen zu lesen oder auf Dirigentenpulte zu setzen.“ Dass Frauen und junge Musikerinnen die Herausforderungen anders gestalten als für Männer, merkt auch Wocher. So gäbe es viel zu wenig Dirigentinnen, obwohl diese genau dasselbe machen und können, wie ein Mann. „Ich glaube, dass viel auch in den Köpfen der Menschen verankert ist, früher gab es in den Orchestern ja nur Männer“, versucht Wocher eine Erklärung zu finden.
Wie Pfefferkorn beschreibt, sei es in der Musikbranche oft von Vorteil, „als Mann verstanden zu werden“. So sei es nicht immer einfach, als junge Frau ernstgenommen zu werden, „ohne dass man in eine von zwei Extrem-Darstellungen gedrückt wird: die Unsichere oder die Egozentrische. Dass es außerdem immer Personen gibt, die ihre Macht gegenüber jungen KünstlerInnen auszunutzen versuchen, ist leider auch nach wie vor aktuell. Dass die Musik und gerade das Singen aber etwas vom Persönlichsten ist, bei dem Sympathie, Authentizität und Sinnlichkeit sehr große Rollen spielen, macht das Ganze nicht einfacher“.

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