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Freispruch von Raub für jungen U-Häftling

13.10.2022 • 19:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/AFP

Verteidiger sagte, beim Vorfall handle es sich nur um geplatzten Drogendeal.

Dreieinhalb Monate lang befand sich der 21-Jährige in der Justizanstalt Feldkirch in Untersuchungshaft. Am Donnerstag durfte der Syrer unmittelbar nach dem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch das Gefängnis als freier Mann verlassen. Denn der unbescholtene Angeklagte wurde im Zweifel vom Verbrechen des Raubes freigesprochen. Das Urteil des Schöffensenats unter dem Vorsitz von Richterin Magdalena Rafolt, mit dem Staatsanwalt Heinz Rusch einverstanden war, ist rechtskräftig. Für den Fall eines Schuldspruchs hätte der Strafrahmen ein bis zehn Jahre Gefängnis betragen.

Geld für Haarschnitt

In der Anklageschrift wurde dem Untersuchungshäftling vorgeworfen, er habe Ende Juni in Lustenau zusammen mit einem unbekannten Mittäter einen anderen Araber geschlagen und ihm 140 Euro und einen Ring geraubt. Das Treffen sei zur Rückzahlung von Schulden vereinbart gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Denn das spätere Raubopfer habe dem Angeklagten zehn Euro geschuldet, aus einem Darlehen für einen Haarschnitt bei einem Hausfriseur.

Verteidiger Sanjay Doshi sagte, sein Mandant habe keinen Raub begangen. Bei dem Treffen sei es um ein Suchtgiftgeschäft gegangen, das allerdings geplatzt sei. Sein Klient habe Marihuana verkaufen wollen. Dabei sei es aber im Streit um die Drogenmenge und den Kaufpreis zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen.

Angeklagter hatte Angst

Der Angeklagte gab vor Gericht zu Protokoll, er habe vor der Polizei und vor dem Haftrichter noch nichts von dem gescheiterten Drogendeal erzählt. Denn er habe Angst gehabt, als mehrmaliger Verkäufer von Marihuana aufzufliegen und bestraft zu werden. Lieber habe er sich für den ungerechtfertigten Raub-Vorwurf in Untersuchungshaft nehmen lassen. Inzwischen wurde bei einer Hausdurchsuchung in seiner Wohnung Cannabis gefunden. Ein Strafverfahren wegen des Besitzes und Verkaufs von Marihuana ist mittlerweile anhängig.

Richterin Rafolt sagte in ihrer Urteilsbegründung, im Zweifel sei zugunsten des Angeklagten zu entscheiden gewesen. Der Schöffensenat könne nicht feststellen, was tatsächlich passiert sei.

Verteidiger Dohsi merkte an, das Gericht habe die Vorladung des entscheidenden Entlastungszeugen erst zugelassen, nachdem er ihn mehrfach beantragt habe. Ohne den Entlastungszeugen, der den Raub-Verdacht entkräftet habe, hätte sein unschuldiger Mandant wohl weiterhin im Gefängnis bleiben müssen.

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