Allgemein

Das Goldstück im eigenen Garten

14.10.2022 • 22:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Renate Moosbrugger stellt den Kompost in ihrem privaten Garten her. <span class="copyright">Hartinger</span>
Renate Moosbrugger stellt den Kompost in ihrem privaten Garten her. Hartinger

Mit Kompost können nicht nur die derzeit anfallenden Abfälle entsorgt werden.

Wenn der Garten für den Winter vorbereitet wird, kommt womöglich die Frage auf, wo Zweige, Laub, Rasen- und Heckenschnitt hin sollen. Eine ideale Möglichkeit bietet eine letzte Herstellung eines Komposts, bevor es kühl wird. Die geeignete Zeit dafür ist April bis Oktober, weil die Außentemperatur Einfluss auf die entwickelte Hitze im Kompost hat. So kann in die kommende Saison investiert werden. Denn selbst produzierter Kompost ist nicht nur für die Verwertung von organischen Abfällen sinnvoll, sondern fördert zudem die Bodengesundheit und das Pflanzenwachstum. Denn wenn das Gemüse nicht mehr in voller Pracht gedeiht, liegt es womöglich am Boden. „Die Pflanze kann nur aufnehmen, was die Umgebung bietet“, so Renate Moosbrugger. Sie hat einen Weg gefunden, durch den es dem Boden in ihrem Garten nicht an Nährstoffen fehlt. „Die Pflanzen sind durch den Kompost gesünder, stehen robuster da. Außerdem sind sie weniger krankheitsanfällig“, erklärt die ehemalige stellvertretende Obfrau vom Obst- und Gartenbauverein die Auswirkungen des Komposts auf ihre Ernte. Durch das Abfallrecycling der Grün- und Küchenabfälle wird der Kreislauf der Natur geschlossen und Dünger in Form von Humus produziert. Humus ist eine Nährstoffquelle und unterscheidet sich von mineralischen Stickstoffdüngern in seiner Wirkung. Während bei Stickstoffdüngemittel Pflanzen schnell wachsen und dadurch die Zellwände dünn und krankheitsanfällig sind, sorgt natürlicher Dünger für ein „gesundes Wachstum“.

Der Grünabfall aus dem Garten muss zerkleinert werden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Grünabfall aus dem Garten muss zerkleinert werden. Hartinger


Nicht nur in Sache Gesundheit profitieren die Pflanzen. Laut Moosbrugger auch im Geschmack. Außerdem habe sie auch mit weniger Schneckenbefall zu kämpfen. Zudem müsse sie nicht mehr so häufig gießen. Letzteres sei auf längere Wurzeln durch reduziertes Gießen und den Humusanteil im Boden zurückzuführen. Denn durch die krümelige Struktur kann der Boden besser Wasser speichern und er ermöglicht einen besseren Luftaustausch.

Der Kompost muss regelmäßig mit der Mistgabel durchmischt werden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Kompost muss regelmäßig mit der Mistgabel durchmischt werden. Hartinger

Kontrolliertes Verrotten

Bei der von ihr angewendeten Methode, dem „Controlled Microbial Composting“ verlaufen die mikrobiellen Prozesse kontrolliert. Durch eine bewusste Steuerung der Hitze werden Unkrautsamen und Schadorganismen bei ungefähr 68 Grad Celsius abgetötet. Die Temperatur dürfe laut Moosbrugger jedoch nicht höher steigen, damit nicht gute Nährstoffe abgetötet werden.
Durch eine gezielte Zusammensetzung der gemischten Rohmaterialien wird der Kompostierprozess gesteuert. Dabei ist neben der Temperatur auch die Feuchtigkeit wichtig. Wenn der Kompost zu trocken sei und in Einzelteile zerfalle, könne mit einem Schlauch Wasser nachgeholfen werden, so Moosbrugger. Sonst sei der Verrottungsprozess beeinträchtigt. Bei zu nassem Kompost könne im Nachhinein Heu oder Stroh ergänzt werden. Ein Hinweis auf zu trockenen Kompost sei, wenn Flüssigkeit rausrinne. Dann besteht die Gefahr von Fäulnis. In den Kompost gehören Rasenschnitt, trockenes Material, grüne Gartenabfälle, Küchenabfälle, Erde, Stallmist, Gesteinsmehl und Pflanzenkohle. Durch die richtige Anteile dieser Komponenten (siehe Factbox) ergibt sich das benötigte Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis. Stickstoffhaltiges wie etwa Rasenschnitt heizt schnell und kurz. Kohlenstoffreiches, wie etwa Stroh, Rinde, Strauchschnitt und Sägemehl bewirkt, dass die Wärme länger gehalten wird.
Küchenabfälle werden bis zum Beginn des Kompostierprozesses in luftdichten Behälter gesammelt. Für die Vorbereitung des Pflanzenschnitts ist ein Häcksler oder eine Baumschere notwendig. Das fertige Rohmaterial wird dann dünn geschichtet und mit einem Vlies zugedeckt – als Schutz vor UV-Strahlen und Regen.

Moosbrugger zeigt die nötigen Zutaten für den Kompost. <span class="copyright">Hartinger</span>
Moosbrugger zeigt die nötigen Zutaten für den Kompost. Hartinger

Zusammensetzung

Maximal 15 Prozent Rasenschnitt

15 bis 20 Prozent trockenes Material

20 bis 25 Prozent Gartenabfälle

15 bis 20 Porzent Küchenabfälle

jeweils maximal 10 Prozent Erde und Stallmist

drei bis fünf Prozent Pflanzenkohle

ein bis drei Prozent Gesteinsmehl

Fitnessstudio Garten

Damit ist die Arbeit noch nicht getan. Der Kompost benötigt regelmäßige Betreuung. Deswegen empfiehlt Moosbrugger auch in Sachen Zeitmanagement Planung im Voraus. Es mache keinen Sinn, wenn man einen Kompost beginne und dann in den Urlaub fahre. „Wenn du anfängst, musst du dranbleiben.“ Der Kompost benötigt sechs bis acht Wochen, bis er fertig ist. In regelmäßigen Abständen muss er mit einer Mistgabel umgesetzt werden. Moosbrugger bezeichnet dies als fünfzehnminütiges Fitnesstraining. In der ersten Woche ist täglicher körperlicher Einsatz gefragt. In der zweiten Woche verringert sich dies auf jeden zweiten Tag, in der dritten auf jeden dritten Tag. Dabei wird der Anteil von außen nach innen und von unten nach oben geschaufelt, da in der Mitte die Temperatur höher ist als außen. Das braucht genügend Platz. Für Moosbrugger soll dies der Schönste sein, der Kompost solle nicht versteckt werden. Ihre Kompostierlehrerin habe den Kompost als Goldstück des Gartens bezeichnet, erzählt sie.

Der Kompost wird mehrere Wochen durchmischt, nach ein paar Wochen sieht er noch so grob aus. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Kompost wird mehrere Wochen durchmischt, nach ein paar Wochen sieht er noch so grob aus. Hartinger

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.