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Ganz Europa kennt das Fluggebiet Andelsbuch

14.10.2022 • 15:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Von der Niedere aus können Paragleiter in Richtung Andelsbuch starten, es ist aber auch möglich, in den Hinterwald zu fliegen. <span class="copyright">Andelsbuch tourismus</span>
Von der Niedere aus können Paragleiter in Richtung Andelsbuch starten, es ist aber auch möglich, in den Hinterwald zu fliegen. Andelsbuch tourismus

Bis zu 350 Paragleiter in Andelsbuch an starken Tagen. Warum Gebiet so beliebt ist, wird nun in Themenweg erklärt.

Der Himmel über Andelsbuch ist an manchen Tagen voll mit bunten Paragleitern. „Als Laie fragt man sich manchmal, wie sie es schaffen, nicht ineinander zu fliegen“, beschreibt Irmtraud Greber, Obfrau des Vereins Andelsbuch Tourismus, den Flugverkehr über der Mittelwälder Gemeinde. Bis zu 350 Flüge zählt das Fluggebiet an einem sehr starken Tag in den Ferien oder am Wochenende. Das kommt nicht von ungefähr: Die Bedingungen bei der Niedere, dem Flugberg, sind optimal. „Von der Thermik und den Winden her ist es eines der besten Fluggebiete in Europa. In der Paragleiter-Szene ist Andelsbuch ein Begriff“, sagt die Tourismusexpertin. Paragleiterexperte Jodok Moosbrugger bestätigt das (siehe Artikel rechte Seite). Längst ist das Paragleiten deshalb ein wichtiger Faktor für den Tourismus in Andelsbuch geworden.

Aussicht auf das Bödele. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Aussicht auf das Bödele. Stiplovsek

Die meisten Bregenzerwälder, Durchfahrenden und Gäste wissen nicht, warum gerade in Andelsbuch so viele Paragleiter ihrem Hobby nachgehen. Das wollte Andelsbuch Tourismus schon vor längerem ändern. Doch wie? Eine Anfrage von Mario Hammerer, Direktor der Bezauer HLT (Höhere Lehranstalt für Tourismusberufe), wies schließlich den Weg: Ob Andelsbuch Tourismus ein Projekt für die Maturanten für ihre Diplomarbeiten hätte, wollte der Schulleiter wissen. Die Touristiker dachten sich, dass auf diese Art vielleicht etwas entstehen könnte, reichten das Projekt unter dem Arbeitstitel „Andelsbuch – die Entwicklung des Paragleiterangebots“ ein, und keine drei Stunden, nachdem der Direktor das Thema in einer Klasse vorgestellt hatte, meldeten Sarah Kleber aus Andelsbuch und Sandra Bereuter aus Sulzberg ihr Interesse daran an. Das war im Jänner 2020, im Frühling 2021 präsentierten die beiden ihre fertige Projektarbeit, und vor einem Monat wurde das umgesetzte Endergebnis – ein Themenweg – feierlich eröffnet.

Irmtraud Greber von Andelsbuch Tourismus mit den ehemaligen Schülerinnen und  Projektarbeiterinnen Sarah Kleber und Sandra Bereuter. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Irmtraud Greber von Andelsbuch Tourismus mit den ehemaligen Schülerinnen und Projektarbeiterinnen Sarah Kleber und Sandra Bereuter. Stiplovsek

Flugmeile

Der Weg vom Ortszentrum bis zur Talstation der Bergbahnen Andelsbuch, wo auch die Flugschule Bregenzerwald beheimatet ist, ist nun die „Andelsbuch Flugmeile“. An sieben Stationen informieren Tafeln über die Besonderheiten des Fluggebietes, über die Geschichte des Fliegens in Andelsbuch, über Start und Landung, Wind, Wetter und Thermik, über das Material, Unfälle, Wildtiere und noch einiges mehr. Die Informationen sind knapp und gut verständlich formuliert. Für Kinder gibt es bei jeder Station den sogenannten Andi, der halb Mensch, halb Vogel ist und der zum Rätseln und Spielen einlädt. Die Tafeln jeder Station sind in weiß, gelb, blau und grün gehalten. „Die meisten Schirme der Paragleiter haben diese Farben“, erklärt Tourismus-Obfrau Irmtraud Bechter die Farbwahl. An zwei Stationen hängen an einem Gestell die Sitze eines Paragleiters. Wer sie ausprobiert, wird feststellen, wie bequem ein solcher Sitz ist, und kann ein bisschen das Gefühl nachvollziehen, in einem Paragleiter zu sitzen. „Uns war wichtig, nicht nur Informationen zu liefern, sondern das Paragleiten auch erlebbar zu machen. Zudem können Besucher, während sie darin sitzen, gut den Himmel und die Paragleiter beobachten“, sagt Irmtraud Greber.

Der Leiter der Flugschule, Jodok Moosbrugger (hinten), bei einem Tandemflug.<br><span class="copyright">Flugschule bregenzerwald</span>
Der Leiter der Flugschule, Jodok Moosbrugger (hinten), bei einem Tandemflug.
Flugschule bregenzerwald

„Super Arbeitskonzept“

Die Idee zu den Sitzen hatten die beiden ehemaligen Schülerinnen. Sehr vieles von dem Konzept, das sie erarbeitet hatten, wurde übernommen. Irmtraud Bechter ist voll des Lobes für die beiden jungen Frauen: „Wir haben ihnen die Richtung vorgegeben, und anhand dieser Vorgabe haben sie ein super Arbeitskonzept geliefert. Sie haben die Inhalte herausgearbeitet und Vorschläge für die Gestaltung der Tafeln gemacht. Auf dieser Basis konnten wir den Themenweg in Zusammenarbeit mit der Agentur ‚Super bfg‘ gestalten.“ Sarah Kleber und Sandra Bereuter wiederum freuen sich sehr, dass aus ihrer Projektarbeit tatsächlich etwas entstanden ist und sie nicht, wie sonst oft üblich, als Papier in einer Schublade verstaubt. Arbeit habe das freilich viel gegeben, sagen die beiden 20-Jährigen, von denen eine – Sarah Kleber – mittlerweile an der FH Vorarlberg studiert und die andere – Sandra Bereuter – in der Finanzverwaltung im Vorderwald beschäftigt ist.

Der Paragleiter-Sitz bei einer Station. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Der Paragleiter-Sitz bei einer Station. Stiplovsek

Viele Infos

Von Kaspar Greber, einem Pionier des Fliegens in Andelsbuch, haben sie damals einen Stapel alter Zeitschriften, Hefte und Fotos bekommen. Zudem interviewten sie ihn sowie einen anderen Pionier, Jodok Moosbrugger, und sie führten eine Umfrage unter Paragleitern durch. Nicht zu vergessen, dass sie sich in Fachbüchern und im Internet über das Material und weitere Eigenheiten des Paragleitens informierten. Sich durch all diese Informationen durchzuarbeiten, hat sich jedenfalls dauerhaft gelohnt: Der Themenweg wird noch viele Jahre bleiben.

Eine der sieben Stationen des Themenweges. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Eine der sieben Stationen des Themenweges. Stiplovsek

Von Andelsbuch nach Schnifis und zurück

Der Bezauer Jodok Moosbrugger ist vor 36 Jahren zum ersten Mal geflogen – in Andelsbuch. Der heute 62-Jährige verfiel sehr bald seiner Passion und machte sie zu seinem Beruf. Seit 1989 arbeitet er in der Flugschule in Andelsbuch mit, seit 1996 leitet er die „Flugschule Bregenzerwald“, wie ihr Name mittlerweile lautet. Er reiste auch schon in andere Fluggebiete in Europa und Südamerika. Das sei immer toll gewesen, aber: „Andelsbuch ist eines der schönsten Gebiete“.
Vom Bodensee her kommt ein laminarer (gleichbleibender) Hangaufwind, und gemeinsam mit der richtigen Thermik sorgt das für optimale Bedingungen. Will heißen: Die Start- und Landeplätze sind sicher, die Flieger können in alle Himmelsrichtungen starten, und das Gebiet ist für Langstreckenflüge sehr gut geeignet. Geübte Paragleiter können von Andelsbuch aus bis ins Lechtal fliegen, zudem gibt es ein Dreieck nach Schnifis und zurück. Unter Paragleitern sei Andelsbuch in ganz Europa bekannt, so ähnlich, wie jeder Skifahrer Kitzbühel kennt, sagt Jodok Moosbrugger. Neben Deutschen kommen etwa Niederländer, Franzosen und Schweizer nach Andelsbuch zum Fliegen.

Jodok Moosbrugger, Flugpionier und Leiter der Flugschule Bregenzerwald. <span class="copyright">stiplovsek </span>
Jodok Moosbrugger, Flugpionier und Leiter der Flugschule Bregenzerwald. stiplovsek

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