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Land lässt den Wind wieder einmal prüfen

17.10.2022 • 21:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Innerösterreich und Deutschland gehören Windräder mittlerweile vielerorts zum Landschaftsbild. <span class="copyright">(C) Stiplovsek</span>
In Innerösterreich und Deutschland gehören Windräder mittlerweile vielerorts zum Landschaftsbild. (C) Stiplovsek

Das Land lässt das Potenzial für Windkraftanlagen prüfen.

In der andauernden Debatte um die Errichtung von Windkraftanlagen in Vorarlberg setzt das Land nun erstmals einen aktiven Schritt. Nachdem Energieministerin Leonore Gewessler plant, die Blockademöglichkeit der Länder durch eine Gesetzesänderung auszuhebeln, will Vorarlberg nun erstmals seit 2003 das Potenzial für Windräder erheben lassen.

Zuletzt hatte der Vorarlberger Landtag einstimmig für eine Potenzialanalyse votiert, die von der Landesregierung nun in Auftrag gegeben wurde. „Damit erhalten wir eine fundierte Faktenlage zur Nutzung der alternativen Windenergie in Vorarl­berg“, erklärte der zuständige Landesrat Daniel Zadra. Kern­element dieser Analyse seien die Erhebung des Windpotenzials in verschiedenen Höhen, und eine Abschätzung der möglichen Anzahl an Windkraftanlagen. Die Grundlagen dafür dürften schon in einer 19 Jahre alten Studie „Das Windkraftpotenzial Vorarl­bergs“ zu finden sein, denn mit ersten Ergebnissen rechnet man bereits Mitte November.

In Vorarlberg wurde bisher vor allem geprüft. <span class="copyright">(c) stiplovsek</span>
In Vorarlberg wurde bisher vor allem geprüft. (c) stiplovsek

Freiheitlicher Antrag

Der Landtag hatte am 7. Juli einen Entschließungsantrag der FPÖ angenommen. Diese hatte bemängelt, dass die Windenergie in der Strategie Energieautonomie+ 2030 nur eine untergeordnete Rolle spiele. „Aus unserer Sicht wird es zur Erreichung der äußerst ambitionierten Ziele der Energieautonomie jedoch notwendig sein, alle erneuerbaren Energieträger ihrem Potenzial entsprechend zu nutzen – dazu zählt auch die Windenergie“, so die Abgeordneten Daniel All­gäuer und Andrea Kerbleder in der Begründung. Die Ergebnisse der Studie aus dem Jahr 2003 sollen nun aktualisiert werden. Außerdem will die Landesregierung auch die heikle Standortfrage angehen.

Schätzungen und Konzepte

„Ziel muss es sein, eine fundierte Faktenlage zur Nutzung der alternativen Windenergie in Vorarlberg zu schaffen“, so Zadra. Mit der Ausarbeitung der neuen Studie wurde die „Energiewerkstatt – Technisches Büro für Erneuerbare Energie“ aus Oberösterreich beauftragt, dessen Geschäftsführer sich bei den Grünen engagiert.

Das Unternehmen sei bereits maßgeblich an der Erstellung des Österreichischen Windatlas beteiligt gewesen und habe schon vergleichbare Analysen für andere Bundesländer erstellt, heißt es vom Land. Der letzte Bericht zum Windatlas aus dem Jahr 2014 hatte Vorarlberg das geringste mobilisierbare Windkraftpotenzial aller Bundesländer nach Wien beschieden. Bis 2030 sei ein maximaler Ausbau auf 239 Megawattstunden möglich, hieß es darin. Das entspricht in etwa der Leistung des Lünerseewerks. Allerdings wurde dabei auch davon ausgegangen, dass bis 2020 bereits Anlagen mit einer Leistung von 93 Megawatt errichtet worden sein würden. Für das Burgenland wurde sogar ein potenzieller Ausbau bis auf 3.903 Megawatt ausgewiesen. Bis 2020 wollte man einen Anteil am Strommarkt von 13,5 Prozent erreichen – 2021 betrug er tatsächlich etwa elf Prozent.

Enkelfitte Ziele verfehlt

Bis dato gibt es in Vorarlberg keine einzige industrielle Windkraftanlage. Ob sich das bald ändert, wird auch vom Einsatz der Landespolitik abhängen. Bereits ein 2011 vom Land herausgegebener Maßnahmenplan, der „101 enkeltaugliche Maßnahmen“ für das Jahr 2020 enthalten sollte, sah den Bau von drei bis fünf größeren Windkraftanlagen in Vorarl­berg vor. Freilich wurden die enkelfitten Windräder nur konzeptioniert, aber nie errichtet. Als Grund wurden immer wieder Umwelt- und Anrainerinteressen genannt. Schon damals hieß es im Bericht: „Anmerkung: kritische Situation bezüglich Natur- und Landschaftsschutz ist zu beachten. Eventuell gemeinsame Anlagen in Kooperation mit benachbarten Ländern.“

Der nun erteilte Konzeptauftrag an die oberösterreichische Energiewerkstatt sieht die Erhebung von Daten zum theoretischen Windpotential in Vorarlberg vor. Dazu gehört neben der Windgeschwindigkeit auch die Leistungsdichte.

Planungen ohne Scheuklappen

„Zur Ermittlung der möglichen Nutzung des Windpotenzials wird ein Ensemble von Windkraftanlagen der aktuellen Generation modelliert. Daraus ergibt sich eine landesweite und eine bezirksweise Abschätzung für die mögliche Anzahl an Windkraftanlagen, die aggregierte Windenergieleistung (in MW) und den daraus resultierenden jährlichen Energieertrag (in GWh)“, heißt es vom Land.

Landeshauptmann Markus Wallner hatte im September in der NEUE am Sonntagerklärt, wenn es ein gutes Windkraftprojekt, mit einem passenden Standort gebe, sei er nicht dagegen: „Man muss offen sein, wenn es darum geht, wie wir die Energiewende schaffen können.“ Die Planungen des Landes sollen ebenso offen und ohne vorherige Einschränkung beginnen: „Eine Eingrenzung des Windpotenzials anhand von technischen und räumlichen Kriterien (z.B. Ausschluss von Siedlungsräumen oder verordneten Naturschutzgebieten) soll vorerst nicht erfolgen.“

Wallner hatte aber auch festgehalten, er sei dagegen, die Bevölkerung vor Ort bei Windkraftprojekten „zu überfahren“.

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