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Wanderung zum Mittelpunkt Liechtensteins

17.10.2022 • 19:34 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Weg zum Bargällasattel. <span class="copyright">Vylet</span>
Weg zum Bargällasattel. Vylet

Hertha Glück und Gerhard Vylet steigen auf den Alpspitz.

Start- und Endpunkt der Wanderung ist die Bushaltestelle, beziehungsweise der Parkplatz nach dem Tunnel in Steg im Saminatal in der Liechtensteiner Gemeinde Triesenberg. Die Gemeinde ist die höchstgelegene und flächenmäßig größte Liechtensteins. Eine erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1355 dokumentiert die Besiedlung durch Walser. Dieses westlichste Tal des Rätikons beginnt bei der Alpe Valüna am Fuße des Naafkops (Grenzberg zwischen Österreich und Liechtenstein) und endet bei Frastanz im Walgau. Nach Querung der Brücke kurz oberhalb von Wegweiser und Bushaltestelle beginnt der Anstieg nach Sücka auf einem Waldweg. Dort rückt Bargäsattel als nächstes Etappenziel in den Fokus.


Nach ein paar Metern auf der Straße beginnt bei dem alten Tunnel „Ds alt Tonäll“ ein Wiesenweg mit Aussicht durchs Saminatal bis Vorarlberg. Knapp unter der Geländekante dem Kulm, welche das Saminatal vom Rheintal trennt, gewinnt man stetig an Höhe. Gelände und Bäume schirmen den Weg zum Rheintal hin ab.

"Ds alt Tonäll".    <span class="copyright">Vylet</span>
"Ds alt Tonäll". Vylet

Schöne Blicke über das Rheintal

Nach einem ersten kurzen Stück durch den Wald, beginnt bei der nächsten Abzweigung der Anstieg mit einigen Stufen zur Plattaspitz. Ab hier verläuft der Weg direkt auf dem Bergrücken. Der weitere Aufstieg über den Walwurzelweg, führt teils direkt an der felsigen Geländekante zum 1704 Meter hohen Gipfel. Kurz vor dem Gipfel beginnt auch die Winterruhezone Bargälla, welche von 15. Dezember bis 15. April nicht betreten werden darf. Der Plattaspitz bietet schöne Blicke übers Rheintal bevor es kurz nach dem Gipfelkreuz wieder hinuntergeht.

Kurzbeschreibung Tour

Besonderes: Diese Wanderung bringt einen nicht nur zum geografischen Mittelpunkt Liechtensteins, sondern offeriert auch Blicke nach Österreich und Schweiz

Anforderung und Gehzeit: In circa fünf Stunden werden ungefähr zwölf Kilometer mit etwa 790 Höhenmetern im Auf und Ab zurückgelegt. Trittsicherheit erforderlich.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Forst-, Wiesen- und Waldwege, Straße

Kultur und Natur: Steg, Alpe Bargälla, Alpe Silum, „Ds alt Tonäll“, Geografischer Mittelpunkt Liechtensteins

Anziehen und Mitnehmen: Wanderkleidung, Schuhe (je nach Witterung), Getränke und Jause, eventuell Wanderstöcke

Einkehrmöglichkeiten: Berggasthaus Sücka

Start und Ende: Steg, Gemeinde Triesenberg (LIE), Wanderparkplatz bzw. Bushaltestelle Tunnel


Fast flach gelangt man zum Bargällasattel, in dessen Nähe sich der geografische Mittelpunkt Liechtensteins befindet. Einmal am Mittelpunkt eines Landes zu stehen, lohnt den kurzen Abstieg. Wieder am Sattel geht es auf der linken Seite der Wiese steil nach oben zu den Latschen. Eine flachere Passage gibt etwas Zeit zum durchatmen für den letzten steilen Anstieg zum 1996 Meter hohen Alpspitz. Vom Jahr 1960 bis 2015 wurde ein westlich liegender, kleinerer Gipfel auf der Landkarte mit demselben Namen bedacht, was die Höhenangabe von 1944 Metern am Gipfelkreuz erklärt.

Der geografische Mittelpunkt Liechtensteins. <span class="copyright">Vylet</span>
Der geografische Mittelpunkt Liechtensteins. Vylet


Dort erwartet einen ein Rundumblick vom Alpstein bis in die Berge des Bregenzerwaldes, des Lechquellgebirges und auch übers Rätikon.
Der Rückweg. Der Rückweg führt, nach kurzem Abstieg vom Gipfel, links auf dem Wurzelweg durch Latschen zur Abzweigung „Chemi“. Dabei kann immer wieder über die Felskanten nach unten die Garsällialp und auf der fast selben Höhe die Gafleispitze betrachtet werden. Beim „Felsentor“ dem „Chemi“ führt ein breiter Weg rechts hinunter zurück zum Bargällasattel. Dort geht es auf der Forststraße Richtung Gaflei hinunter, die Strecke kann über kleine Wege nach Belieben abgekürzt werden. Beim Wegweiser werden die Alp Silum, welche auf dem Weg liegt und das Ziel Steg angezeigt. Der Weg dorthin, am Wasserreservoir Färchanegg vorbei, weiterhin auf der Forststraße ist flach.


Bald ist die Alpe Silum erreicht wo man vielleicht Eseln, Pferden oder Yaks begegnet. Der dreifach abgestufte Brunnen beim Wegweiser ist bemerkenswert. Der weitere Weg schlängelt sich an Heubargen vorbei durch den Wald und wiederum am Wiesenrand an Heubargen vorbei bis zum „Ds alt Tonäll“. Ist der alte Tunnel durchschritten, führt der vom Beginn der Wanderung bekannte Weg zurück zum Ausgangspunkt.

Rund um die Tour

Das rätoromanischen sulam /sulom bedeutet Hofstatt, Bauplatz, Boden und wandelte sich zu Silum dem heutigen Namen. Im Dokument „1509/17“ ist eine Walser Alp dokumentiert und 1611 der Verkauf von der Gemeinde Triesen an fünf Triesenberger als Maisäss. 1649, 1662 und 1688 wurde Silum durch den zukauf von Gebieten der Alpe Sücka vergrößert. Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich Silum zu einem Ferien- und Naherholungsgebiet. 1914 bis 1919 entstand ein Alpenkurhaus, ab 1930 wurden erste Ferienhäuser gebaut bzw. Alphütten dazu umgebaut. Wohnten von 1924 bis 29 Schweizer Grenzwächter auf Silum waren es von 1934 bis 38 deutsche Hutterer. Bedürftige Liechtensteiner Kinder verbrachten von 1939 bis 1964 auf Einladung der Caritas die Sommerferien auf Silum.

Die Alpe ist im Eigentum der Alpgenossenschaft mit 56 Weiderechten und erstreckt sich bis auf die Saminatalseite.

Auf der Alpe Silum.  <span class="copyright">Vylet</span>
Auf der Alpe Silum. Vylet

Alpe Bargälla

Der Name stammt aus dem alträtoromanischen „bargella“ bzw. dem ratoromanischen „bargia“ her, was Schopf, Gadenstatt oder Heustadel bedeutet. Eine Walser Alp wird 1509/17 im Brandisischen Urbar erstmals urkundlich erwähnt. 1562 kam die Alp in Triesenberger Gemeindebesitz. 1879 sind 33 Alphütten dokumentiert. Bis 1887 erfolgte die Nutzung durch Einzelsennereien. War es früher eine Kuhalpe, ist es heute eine Galtalpe auf der auch Pferde und Esel anzutreffen sind.

Ds alt Tonäll

Die erste Straße von Vaduz nach Steg wurde 1867 gebaut. Davor mussten die Triesenberger Bauern alle Güter und Waren auf dem Rücken nach Steg und Malbun tragen. Mit der Straße wurde auch der 48 Meter lange Tunnel gebaut, der anfangs mit einer Holzkonstruktion ausgekleidet war. 1899 wurde diese durch das noch heute sichtbare Mauerwerk ersetzt. Der Tunnel war bis zur Eröffnung des Neuen 1947 in Betrieb.

Blumenkunde

Der Wiesen-Augentrost trägt den griechischen Namen „Euphrasia“, was Wohlbefinden heißt. Der lateinische Nahme lautet. „officinalis“, sprich arzneilich. Augentrost wird bei Augenleiden verwendet, Der Gebrauch geht auf die Signaturlehre zurück, denn die Blüten ähneln Augen und Wimpern. Der Augentrost bevorzugt magere Wiesen und Weiden. Durch die intensive Grünlandwirtschaft ist er aber oft stark im Rückgang,. Neuerdings ist er allerdings auch an Straßensäumen zu entdecken. Gedeiht von der Ebene bis ins Hochgebirge.

Wiesen-Augentrost. <span class="copyright">Vylet</span>
Wiesen-Augentrost. Vylet

Quellen: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer, Historisches Lexikon des Fürstentums LIE, Flora Helvetica Haupt Verlag, triesenberg.li

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