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Ein Platz für Magie und Fantasie

19.10.2022 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Blick in die Ausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Blick in die Ausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle Sieglinde Wöhrer

Bis 29. Oktober zeigt Georgij Melnikov seine Ausstellung „Pochiertes Ei im Glas“ in der Galerie Lisi Hämmerle. Dabei trifft fragile Keramik auf unerfüllte Träume und mystische Symbole.

Es sind die Erinnerungen an russische Zeichentrickserien, Märchen und esoterische Praktiken, die der Künstler Georgij Melnikov in seine Werke integriert und damit seine ganz eigene Perspektive schafft, das Gute und das Böse der Welt zu betrachten.

Machtverhältnisse

Unscheinbare Dinge wie Eier verwandeln sich in Behältnisse für Gift, niedliche rosa Gürteltiere sind als gepanzerte Wesen gerüstet für die Verteidigung im Kampf. Einhörner schauen lieb aus und knacken als Unternehmen in der kapitalistischen Welt im ersten Monat eine Milliarde. Die Romantisierung vom Krieg und Rittertum im Mittelalter wird aufgebrochen, und die „guten“ Krieger, die gegen das Böse kämpfen und im Märchen immer gewinnen, greifen als „Staatsgewalt“ selbst an.

„Es geht um eine Fantasiewelt, die eben als Fantasiewelt ganz schön ist, aber ein bisschen schwierig wird, wenn man sie komplett über die Realität setzt“, sagt Melnikov und beschreibt die Kunst als den „bes­ten Ort für Magie und Fantasie. Daher sei es für ihn interessant, in seiner Arbeit solche Symboliken heranzuziehen.

Werke aus der Serie "Pink Fairy Armadillo"  <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Werke aus der Serie "Pink Fairy Armadillo" Sieglinde Wöhrer

Reale Kontexte

Drei Projekte treffen aufeinander, sind verbunden durch das Spiel mit Mythen und Legenden und geprägt von aktuellen gesellschaftlichen und politischen Ereignissen. Jede einzelne Arbeit hat Melnikov dieses Jahr geschaffen, geschockt vom Krieg und dennoch mit seinem Geburtsort verbunden. Auch wenn der 1988 in Russland geborene Künstler in Wien lebt, sozialisiert und aufgewachsen ist, habe er doch gemerkt, „dass man die Wurzeln nicht zurücklässt“.

Mixed Media auf Papier in Passepartout "About the 1%"   <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Mixed Media auf Papier in Passepartout "About the 1%" Sieglinde Wöhrer


Melnikov arbeitet viel mit Keramik, ein hartes und doch fragiles Material, das ein Behältnis für etwas sein kann, genauso wie das Ei, das in der Ausstellung „Pochiertes Ei im Glas“ im Zentrum steht. Immer wieder kommt es in Märchen und esoterischen Praktiken vor: Im russischen Aberglauben wird das Ei über den Körper gerollt, um dabei alles Negative in sich aufzunehmen und dort gefangen zu halten. In „Mexico“ steht das Ei für den nicht wahr gewordenen Traum.

Paradox

Ein riesiges halbiertes Ei ist auch die zentrale Arbeit der Ausstellung, im Inneren befindet sich ein halber Embryo, aus dem ein Porzellantuch herausragt. Ein gelbes Rohr ist die Nabelschnur, die von Fotos der russischen Militärparade im Mai, Einschusslöchern in einem ukrainischen Kindergarten und ausgebrannten russischen Panzern in Eiform umgeben ist. Auf den Gesichtern der Soldaten sind Häschenköpfe aus der russischen Serie „Nu Pagadi“ (auf deutsch: „Hase und Wolf“).


Es sei eine Arbeit, die sich ganz konkret mit dem Krieg beschäftigt. „Hasen sind die braven staatstreuen Pioniere, die immer alles richtig machen, die stehen dort in der Rolle der Soldaten, für mich ist das einfach eine verkehrte Welt“, erklärt der Künstler. Der Name „Salomons Judgement 2022“ verweist auf das salomonische Urteil aus der Bibel und wird vom Künstler als Metapher für die aktuellen Zustände gelesen.

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