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„Verkehr ist das große Sorgenkind“

19.10.2022 • 22:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Verkehr ist für den weitaus größten Teil der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Der Verkehr ist für den weitaus größten Teil der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Philipp Steurer

Der aktuelle Monitoringbericht zur Energieautonomie+ 2030 wurde präsentiert.

Am Dienstag wurde vom Land ein Investitionspaket für erneuerbare Energien präsentiert. Gestern berichtete Landesrat Daniel Zadra dann über den Stand der Strategie „Energieautonomie+ 2030“. „Es gibt spürbare Erfolge, Handlungsfelder, wo wir noch lange nicht sind, wo wir sein wollen, und wir haben ein großes Sorgenkind, und das ist der Verkehrsbereich“, so der Landesrat. Der von ihm gestern präsentierte Monitoringbericht berücksichtigt die Datenlage bis 2020, die durch die Pandemie einige Abweichungen enthält.

Seit dem Referenzjahr 2005 gab es in Vorarlberg einen Bevölkerungszuwachs von 37.000 Menschen, 3,2 Millionen Quadratmeter zusätzlicher Wohnfläche, und die Wirtschaft habe um sechs Milliarden Euro beim Bruttonationalprodukt zugelegt – „und trotz dieser Steigerungen sind wir ungefähr beim Energieverbrauch von 2005“, stellte Zadra fest.

Drei Hauptziele

Die „Energieautonomie+ 2030“ des Landes hat drei Hauptziele: minus 50 Prozent Treibhausgase bis 2030 gegenüber 2005, Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien auf mindestens 50 Prozent und 100 Prozent Stromverbrauch durch heimische, erneuerbare Energieträger. Größter Energieverbraucher war 2020 laut Monitoringbericht der Gebäudesektor (54 Prozent), gefolgt von der Industrie (26 Prozent) und dem Verkehr (18 Prozent).

Ein großer Erfolg konnte im Bereich der heimischen Energieträger erzielt werden, wo der Anteil von 38 auf 46 Prozent gesteigert werden konnte, freute sich Zadra. Eine starken Rückgang verzeichnete dabei das Heizöl. Der Gasverbrauch ist indes leicht gestiegen – wobei hier den Großteil die Industrie mit einem Plus von über 36 Prozent ausmacht. Allerdings sei in dieser Branche gerade jetzt der Wille nach einem Umstieg da, weil auch der betriebswirtschaftliche Nutzen sichtbar sei, so Zadra. Er geht davon aus, dass beim Gasverbrauch spätestens seit dem Ausbruch des Invasionskrieges in der Ukraine eine Trendwende eingeleitet ist.

Der Stromverbrauch lag 2020 um sieben Prozent höher als 2005. 90 Prozent davon konnten aus heimischer Erzeugung gedeckt werden. Um auf 100 Prozent zu kommen, brauche es einen „Boom bei den Fotovoltaik-Anlagen“, so der Landesrat. Und den habe man seit letztem Jahr. Probleme bereite in diesem Zusammenhang aber die Förderabwicklung, „die Fördercalls sind mittels Sekunden ausgebucht“. Dort müsse optimiert bzw. das Ganze leichter adminis­trierbar gemacht werden.

Photovoltaik boomt, aber es gibt Probleme bei der Förderabwicklung.  <span class="copyright">apa/Jäger</span>
Photovoltaik boomt, aber es gibt Probleme bei der Förderabwicklung. apa/Jäger

Weniger gut schaut es bei den Treibhausgas-Emissionen aus. Diese lagen 2020 im Verkehrsbereich zwar in etwa auf dem Niveau von 2005. Sie machten allerdings trotz Corona 43 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen aus – und lagen deutlich über dem Zielwert. Seit 2014 gab es mit Ausnahme der Pandemie in diesem Bereich nur Steigerungen. Die Zahl der Pkw habe im Zeitraum 2005 bis 2020 um rund 50.000 zugenommen. Rund 218.000 Autos gebe es derzeit im Land, informierte Zadra: „Da gerät auch die Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenzen.“ Rein mit einer Elektrifizierung bekomme man das nicht in den Griff. „Da dürfen wir nicht Projekte aus dem letzten Jahrtausend weiter forcieren“, merkte er dazu noch an.

„Wir müssen die Verkehrswende auf den Weg bringen“, betonte der Landesrat. Sprich, einen weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs – spätestens Ende 2025 sollen auch 56 E-Busse im Einsatz sein – und der Fahrradinfrastruktur. „Ein leistbares Angebot wird auch angenommen“, ist sich Zadra sicher, der diesbezüglich auch auf die nächste Generation setzt: Für Jugendliche seien der Führerschein und das eigene Auto nicht mehr das große Ziel, glaubt er.

Daniel Zadra und Karin Feurstein-Pichler.  <span class="copyright">Land Vorarlberg</span>
Daniel Zadra und Karin Feurstein-Pichler. Land Vorarlberg

Kinder und Jugendliche hat auch ein Programm des Energieinstituts im Visier, das es seit 2014/15 gibt, berichtete Karin Feurstein-Pichler, Programmleiterin Energieautonomie beim Energieinstitut Vorarlberg. In den vergangenen sieben Jahren konnten damit fast 20.000 Schülerinnen und Schüler und über 1600 Lehrpersonen erreicht werden. Dieses soll in den nächsten Jahren weitergeführt und ausgebaut werden. Es sei wichtig, die Energieautonomie auch begreifbar zu machen, sagte die Programmleiterin.

2018 hat sich das Land zum Ziel gesetzt, die Landesverwaltung bis 2040 klimaneutral zu organisieren. Dem haben sich seit letztem Jahr bis dato auch 13 Gemeinden angeschlossen, berichtete Feurstein-Pichler. Und nicht zuletzt wurde auch die Bedeutung des Energiesparens betont.

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