Allgemein

„Dafür sind keine Preisabsprachen notwendig“

20.10.2022 • 22:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Pelletshersteller in Tirol, Kärnten und Wien wurden untersucht. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Pelletshersteller in Tirol, Kärnten und Wien wurden untersucht. Shutterstock

Nach Hausdurchsuchungen wegen Preisabsprachen erklärt Ländle Pellets, weshalb sich Preise verdoppelt haben.

Die am Donnerstag bekannt gewordenen Hausdurchsuchungen der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) bei Pelletsherstellern und -händlern in Tirol, Kärnten und Wien aufgrund möglicher Preisabsprachen sind auch beim Vorarl­berger Hersteller Ländle Pellets in Dornbirn Gesprächsthema. Bernd Hagen, geschäftsführender Gesellschafter der hinter Ländle Pellets stehenden Vorarl­berger Mühlen- und Mischfutterwerke GmbH, sagte im wpa-Gespräch, dass er bis dato nicht von der BWB kontaktiert worden sei. Auch Hausdurchsuchungen habe es bislang nicht gegeben. Sollte sich die BWB melden, so sei man bei Ländle Pellets „tiefenentspannt“. Es gebe mehrere nachprüfbare Gründe für die teils massiven Preissteigerungen bei Pellets in den vergangenen Monaten in Europa. Dafür seien keine Preisabsprachen notwendig.

Internationale Faktoren

Hagen nennt einerseits die EU-Sanktionen gegen Russland und Weißrussland sowie den Krieg in der Ukraine. Dadurch würden dem europäischen Markt derzeit etwa 3,5 Millionen Tonnen Holzpellets aus diesen Herstellerländern fehlen. Andererseits seien mehrere europäische Betreiber kalorischer Kraftwerke in den vergangenen Monaten vermehrt dazu übergegangen, ihre Kohlekraftwerke im Zuge des sogenannten „Co-Firing“ auch mit Holzpellets zu betreiben, um daraus Strom zu erzeugen. Das habe die europäische Nachfrage unabhängig vom gewünschten Wechsel hin zu nicht-fossilen Energieträgern weiter angefeuert. Und schließlich bemerke man, dass Sägewerke in Deutschland und Österreich ihre Produktion zurückfahren, da die Nachfrage nach Möbeln und Bauholz aufgrund der schwächelnden Konjunktur rückläufig sei. Das steigere die Preise für Hobel- und Sägespäne, dem Ausgangsmaterial zur Herstellung von Pellets.

Noch höhere Preise

Die Preissteigerungen bei Ländle Pellets gegenüber dem Herbst 2021 beziffert Hagen mit weit mehr als 100 Prozent. Allerdings liege das Preisniveau in Deutschland um die Hälfte höher als in Österreich. Auch andere Länder wie Italien hätten stärkere Preissteigerungen erfahren. „Diese Marktentwicklung gibt es in vielen Ländern Europas.“ Bei diesen Faktoren dürfe man nicht vergessen, dass Pelletshersteller ihrerseits etwa bei Strom und Treibstoffen ebenfalls von höheren Kosten betroffen seien. Mittlerweile setzt sich auch der Herstellerverband Pro Pellets Austria mit den Vorwürfen der BWB auseinander.
Die aktuelle Situation bringe aber weitere Besonderheiten mit sich. So bekäme Ländle Pellets seit einigen Wochen Angebote von Pelletsherstellern oder -händlern aus der Türkei. Das sei bislang eigentlich noch nie der Fall gewesen, so Hagen. Woher diese Pellets schlussend­lich stammen, könne man nur schwer sagen.

Bernd Hagen von Ländle Pellets sieht einer möglichen Prüfung „tiefenentspannt“ entgegen.<span class="copyright"> ländle pellets</span>
Bernd Hagen von Ländle Pellets sieht einer möglichen Prüfung „tiefenentspannt“ entgegen. ländle pellets

Ländle Pellets bezieht rund 80 Prozent seiner Hobel- und Sägespäne von Mayr Melnhof (MM) in Reuthe. Dort beginnt man allerdings bald selbst mit der Produktion von Pellets aus dem anfallenden Sägerestholz. Der Liefervertrag zwischen MM und Ländle Pellets laufe Ende 2022 aus. „So wie es aussieht, wird er von MM leider nicht mehr verlängert“, sagt Hagen. Deshalb müsse man jetzt alternative Lieferanten organisieren, etwa in Deutschland. Auch zum Einsatz kommen soll eine koordinierte Zusammenarbeit mit Sägewerksbetreibern in Vorarlberg. Und schließlich könne man jetzt auch auf nasses Sägemehl zurückgreifen, das zuvor bei einem regionalen Partner getrocknet werde. Je nach Entwicklung der Nachfrage könne es folglich ab 2023 passieren, dass Ländle Pellets selbst Pellets als Handelsware zukaufen müsse, was bislang nicht der Fall sei.

Kunden

Rund 60 Prozent der produzierten Pellets verkauft Ländle Pellets an Endkunden in Vorarl­berg, der Schweiz und Südtirol. Der Rest läuft über den Großhandel in der Schweiz und in Deutschland. In Dornbirn arbeiten 24 Mitarbeiter.

Günther Bitschnau/wpa

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.