Allgemein

Träume und Zukunft im Kunstraum

21.10.2022 • 21:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Symbole und Frauenfiguren im Werk von Bianca Tschaikner<span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Symbole und Frauenfiguren im Werk von Bianca TschaiknerWolfgang Ölz

Der Künstler Marbod Fritsch bringt als neuer Kurator Bianca Tschaikner und das Duo Bildstein & Glatz in die „Kunst im Funkraum“-Ausstellung in der Kunsthalle FRO in Dornbirn.

Marbod Fritsch ist der neue Macher der Künstlerreihe des ORF-Funkhauses. Kurzerhand hat er die Zentrale des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in „Kunsthalle FRO“ umbenannt. Gestartet wird in Dornbirn mit einem Terzett: Das Duo Bildstein & Glatz im Außenbereich und Bianca Tschaikner im zentralen Rundraum sind die ers­ten Künstler, die der Bregenzer Künstlerkurator Marbod Fritsch eingeladen hat, ihre Kunst vor Ort auszubreiten.

Frauen im Zylinder

Wenn ORF-Landesdirektor Markus Klement und Landesstatthalterin und Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink sich ein Stelldichein geben und eine neue Ausstellung eröffnen, dann strömt die Kunstszene und auch viele Schaulustige zusammen. Bildstein & Glatz haben das Panoptikum von Kunst im öffentlichen Raum vor dem ORF-Funkhaus alias FRO-Kunsthalle, das unter anderem Arbeiten von Willi Kopf, Christoph Lissy und Herbert Meusburger umfasst, um eine weitere Arbeit erweitert. Bianca Tschaikner hat in einem Zylinder ihre typischen hochgestellten Frauenfiguren in allerlei mythologischen Szenerien in den zentralen Rundbau der FRO-Kunsthalle gesetzt.

Marbod Fritsch will sich keineswegs Kurator nennen. Für ihn als Konzeptkünstler sind die Künstler, angefangen von Bianca Tschaikner, Bildstein & Glatz (bis Jänner 2023) über Haemmerle & Klamm (Jänner bis Juni 2023), Viktoria Tremmel (Juni 2023 bis September 2023) bis hin zu Alexandra Berlinger (Oktober 2023 bis Jänner 2024), Partner. Das sind junge, schon reife Persönlichkeiten für Marbod Fritsch, die kein Kuratel, keine Vormundschaft brauchen.

Werk von Bianca Tschaikner.<span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Werk von Bianca Tschaikner.Wolfgang Ölz

Ein Künstler lädt Künstler ein. So sieht das Marbod Fritsch, mit dieser Kurzformel will er arbeiten und leben. Wichtig ist ihm, dass im Dialog ganz eigene Werke extra für die FRO-Kunsthalle entstehen. Ladenhüter aus dem Atelier sind verpönt. Dabei beschränkt er sich dezidiert auf Vorarlberger Künstler, die Szene findet er reichhaltig und sehr positiv. Es sollen Leute sein, die noch nie im ORF ausgestellt haben.
Bianca Tschaikner greift in ihrer Arbeit den zentralen Raum auf und präsentiert ihre großen Frauengestalten souverän in Schwarz und Weiß. Erinnerungen an den Jugendstil können auftauchen. Die traumwandlerische Atmosphäre spielt mit Symbolen wie der Taube oder der Schlange. Friedenstaube und Phallus könnten als mögliche Interpretationen dahinterstehen.
Man merkt wohl die rege Reisetätigkeit der Bregenzer Künstlerin mit Atelier in Dornbirn, die die enge Vorarlberger Sicht mit Touren durch Indien und anderswohin geweitet hat. Die Geschichte hinter dem Rundgemälde erschließt sich nicht sofort, geheimnisvoll agieren die weiblichen Figuren mit mystischen Gesten. Nähe zu Hinduismus und altgriechischer Götterwelt stehen offen.

Eine dynamische Skulptur in Neonfarbe von Bildstein &amp; Glatz  <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Eine dynamische Skulptur in Neonfarbe von Bildstein & Glatz Wolfgang Ölz

Geschichtsneutral

Die Stellwände der Ausstellungen, die sein Vorgänger Harald Gfader und vielleicht schon Carina Jielg benutzt haben (die Übergabe von Jielg an Gfader hat damals in der Szene viel Staub aufgewirbelt, jetzt stehen die Zeichen auf Entspannung), wollte Marbod Fritsch ursprünglich in einem Akt der Verweigerung von Bildstein & Glatz in einer Skulptur verarbeiten lassen. Aus pragmatischen Gründen ist daraus nichts geworden.
Bildstein & Glatz haben ihre in Signal-Neonorange gehaltene Skulptur mit geschichtsneutralen Platten gebaut und dabei die Lichthöfe des ORF in ihr Vokabular aufgenommen. Die Neonfarbe gibt ohne Frage dem wild disparaten Kunstensemble vor der Ländle-Radio- und Fernsehanstalt einen eigenen Thrill. Schade, dass der ORF es nicht zuließ, dass Bildstein & Glatz einen Fahrradgeschicklichkeits­parcour durch die Regieräume ausrichten.

Wolfgang Ölz

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.