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Hälfte der Betriebe fehlt Geld für Investitionen

24.10.2022 • 12:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ricardo-José Vybiral, Chef des KSV 1870, fordert die Neueinführung einer Investitionsprämie für Unternehmen
Ricardo-José Vybiral, Chef des KSV 1870, fordert die Neueinführung einer Investitionsprämie für Unternehmen APA/HELMUT FOHRINGER

Alarmierend, dass Hälfte der Firmen auf Investitionen verzichten muss.

Die vielen Krisen beginnen sich immer stärker auf die Wirtschaft durchzuschlagen. So verschlechtert sich in Österreich die Zahlungsmoral erstmals seit vielen Jahren und dieser Trend dürfte sich noch verstärken, so der Kreditschutzverband KSV1870 auf Basis einer Umfrage unter 1.500 Unternehmen. Zudem planen demnach immer weniger Firmen Investitionen und die Stimmung ist im Sinkflug. Gründe sind die Inflation, Personalmangel, Rohstoffknappheit und steigende Kosten.

Nur mehr 57 Prozent (2021: 65 Prozent) der Befragten beurteilen die eigene Geschäftslage mit “sehr gut” oder “gut” – obwohl gegenüber dem Vorjahr jeder zweite Betrieb von steigenden Umsätzen spricht. Bei den 57 Prozent schwingt laut KSV auch noch die Hochkonjunktur des ersten Halbjahrs mit.

Probleme, vereinbarte Aufträge abzuwickeln

Gleichzeitig hat jedes fünfte Unternehmen massive Probleme, vereinbarte Aufträge ordnungsgemäß abzuwickeln. Auch hier werden bekannten Gründe schlagend: Lieferengpässe, Personalmangel, steigende Preise, Rohstoffknappheit, aber zuletzt auch stark gestiegene Auftragszahlen.

Die Unternehmen steigen auch auf die Investitionsbremse. Nur mehr 34 Prozent setzen zu Jahresbeginn geplante Investitionen vollständig um, 17 Prozent investieren in reduziertem Ausmaß. “Es ist alarmierend, wenn die Hälfte der Unternehmen auf Investitionen gänzlich verzichten muss und das obwohl drei von vier Betrieben bereits Preiserhöhungen vorgenommen oder angedacht haben, um die finanzielle Balance einigermaßen zu wahren”, KSV-Chef Ricardo-José Vybiral. “Denn in Österreich ist Innovation die Währung der Zukunft, aber sie braucht eben auch Geld.”

Marktbereinigung sollte aber zugelassen werden

So plädiert Vybiral auch für die Neu-Einführung einer Investitionsprämie: “Darüber hinaus wird die Wirtschaft nicht ohne staatliche Unterstützung durch diese Krise kommen, dafür sind die aktuellen Belastungen einfach zu groß. Es sollten zumindest jene Unternehmen unterstützt werden, die eine sehr gute Fortbestandsprognose haben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine gewisse Marktbereinigung – insbesondere bei Unternehmen, die seit Jahren schlechte Ratings aufweisen – zugelassen werden sollte.”

Aktuell wird rund jede sechste Rechnung zu spät bezahlt. Im Vorjahr war es noch jede Siebente zeigt der sogenannte Austrian Business Check des KSV. Noch könne zwar von einer “halbwegs vernünftigen Zahlungsmoral” gesprochen werden, aber die Krisenherde hätten dennoch erste Auswirkungen aufs Zahlungsverhalten. “Quer über alle Branchen hinweg werden bereits 18 Prozent aller Forderungen zu spät bezahlt. Das ist rund jede sechste Rechnung”, so KSV-Experte Walter Koch. Im Vorjahr waren es 13 Prozent, die verspätet beglichen wurden.

Nur ein Drittel der Unternehmen nicht betroffen

Während bei den Firmenkunden 78 Prozent (2021: 84 Prozent) der Forderungen pünktlich beglichen werden, sind es bei den Privaten 88 Prozent (90 Prozent). Sie sind es auch, bei denen das Minus gegenüber dem Vorjahr mit zwei Prozentpunkten am geringsten ausfällt. “Österreichs Private sind in puncto Zahlungsmoral die Vorbilder schlechthin, an denen sich sowohl Firmen als auch die Öffentliche Hand orientieren sollten”, so Koch. Dennoch verschlechtert sich die Zahlungsmoral bei allen Kundengruppen: Auf Bundesebene werden nur mehr 83 Prozent (88 Prozent) der Forderungen pünktlich beglichen, auf Landesebene 79 Prozent (83 Prozent) und bei den Gemeinden 84 Prozent (88 Prozent).

Lediglich ein Drittel der Unternehmen ist nicht betroffen. Während rund die Hälfte der Betriebe bis zu 5 Prozent der Rechnungen nachlaufen muss, ist das für knapp 20 Prozent deutlich öfter der Fall. Am häufigsten geht es dabei um Forderungsverluste von bis zu 50.000 Euro. Umgelegt auf die tatsächliche Zahlungsdauer zahlen Firmenkunden demnach derzeit nach 25 Tagen (2021: 24 Tage), Private nach 13 Tagen (stabil).

Zahlungsmoral verschlechtert sich

Was die Zahlungsmoral 2023 angeht, so sind die Aussichten massiv von den aktuellen Herausforderungen und Ängsten geprägt: 49 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung – ein Plus von 29 Prozent zum Vorjahr. “Was wir heuer in Bezug auf die Zahlungsmoral sehen, sind nur Vorboten. Im nächsten Jahr rechnet jedes zweite Unternehmen mit vermehrten Zahlungsschwierigkeiten seiner Kunden und Geschäftspartner. Eine derart negative Einschätzung hat es bei unseren Umfragen noch nie gegeben”, so Koch.

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