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Schulterschluss für die Kinderbetreuung

24.10.2022 • 19:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bei einer Pressekonferenz in Bludenz kam Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft zusammen. <span class="copyright">M.Dittrich</span>
Bei einer Pressekonferenz in Bludenz kam Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft zusammen. M.Dittrich

Verantwortliche von Getzner Textil berichteten von eigenen Erfahrungen.

Mehr Schwung wollen Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft in den Ausbau des Vorarlberger Kinderbetreuungsangebots bringen. Das haben die Landtagsabgeordneten Monika Vonier (ÖVP) und Bernhard Weber (Grüne) sowie Gemeindeverbandspräsidentin und Dornbirner Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz in Bludenz berichtet. Mit dabei waren auch Wilfried Hopfner, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV), Christine Schwarz-Fuchs, Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung (IV). Zu Gast war man in der Kleinkindbetreuung „Getzners Buntstiftle“ des Bludenzer Unternehmens Getzner Textil, das durch Vorstandsvorsitzenden Roland Comploj sowie Perrine Getzner, Verantwortliche für die Betreuungseinrichtung, vertreten war.

Wichtiger Standortfaktor

Natürlich sei der Ausbau der Kinderbetreuung vor allem Aufgabe der öffentlichen Hand, meinten die Politik-Vertreter. Allerdings gebe es auch vielfältige Möglichkeiten für die Wirtschaft, in diesem Bereich aktiv zu werden. In einer Kampagne sollen die Unternehmen nun darüber informiert werden, wie über Kooperationen neue Kinderbetreuungsangebote geschaffen werden können. Ziel aller Beteiligten sei es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu optimieren, meinte Vonier. Im Wettbewerb um Fachkräfte aus dem In- und Ausland sei das Thema Kinderbetreuung mittlerweile zu einem wichtigen Standortfaktor geworden, fügte Weber hinzu.

Kooperationen

Laut einer Anfragebeantwortung von Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink bestanden im Betreuungsjahr 2021/22 in 3 von 255 Kindergärten und 17 von 163 Kinderbetreuungseinrichtungen im Land betriebliche Kooperationen. Bei den 47 Spielgruppen ist keine derartige Zusammenarbeit bekannt.

Laut der Gemeindeverbandspräsidentin habe sich in diesem Bereich in den vergangenen Jahren viel getan. Gerade die Kommunen seien sehr gefordert, das entsprechende Angebot zu schaffen. Kooperationen mit der Wirtschaft könnten dabei helfen und eine „Win-Win-Situation“ für beide Seiten schaffen. Es gebe bereits eine Vielzahl an Modellen für eine derartige Zusammenarbeit. So könnten Unternehmen sich beispielsweise über eine finanzielle Beteiligung eine bestimmte Zahl an Betreuungsplätzen in öffentlichen Einrichtungen sichern. Genauso sei es möglich, gleich selbst eine Kinderbetreuung einzurichten. Doch auch dazwischen gebe es noch viele unterschiedliche Möglichkeiten der Kooperation. Über diese soll nun gezielt informiert werden.

“Best-Practice-Beispiele”

Einerseits sollen die notwendigen Informationen in einem Folder zusammengefasst werden. Außerdem gibt es bei den beteiligten Partnern eigene Ansprechpersonen für interessierte Unternehmen, berichtete Christine Schwarz-Fuchs. Ebenso sollen „Best-Practice-Beispiele“ vor den Vorhang geholt werden. Neben „Getzners Buntstiftle“ wurde dabei auch die überbetriebliche MINT-Kleinkinderbetreuung „Walgau Forscherhüsle“ genannt. Dieses wurde auf Initiative der Gerstgrasser Steuerberatung in Schlins gegründet und steht unter anderem den Mitgliedsbetrieben der „Wirtschaft im Walgau“ zur Verfügung.

Kinderbetreuung als Unternehmenswert

Von ihren Erfahrungen mit der betriebseigenen Kleinkindbetreuung haben Getzner-Textil-Vorstandsvorsitzender Roland Comploj und die Verantwortliche für „Getzners Buntstiftle“, Perrine Getzner, im Rahmen der Pressekonferenz erzählt. So habe sich Zusammenarbeit mit der Stadt und der Caritas bewährt, erläuterte der Vorstandsvorsitzende. Das 2016 ins Leben gerufene Angebot habe sich bewährt und erfreue sich großer Beliebtheit im Unternehmen. Insgesamt zwölf Ganztagesplätze stehen den Mitarbeitenden für Kinder im Alter von zwölf Monaten bis drei Jahren zur Verfügung. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht Comploj als essenziellen Teil der Unternehmenswerte bei Getzner Textil.

Wichtig sei es, eine qualitativ hochwertige Betreuung anzubieten, betonte Perrine Getzner. Dazu brauche es jedoch auch Flexibilität und möglichst kurze Schließzeiten. Höchstens fünf Wochen pro Jahr beträgt diese bei „Getzners Buntstiftle“. Dazu gibt es seitens des Unternehmens auch noch eine finanzielle Unterstützung für Mitarbeiter, welche das Angebot nutzen. Auch die beiden Töchter von Perrine Getzner wurden beziehungsweise werden in der Einrichtung betreut. Ihre ältere Tochter sei sogar das erste Kind in der Betreuung gewesen.

Über Kooperationsmodelle könnten auch kleine Betriebe ein Angebot zur Kinderbetreuung für die eigenen Mitarbeiter realisieren, meinte der WKV-Präsident. Der Fachkräftemangel sei nach wie vor ein großes Thema in der heimischen Wirtschaft. Die Verbesserung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiele daher eine wichtige Rolle.

Die Kleinkindbetreuung "Getzners Buntstiftle" gibt es seit 2016. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Kleinkindbetreuung "Getzners Buntstiftle" gibt es seit 2016. Hartinger

Unterstützung gibt es für die gemeinsame Initiative auch aus dem Landtag. So bringen ÖVP und Grüne einen gemeinsamen Antrag ein. So sollen unter anderem das Fördersystem und die Richtlinien in der Kinderbetreuung aus Sicht der Unternehmen evaluiert werden. Ebenso wird der Bund aufgefordert, finanzielle Anreize zu schaffen, damit sich Betriebe in diesem Bereich engagieren. Man hoffe auch auf die Zustimmung der anderen Landtagsfraktionen zu dem Antrag, sagte Monika Vonier.

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