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Performance zur Würde des Menschen

25.10.2022 • 21:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Conni Holzer bei ihrer Performance "Würde/Dignity"   <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Conni Holzer bei ihrer Performance "Würde/Dignity" Wolfgang Ölz

Mit der Performance zur „Würde/Dignity“ hat Conni Holzer ihre Ausstellung im Dornbirner Haus Kaplan Bonetti eröffnet.

Die Performancekünstlerin Conni Holzer zeigt, worauf es ankommt: Die Würde der Menschen. Eine Kunst-Performance kann alles sein: Bluttriefende Tierkadaver oder sexuell aufgeladene Objektkultur. Im Fall von Conni Holzer bedeutet Kunst-Performance ein intuitiver Gang in die Tiefe des menschlichen Wesens.

Die Würde des Menschen

Der Garten des Kaplan-Bonetti-Hauses mit Blick auf Bahnhof und vorbeirauschende Züge wurde in einer ungewöhnlich dichten, konzentrierten Aktion zu einem Ort, wo Besucher ihre eigene Würde und die ihrer Mitmenschen wiederherstellen konnten. Wirklich. Authentisch.
Conni Holzer ist Performancekünstlerin und Kunsttherapeutin im Projekt „Bonfire“ von Kaplan Bonetti. Die Leiterin der Emil-Bonetti-Sozialwerke hat sie bei einem Fest der Arbeitsprojekte kennengelernt, wo sie die bestellten Pizzas austeilte. Bei einem Gespräch wurde eine Zusammenarbeit als Kunsttherapeutin vereinbart und gleich auch die Aufführung der Performance Würde/Dignity fixiert.
In einer ungewöhnlich dichten Aktion im Garten des Hauses für Wohnungslose berührte sie den Kern der menschlichen Würde. Parallel zeigt sie in der Reihe Kunst in der Kantine im Bonetti-Haus Bilder, Videos und andere Werke ihrer Performance.

Aufgebürdete Textilien

Die Künstlerin schreitet mit bodenlangem Kleid, Maske und Greifzange auf die am Boden liegenden Kleidungsstücke der locker im Kreis stehenden Vernissagebesucherinnen und -besucher zu. Konzentriert greift sie nach den Textilien und behängt ihren Körper, plötzlich ertönt aus dem Lautsprecher ein Text „Deine vergessene Würde pack sie ein!“ Vor der Kulisse des Bahnhofs mit seinen ein- und ausfahrenden Zügen und den Dornbirner Bergen mit Karrenbahn nimmt die Künstlerin, die etwas von einer Zenkämpferin zu haben scheint, Kleidungsstück um Kleidungsstück und bürdet es sich auf. Bald scheint sie wie eine „Sandlerin“ mit zuvielen Kleidungsstücken bedacht. Dann tritt sie zu einem vorbereiteten Altar und in einer zielgerichteten Handlung schichtet sie die Kleidungsstücke versehen mit Plastikblüten auf. Ein Altar der Menschlichkeit, auf dem die Kleider sorgsameaufgerollt werden. Eine Schwertkämpferin für das Gute. Dann der Text aus der Box: „Die Würde – Deine Macht zu entscheiden, wer Du bist, hol sie zurück“. Daraufhin kommen die Besucher und holen sich ihre Kleidungsstücke, eine wohltuende Geste, sich selbst seine Würde und die Würde aller Menschen zurückzuholen.

Über die Künstlerin

Holzer, geboren 1988, hat einige einschlägige Ausbildungen im Kunstbereich absolviert. Zur Zeit macht sie den Masterlehrgang „Performing Public Space“ in Tilburg in den Niederlanden. „Bewahre – eine Performance über das Verlieren, Finden, Berühren, Sammeln und Bewahren von Würde“ wurde 2020 wegen Corona auf Video aufgezeichnet und erstmals im Garten des Kaplan-Bonetti-Hauses der Öffentlichkeit vorgestellt.
Als Kunst-Vorbilder nennt sie auch die große Performancekünstlerin Marina Abramovic. Holzer ist sicherlich eine junge Künstlerin mit sehr viel Potenzial. Die Kunstcommunity darf gespannt sein, welche Performance ihr als nächste einfällt.

Von Wolfgang Ölz

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