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Sieben Alpen, vier Bäche und ein Gipfel

28.10.2022 • 22:16 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Herbstwanderung mit weiten Ausblicken. <span class="copyright">Vylet</span>
Herbstwanderung mit weiten Ausblicken. Vylet

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern ab Faschina über drei Jöcher rund ums Zafernhorn und genießen die herbstliche Stille der Alplandschaft.

In der höchstgelegenen Siedlung des Großen Walsertals, in Faschina beginnt die Wanderung direkt auf der Passhöhe des Faschinajochs auf 1486 Metern Seehöhe. Die Tour ist als Zafernrundweg mit dreieinhalb Stunden Gehzeit am Wegweiser zu finden, ebenso das erste Etappenziel die Bartholomäusalpe. Hinter dem Gasthof „Larifari“ führt der Weg an einem Stall vorbei und über den Forstweg rechts hinauf. Der Aufstieg bietet Blicke über Faschina, zum Hahnenkopf, nach Damüls, durchs Argental und auf die Holenke der Kanisfluh sowie den Diedamskopf. Im Bereich der Bartholomäusalpe wird der Weg flacher, am Gebäude der Alpe sind verblasste Wegmarkierungen von Fernwanderwegen zu finden: 01. Nach der Alpe führt ein Karrenweg leicht ansteigend durch die Alpweiden. Der Hinterbödmerbach wird gequert, bevor der Karrenweg endet und der kurze Anstieg durchs Erlengebüsch zum „Gumpener Grätle“ auf 1820 Metern beginnt. Ab dem von Bäumen gesäumten Grat taucht man in die Stille der Oberen Gumpen­alpe ein. Die Geräusche der Faschinastraße sind nicht mehr zu hören, dafür das Rauschen des Windes in den Bäumen. Nach Westen blickt man zum Annalper Joch, Annalper Stecken und Grünen Gräshorn. Dahinter ragt der Zitterklapfen auf. Ein Wiesensteig führt südwärts leicht ansteigend unter der Nordwand des Zafernhorns vorbei. Steil und felsig dominiert der Berg den kleinen Kessel der Oberen Gumpenalpe.

Natur und Stille. <span class="copyright">Vylet</span>
Natur und Stille. Vylet

Viele Eindrücke

Wacholder, Alpenrosen, Besenheiden und Heidelbeersträucher begleiten den ersten sonnigen Teil des Weges zum „Guggergrat“. Bevor dieser, und damit der höchste Punkt der Tour (1906 m), erreicht wird, ist das Geröllfeld unter der felsigen Nordwand zu queren. Neben den historischen Wegmarkierungen sind mit etwas Glück Gämse zu sehen.
An der Geländekante angekommen, zeigt sich der Alpboden der Zafernalp. Nun sind auch Hochschere, Hochlicht und Blasenka zu sehen. Hinterm Chüe­grat, welcher bei der Furkla überschritten wird, ragt die Rote Wand auf. Hier am Guggergrat ist eine gute Gelegenheit ein letztes Mal über die Berge des Bregenzerwalds zu blicken. Der Weg zur Furkla bringt das Große Walsertal und den Rätikon in den Fokus. Viele Steinhaufen zeugen davon, wie viel Arbeit nötig ist, um eine Alpe bewirtschaften zu können. Müssen doch die Weiden immer wieder von den herabfallenden Steinen befreit werden, damit genug Gras wachsen kann.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Dank dem Start auf der Passhöhe kann mit wenigen Höhenmeter Aufstieg einen imposanten Berg umrunden, indem man drei Jöcher überschreitet und dabei zwei Tälerblicke genießt.

Anforderung und Gehzeit: Es sind ungefähr 8,2 Kilometer mit circa 470 Höhenmetern im Auf und Ab zu bewältigen. In etwa beträgt die Gehzeit Dreieinhalb Stunden. Trittsicherheit ist bei dieser Tour erforderlich.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Forst-, Wiesen- und Waldwege, Straße, Wildruhezone

Kultur und Natur: Faschinajoch und St. Anna Kapelle

Anziehen und Mitnehmen: Wanderkleidung und Schuhe je nach Witterung, Getränk und Jause, eventuell Wanderstöcke

Einkehrmöglichkeiten: Faschina, Großes Walsertal

Start und Ende: Faschinajoch

Der Übergang ins Große Walsertal bietet einen Weitblick durchs ganze Tal und über den Rätikon. Fontanella unterm Türtschhorn und Raggal unterm Hohen Fraßen sind zu erkennen. Neben Zimba, Schesaplana, Panüelerkopf und dem Galinakopf sind weit entfernte Berge wie der Tödi in der Surselva und Clariden und Große Windgällen in Uri zu sehen. Für einen längeren Ausblick kann bis nach der ersten Kehre die Forststraße und der Wiesenweg rechts gewählt werden. So wird bis „Brüche“ zweimal über einen Wiesenweg abgekürzt. Nach einem guten Stück auf der Straße beginnt bei „Obere Waldalpe“ ein abenteuerlicher Weg durch den Wald. Der Waldwurzelweg führt im steilen Gelände ins Stutztobel, wo das Bachbett gequert wird. Danach, teils mit Handseil gesichert, folgt ein kurzer Aufstieg, bevor der Weg an alten Lawinenschutzbauten vorbei aus dem Wald führt. Über eine Wiese ist die St.-Anna-Kapelle rasch erreicht. Auf einem breiten Wanderweg geht es die letzten Meter zum Ausgangspunkt zurück.

Weitwanderwege und Erinnerungszeichen

Kapelle.<span class="copyright">Vylet</span>
Kapelle.Vylet

Von 1970 bis 1983 wurden in Österreich zehn Weitwanderwege erstellt.
Der Weg Nummer 01 führt von Bregenz bis Rust am Neusiedler See und ist 1260 Kilometer lang. Höchster Punkt ist dabei der Hochkönig auf 2941 Meter in Salzburg, tiefster Punkt der Neusiedler See auf 123 Meter im Burgenland. Die 1969 gegründete Europäische Wandervereinigung hat sich zum Ziel gesetzt, ein völkerverbindendes Netz an Weitwanderwegen durch Europa zu erstellen. Bis 1999 wurden elf Wege erstellt. Darunter der 10.450 Kilometer lange „E4“ von Kap St. Vincent bis nach Zypern. Dieser Weg verläuft in Vorarlberg und Tirol auf der Strecke des österreichischen Weges „01“.

Faschina ist ein Ortsteil von Fontanella und die höchstgelegene Siedlung im Großen Walsertal. Der Name leitet sich von „Fassia“ her ab, was „ein Streifen Wiese“ bedeute. Im Jahr 1482 als „Vaschin“ erstmals urkundlich erwähnt, wurde das Faschinajoch sicher bereits davor genutzt, da die Walser im 14. Jahrhundert über Laterns und Damüls nach Fontanella kamen.

St.-Anna-Kapelle

Es ist überliefert, dass die Kapelle von Josef Hartmann (1662–1732) gestiftet und um 1700 erbaut wurde. Der aus Fontanella stammende Josef Hartmann wurde in Wien Richter, Stadtrat und war vom Jahr 1725 bis zum Jahr 1727 sogar Bürgermeister.
Neben der Informationstafel findet sich an der Kapelle auch eine kleine Metalltafel, welche ein Erinnerungszeichen für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ist. Die Walserbibliothek Fontanella, der Heimatpflegeverein und eine Initiativgruppe haben dieses Kapitel der Vergangenheit im Jahre 2013 bearbeitet und der Künstler Hubert Lampert hat das Erinnerungszeichen an der Kirche in Fontanella und an der Kapelle in Faschina gestaltet. Erinnert wird an die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, welche von 1942 bis 1945 unter anderem im Straßenbau eingesetzt wurden.

Wacholder ist ein Gewürz. <span class="copyright">Vylet</span>
Wacholder ist ein Gewürz. Vylet

Pflanzenkunde

Der Alpen-Wacholder gehört zur Familie der Zypressengewächse, wird 70 bis 100 Zentimeter hoch und kommt bis in den Höhenlagen von circa 4000 Metern vor. Die männlichen Blüten sind gelb, die weiblichen grün. Die Blütezeit ist von April bis Mai, Fruchtreife August bis Oktober. Die „Wacholderbeeren“ sind kugelförmige Zapfen, welche während zwei bis drei Jahren reifen und dabei ihre Farbe von graugrün über rot zu blauschwarz ändern. Wacholderbeeren sind ein wichtiger Bestandteil in Gin..

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