Allgemein

Alles was man über Winterreifen wissen muss

29.10.2022 • 22:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">hartinger</span>
hartinger

Alle Jahre wieder herrscht vom 1. November bis zum 15. April des Folgejahres eine situative Winterausrüstungspflicht. ÖAMTC-Pressesprecher Jürgen Wagner und Reifen Fischer Geschäftsführer, Reinhold Fischer klären auf.

1. Was, wenn es am ersten November noch warm ist? Trotzdem Reifen wechseln?
Da es sich um eine situative Winterausrüstungspflicht handelt, müssen Autofahrer nur bei winterlichen Fahrbedingungen Winterreifen montiert haben. Wenn es noch sehr warm ist, können auch Sommerreifen die bessere Wahl sein. Zu früh ist es für einen Reifenwechsel derzeit aber allemal nicht. Sobald die Fahrbahntemperatur permanent unter sieben Grad fällt, sollten auf alle Fälle Winterreifen montiert sein. Wer in Österreich bei winterlichen Fahrbahnbedingungen letztlich ohne Winterreifen fährt, riskiert nämlich eine Strafe von 60 Euro. Wenn andere Verkehrsteilnehmer ebenso gefährdet werden, drohen theoretisch sogar bis zu 5000 Euro Strafe.

<span class="copyright">hartinger</span>
hartinger


2. Wann wird von winterlichen Verhältnissen gesprochen?
Bei Eis, Schnee oder Schneematsch auf der Straße müssen auf allen vier Rädern Winterreifen angebracht sein. Autofahrer sollten regelmäßig die Wetterberichte verfolgen. Einfache Straßennässe beispielsweise kann bei Absinken der Temperatur zu Glatteis werden, und dann gilt die Winterreifenpflicht.


3. Wie sind die Regelungen im angrezenden Ausland?
Im Wesentlichen gilt in Deutschland die situative Winterausrüstungspflicht wie hier in Österreich. In der Schweiz besteht hingegen keine generelle Pflicht. Bei Unfällen mit Sommerreifen oder Verkehrsbehinderungen auf winterlichen Straßen drohen jedoch Strafen.


4. Warum sind Winterreifen im Winter und Herbst sicherer als Sommerreifen?
Die Gummimischung der Winterreifen ist für niedrige Fahrbahntemperaturen (unter 7 Grad Celsius) und bessere Haftung bei Nässe ausgelegt. Das spezielle Winterreifenprofil garantiert bessere Haftung bei Schnee und Eis.

<span class="copyright">hartinger</span>
hartinger


5. Woran erkennt man Winterreifen?
Winterreifen erkennt man an den Kennzeichnungen M+S, M.S. oder M & S. Außerdem deutet das Schneeflockensymbol (dreigezacktes Bergpiktogramm mit der Schneeflocke in der Mitte – siehe Bild oben) auf Winterreifen hin. Dasselbe gilt für sogenannte Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, sowie Spikereifen. Welcher Winterreifen zu welchem Auto passt, kann am besten der Reifenhändler in Abstimmung mit dem Kunden beantworten.

<span class="copyright">shutterstock</span>
shutterstock


6. Sind Ganzjahresreifen besser als Winterreifen?
Ganzjahresreifen, die als Winterreifen gelten, verfügen weder über optimale Sommer- noch über ideale Wintereigenschaften. Ihre Anschaffung hängt vom Nutzerverhalten ab und sollte daher gut überlegt sein.


7. Für welchen Zweck werden Spikereifen montiert ?
Der Einsatz von Spikereifen ist eine sehr individuelle Entscheidung. In Extremsituationen können sie die bessere Wahl sein. Die Verwendung von Spikes ist vom 1. Oktober bis zum 31. Mai erlaubt. Als Spikereifen werden Winterreifen bezeichnet, in deren Profil kleine (Metall-) Stifte (die sogenannten Spikes) eingearbeitet sind, um dem Reifen bei winterlichen Fahrbahnbedingungen eine bessere Haftung zu ermöglichen. Viele Winterreifen können allerdings nicht mit Spikes versehen werden. Dies ist bei der heutigen Winterreifentechnologie der Lamellenreifen auch nicht mehr in dem Maße notwendig wie noch vor 20 Jahren. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen beträgt mit Spikes 100 und auf Freilandstraßen 80 km/h.

<span class="copyright">hartinger</span>
hartinger


8. Ab wann sind Winterreifen abgenutzt?
Winterreifen müssen mindes­tens vier Millimeter als Profil aufweisen. Die Leistung des Winterreifens lässt jedoch schon unter sechs Millimetern stark nach. Reifen unter sechs Millimetern sollten daher im Herbst nicht verwendet werden, da die Mindestprofiltiefe ziemlich sicher im Laufe des Winters unterschritten werden würde. Weiters härtet die Gummimischung des Reifens mit zunehmendem Alter aus, und er wird immer spröder. Optimal wäre es, nach vier Jahren neue Winterreifen anzuschaffen. Nach fünf Jahren beginnen die Reifen verstärkt auszuhärten, und es sind meist Einbußen bei der Haftung und Laufruhe hinzunehmen. Der ÖAMTC-Experte betont aber, dass moderne Gummimischungen mittlerweile bis zu sieben Jahre Haftung bieten. Acht Jahre alte und ältere Reifen sollte man aber auf jeden Fall tauschen, auch wenn die Profiltiefe noch passt. Am besten mit einem Fachmann Rücksprache halten.

Jürgen Wagner, ÖAMTC-Pressesprecher. <span class="copyright">hartinger</span>
Jürgen Wagner, ÖAMTC-Pressesprecher. hartinger


9. Wie erkenne ich das Reifenalter?
Auf der Reifenseitenwand befindet sich eine vierstellige Zahlengruppe, die das Reifenalter angibt und die mit der Buchstabenkombination „DOT“ beginnt. Die ersten zwei Ziffern geben die Kalenderwoche, die letzten zwei das Jahr der Herstellung an.


10. Selbstmontage oder montieren lassen?
Wenn man sich auskennt und weiß, was man tut, kann man die Reifen auch selbst montieren. Die Fähigkeit, die Reifen fachgerecht zu beurteilen (Alter, Profiltiefe, Luftdruck, …) und richtig zu montieren, technisches Verständnis und eigenes Werkzeug sind dafür vorausgesetzt. Auswuchten wird privat jedoch kaum möglich sein.


11. Wie teuer ist ein Reifenwechsel? Wie lange muss man auf einen Termin warten?
Beim ÖAMTC kostet es für Mitglieder 30 Euro. Auch beim Reifenhändler Fischer kostet der einfache Wechsel um die 30 Euro. Allerdings unter der Voraussetzung, dass man bereits vier Winterräder mitbringt. Termine sind je nach Werkstatt telefonisch oder online erhältlich. Die Wartezeiten betragen höchstens eine Woche.


12. Was gehört im Winter alles ins Auto und wie bereite ich das Fahrzeug neben dem Reifenwechsel sonst noch auf diesen vor?
Unverzichtbares Zubehör im Winter sind Schneebesen sowie passende Schneeketten im Kofferraum. Wer die Autotüren mit einem Schlüssel aufsperrt, sollte den Türschlossenteiser nicht vergessen – der gehört aber in die Jackentasche, nicht ins Auto. Weiters Eiskratzer und Handschuhe einpacken. Wichtig ist auch, die Autoscheiben innen und außen zu reinigen und alte Wischerblätter, die bereits Schlieren bilden, zu ersetzen. Außerdem ist es aktuell höchste Zeit, der Scheibenwaschanlage zusätzliches Frostschutzmittel beizumengen (mindestens bis -20 Grad Celcius). Bei eisigen Temperaturen das Frostschutzkonzentrat pur verwenden. Bedenken sollte man dabei, dass es durch den sogenannten Windchill beim Fahren an den Spritzdüsen um bis zu 15 Grad kälter sein kann als die herrschende Temperatur. Bei wechselnden Temperaturen können die Tür- und Heckklappengummis zudem anfrieren. Daher sollte man immer wieder mal mit einem Fettstift oder einem Pflegemittel vorbeugen.

Reinhold Fischer, Geschäftsführer Reifen Fischer.   <span class="copyright">Reifen fischer</span>
Reinhold Fischer, Geschäftsführer Reifen Fischer. Reifen fischer


13. Welche Gefahren lauern derzeit auf den Straßen?
Neben dem Wildwechsel und Nebel lauern andere typische Herbstgefahren auf den Straßen. Aus Laub, Tau oder Regen kann sich ein „rutschiger Film“ auf der Straße bilden. Die Reifen haften dadurch nicht mehr richtig an der Fahrbahn. Bei solchen Verhältnissen wird zu moderatem Tempo und genügend Sicherheitsabstand geraten.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.