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Wenn ein Huhn Enten großzieht

29.10.2022 • 22:06 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die besondere Familie.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Die besondere Familie. Hartinger

In Bezau ist für ein Huhn ein Traum in Erfüllung gegangen. Es darf einmal Mutter sein. Dass die Kinder Enten sind, macht ihm nichts aus.

Die Entenküken sind mittlerweile schon groß. „Die Enten wachsen wie Pilze. Du kannst ihnen dabei zuschauen“, so die Besitzerin Isabella Moosbrugger. Doch dass die drei vor sechs Wochen überhaupt geschlüpft sind, verdanken sie einem Huhn. Die Adoptivmama musste die Eier ausbrüten, da die leibliche Entenmama keine Ruhe dafür fand. Die Erpel hatten die Ente zu sehr dabei gestört.

Seit die Enten geschlüpft sind, suchen sie die Nähe von Mama Huhn.<span class="copyright">Zaworka</span>
Seit die Enten geschlüpft sind, suchen sie die Nähe von Mama Huhn.Zaworka

Für das Huhn ist ein Traum in Erfüllung gegangen, als die 61-Jährige ihr die Eier ins Nest gelegt hat. „Ich wollte dem Huhn eine Freude machen“, erzählt Moosbrugger. Dies ist ihr gelungen: „Sie hat ein schöneres Federkleid, seit sie Mama geworden ist, und kümmert sich um die kleinen Enten.“ Die Enten folgen dem Huhn überall hin auf Schritt und Tritt, suchen seine Nähe und stecken beim Schlafen die Köpfe unter seinen Bauch. „Das Huhn ist wie eine richtige Mama für die Enten“, so die Bezauerin. Kommunikationsprobleme gebe es dabei trotz unterschiedlicher Sprachen nicht: „Das Huhn ruft nach ihnen und die Enten kommen.“ Auch würden die Schwimmfertigkeiten laut der Besitzerin nicht unter der besonderen Situation leiden. Sie könnten schon von klein auf springen und schwimmen.

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Erfolglose Brütversuche

Beobachtungen aus der Vergangenheit brachten die 61-Jährige auf die Idee, dem Huhn die Eier zum Brüten zu geben. Moosbrugger erzählt, dass das Huhn in Vergangenheit schon öfters vergebens versucht habe, die eigenen Eier auszubrüten. Doch da Moosbrugger keinen Hahn hält, wurde daraus nie etwas. Auf den Hahn muss die Gruppe von acht Hühnern aufgrund der nah umliegenden Häuser verzichten. Die Obfrau von Gartenfreunde Reuthe Bezau hätte bei einem krähenden Hahn zu große Bedenken bezüglich Beschwerden wegen des Lärms.

Nachbar Alois Haibt und Isabella Moosbrugger bei den Enten.<span class="copyright">Hartinger</span>
Nachbar Alois Haibt und Isabella Moosbrugger bei den Enten.Hartinger

Schon über zehn Jahre hält sie indische Laufenten als Feinde der Schnecken. Schneckengift kam für die begeisterte Gärtnerin nämlich nie in Frage: „Dem trau ich nicht.“ Sie setzt lieber auf einen natürlichen Weg der Schneckenbekämpfung. Die Enten würden zwar auch einen Aufwand mit Füttern und Ausmisten mit sich bringen. Sie ist jedoch überzeugt, dass das Schneckensammeln noch mehr Arbeit bedeuten würde. Außerdem hebt sie den finanziellen und zeitlichen Verlust hervor, wenn Schnecken neu eingepflanzte Setzlinge ganz auffressen. Außerdem würden Schneckenprobleme die Motivation mancher Hobbygärtner gefährden, erzählt die 61-Jährige. Einige würden so die Freude am Gärtnern verlieren.
Moosbrugger hingegen lebt in ihrem Garten ihre volle Leidenschaft. Sie berichtet von guten Erfahrungen mit den Enten: „Seit wir sie haben, ist das Gärtnern einfacher.“ Begonnen hat alles mit einer Brunhilde und einem Albert. Aus zwei Enten wurden in den Jahren neun Enten: zwei erwachsene Entendamen, zwei Erpel und drei junge Enten. Bei den Jungen ist das Geschlecht noch nicht feststellbar. Das erkenne man am Piepsen und daran, ob der Schwanz hinten gebogen sei, so die Bezauerin.

Momentan sind sie frei im Garten unterwegs. Das Aufeinandertreffen mit den restlichen Enten steht im November bevor.<span class="copyright">Hartinger</span>
Momentan sind sie frei im Garten unterwegs. Das Aufeinandertreffen mit den restlichen Enten steht im November bevor.Hartinger

Ihren Garten schmücken neben dem Enten- und Hühnerstall auch Blumen, Kräuter und Hochbeete. Gemüse baut sie auf einem separaten Acker an. Die Enten kommen nämlich nicht auf das Hochbeet. So wird der Ort und die Zeit, wo die Enten sich aufhalten, so ausgewählt, dass die Enten nicht anstatt der Schnecken Salatsetzlinge fressen. Die Ernte aus dem Garten fermentiert oder kocht Moosbrugger als Vorrat für den Winter ein. Sie wohnt mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen im Haus. Doch auch die schon weggezogenen zwei anderen Söhne holen bei ihr immer noch Gemüse ab. Für die Familie ist die Haltung von Tieren nichts Neues. Moosbrugger ist auf einem Bauernhof mit unter anderem Kühen, Schweinen und Hasen aufgewachsen. Doch auch für Unerfahrene sei die Haltung von Enten nicht schwierig, ist sie überzeugt. Es sei nur wichtig, dass am Abend immer der Stall geschlossen wird, damit der Fuchs oder der Marder die Vögel nicht holt. Ein Hund hat ihr schon drei Enten gerissen. Auch durch den direkt angrenzenden Grebenbach hat die Entenbesitzerin bereits fünf Enten in der Strömung bei Hochwasser verloren. Wegen solcher Gefahren wie auch die befahrene Straße sind die Enten im Sommer oder in fremden Gärten eingezäunt.
Im Winter ist dann der Schnee und die eingeschränkte Aktivität genügend Begrenzung. Die Tiere bewegen sich dann in einem kleineren Radius, gehen früher schlafen und wachen später auf. Die Enten richten ihren Tagesrhythmus nach dem Sonnenlicht. Am Abend warten sie schon im Stall darauf, dass Moosbrugger die Türe schließt.

Alois Haibt transportiert die Enten zu den schneckenbefallenen Gärten mit Motorrad und Anhänger. <span class="copyright">Hartinger</span>
Alois Haibt transportiert die Enten zu den schneckenbefallenen Gärten mit Motorrad und Anhänger. Hartinger

Fährt zum Entenstall Motorrad

Wenn sie die Enten innerhalb Bezaus anderen Gartenbetreibern ausleiht, sei das Schließen des Stalls das Wichtigste, was diese beachten müssen. Den Zaun, die Bademöglichkeit und das Futter bringt Moosbrugger mit. Transportiert werden die Enten von Nachbar Alois Haibt. Mit seinem kleinen Motorrad mit Anhänger bringt der Pensionist sie zum neuen Standort. Dieser wechselt von Frühjahr bis Herbst alle drei bis vier Wochen. In der Pause kann sich das Gleichgewicht im Garten danach wieder erholen. Denn Enten fressen auch Regenwürmer, die für die Erde wichtig sind. Nach einem Aufenthalt sei der Schneckenbefall jedoch erst wieder nach ein paar Jahren so groß, dass der Bedarf nach Enten da ist. Als erstes ist jährlich der Schulgarten „Bahnhofsgarten“ dran, dann der Garten „Gemüse ohne Kilometer“. Nach einem Zwischenstopp bei Moosbrugger reisen sie dann in private Gärten. Zu Beginn der Saison sind noch keine Pflanzen vorhanden, welche die Enten fressen können. Später kommen die Enten nur in Gärten mit Hochbeeten. Das ist nur innerhalb des Ortsgebiets von Bezau möglich – wegen der Entfernung.
Heimweh haben die Enten keines. „Sie freuen sich über die vielen Schnecken im neuen Garten“, sagt die Bezauerin. Derzeit sind die Enten bei ihr zu Hause. Das freut sie. So kann sie die Enten beobachten.

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