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Halloween und das erschreckende Kostümproblem

30.10.2022 • 15:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kolumnistin Heidi Salmhofer <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">neue</span></span>
Kolumnistin Heidi Salmhofer neue

Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne in der Neue am Sonntag.

Ich bin ziemlich glücklich, dass sich in meinem Bekanntenkreis Menschen mit Hang zur Kostümausstattung befinden, also eigentlich ihren Lebensunterhalt damit verdienen und somit ziemlich viel Zeug in ziemlich vielen Kisten und auf ziemlich vielen Kleiderbügeln bei sich daheim lagernd haben. Denn: Dieses Wochenende will meine Tochter Halloween praktizieren, in Verkleidung eines Engels. Als allererstes habe ich sie gefragt, ob sie denn am Schirm hat, dass Halloween meist mit eher furchteinflößender oder zumindest skurriler Kostümwahl einhergeht. War ihr aber wurscht. Ein Engelskostüm muss her.

Hier begann mein Hadern. Tochter googelte sämtliche zustelltauglichen Kostüme und präsentierte mir diese mit glänzenden Augen. Jene Kostümierungen, die eindeutig aus einer eher nur für Erwachsene gedachten Kategorie stammten, entfernte ich stillschweigend. Den Rest guckte ich mir an und seufzte. Für mich war und ist ein Kostüm immer eine Eigenkreation, keine Plastik-Polyester-Amazon-Bestellung. Früher, und da kommt dieses sentimentale „Gute alte Zeit“-Klischee wieder hoch, früher habe ich Mutters Kleiderkasten durchwühlt, Stoffe drapiert, Schminke ausprobiert und schlussendlich meine eigenen Fantasiewesen ins Leben gerufen. Das hat für mich und für viele andere genauso zum Verwandlungsprozess dazu gehört. Das Ergebnis davon waren viele verschiedene Überraschungskostüme. Heute sehe ich hauptsächlich Gekauftes. Vor allem bunte Bären in der Verkleidungszeit. Ich gestehe meiner Tochter, dass ich nichts kaufen will. Für einen Engel hätte ich genug Sachen daheim, aus denen man eine wunderbare Himmelsfigur zaubern kann. Die Kinnlade fiel ihr bis zu ihren Knöcheln hinunter. Eine Verkleidung selbst machen, das geht ja gar nicht.

Mamas Kleider anziehen, wie peinlich ist das denn!? Somit fand ich eine Kompromisslösung und meldete mich und meine Tochter bei oben erwähnter Bekannten an. Diese wühlte mit meiner Tochter in ihrem Kostümfundus und zauberte ein Engelskleid nach dem anderen zum Vorschein. Dazu auch noch ein paar einfach geschnittene, weiße Kleider. Mit einem Ikea-Sack voll Kostümideen ist meine Tochter nach Hause gegangen. Geworden ist es ein ebenso in meinem Kleiderkasten auffindbares weißes Sommerkleid. Ein furchteinflößender Gedanke überkam mich. Werden meine Ideen von meinen Töchtern nur deshalb abgelehnt, weil diese eben von mir kommen? Ein erkenntnisvoller Schauer kräuselte sich meine Schultern hoch. Happy Halloween!

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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