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China will auch im All Weltmacht sein

31.10.2022 • 18:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Rendering der Raumstation
Ein Rendering der Raumstation Wikipedia/Shujianyang

China bringt letztes Modul zur fast fertigen Raumstation “Tiangong”.

China, das auf dem Planeten so manche Fäden zieht, arbeitet beharrlich daran, sich auch im All als Weltmacht zu positionieren. Eindrucksvollster, aktueller Beweis dafür ist die modulare Raumstation “Tiangong” (“Himmelspalast”, Rendering, siehe Bild oben), die in 340 bis 420 Kilometern Bahnhöhe um die Erde kreist und ihrer Komplettierung jetzt bereits sehr nahe ist: Gestern hob dafür vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der Tropeninsel Hainan eine Rakete vom Typ “Langer Marsch 5B” mit dem dritten – und vorläufig letzten – Baumodul namens “Mengtian” (“Himmelsträume”) ab.

Fertigstellung bis Ende 2022

Bis Ende des heurigen Jahres soll die Raumstation fertiggestellt sein, das Bausatzprinzip scheint gut aufzugehen: Das Kernmodul “Tianhe”, das den Taikonauten ihr Habitat zum Überleben bietet und an das nun angedockt wird, wurde 2021 ins All gebracht. Im heurigen Juli traf das Labor-Modul “Wentian” bei der Station ein. Bis zu 100 Tonnen Masse soll die komplettierte Raumstation einmal haben – damit ist sie aber wesentlich kleiner, leichter und wohl auch moderner unterwegs als die schwer in die Jahre gekommene Internationale Raumstation (ISS) mit ihren 440 Tonnen.

Nur ein Jahr später konnte die Mondsonde “Chang’e 5” mit “handverlesenen” 1731 Gramm Gesteinsproben vom Erdtrabanten aufzeigen. 2021 landete mit “Zhurong” ein chinesischer Marsroboter auf dem Roten Planeten und analysierte 700 Millionen Jahre altes Gesteinsmaterial, das interessante Rückschlüsse lieferte. 2029 will Peking Menschen bis zur Mondoberfläche bringen – der letzte dort war US-Astronaut Eugene Cernan (“Apollo 17”) Ende 1972.

Internationale Projektkooperationen möglich

Abgesehen von den Forschungen, die in Chinas Raumstation in den Bereichen Weltraumwissenschaft, Technologieerprobung und Weltraummedizin durchgeführt werden, geht es Peking in der Hauptsache darum, der Welt zu zeigen, dass die Volksrepublik auch im Weltall reüssieren kann. Wird die ISS außer Dienst gestellt, dürfte “Tiangong” die einzige aktive Raumstation im Erdorbit sein.

Bei der Namensgebung für den Außenposten konnte das Volk übrigens – ungewöhnlich für China – aktiv abstimmen: Aus 152.640 Vorschlägen wurde “Tiangong” ausgewählt – so hießen bereits die Vorgängerlabors “Tiangong 1” und “Tiangong 2”, die 2016 und 2019 geplant in der Erdatmosphäre verglühten.

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