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Können junge Menschen überhaupt noch sparen?

31.10.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Junge über Geldanlagen und Sparbücher denken
Wie Junge über Geldanlagen und Sparbücher denken Monster Ztudio

Weltspartag wirft die Frage auf: Sparen junge Menschen noch?

Jeden Monat legt Hanna etwas Geld zur Seite. Sparen nennt das die 23-jährige Studentin aber nicht. Denn für Zukunftsvisionen bleibt am Monatsende einfach zu wenig übrig. Das Verzichten im Hier und Jetzt ist längst kein Garant mehr für ein erfülltes Leben, findet der 25-jährige Student Simon. Trotzdem hat er ein Sparkonto. Dass es keine Zinsen abwirft, ist ihm bewusst, “aber bevor das Geld in der Wohnung herumliegt, bringe ich es zur Bank”.

Hanna und Simon träumen nicht vom Eigentum. Sie drängen nicht in die Zukunft, denken weder viel darüber nach, noch sparen sie darauf. Ihren Freunden geht es genau so. Warum auch? Klimawandel, Inflation, Krieg und immer knapper werdende Ressourcen würden ihnen ohnehin keine schönen Aussichten versprechen.

Hanna möchte einmal als Lehrerin arbeiten, zurzeit jobbt sie als Kellnerin und Assistentin in einer Ordination. Simon dreht Filme, mit diversen Minijobs hält er sich über Wasser, um das zu finanzieren, womit er später einmal Geld verdienen möchte. Was aber macht das mit Träumen, wenn Disziplin und guter Wille nicht mehr den vielversprechenden Erfolg auf Vermögen bringen?

Zeit für neue Werte?

Zukunftsforscher Andreas Reiter sieht darin keine Gefahr: “Für junge Menschen ist Geld keine Motivation mehr. Vielmehr hinterfragen sie ihre Eltern-Generation und stellen es ihrem Leben entgegen: ‘Will ich so lange arbeiten, am Wochenende nie zu Hause sein?’ Das ist eine notwendige Korrektur der Gesellschaft.” Es sei aber gleichzeitig ein Widerspruch, so Reiter, dass sie dieses Leben zum Großteil ihren Eltern zu verdanken haben.

Andreas Reiter ist Zukunftsforscher am ZTB Zukunftsbüro in Wien
Andreas Reiter ist Zukunftsforscher am ZTB Zukunftsbüro in WienFotograf

Als Wohlstandskinder gut verdienender Elternteile ist Hanna und Simon bewusst, dass sie Privilegien genießen. Deswegen gibt die 23-Jährige ihr Geld großteils für Reisen aus. Simon bewohnt eine Altbauwohnung im zweiten Wiener Bezirk Leopoldstadt. Wird es am Ende des Monats knapp, erbitten sie Eltern oder Familie um Zuschüsse. 22 Prozent der Studierenden in Österreich haben finanzielle Probleme. Knapp die Hälfte davon, weil ihre Eltern zu wenig verdienen und sie finanziell nicht unterstützen können – das geht aus der letzten Studierenden-Sozialerhebung des Instituts für höhere Studien (IHS) hervor, das 2019 im Auftrag des Bildungsministeriums entstanden ist.

Finanzierung durch Eltern

Können junge Menschen überhaupt lernen, mit Geld umzugehen, wenn ihr Leben großteils von ihren Eltern finanziert wird? Reiter ist zuversichtlich: “Definitiv. Auch wenn sie erst später damit anfangen, mit 30 oder 35 Jahren, weil es davor nicht notwendig war. Sobald die ersten eine Familie gründen oder eine Geschäftsidee verwirklichen, verändert sich das.”

Daran denken Hanna und Simon im Moment noch nicht. Einen Teil ihrer Gelder haben sie in einen Klimafonds und damit in die Energiewende investiert, wie sie sagen. Das Unbehagen über ihre eigene Zukunft, ihre Pension und wie sich die Inflation darauf auswirkt, bleibt nach wie vor groß.

Video: “Vermögensaufbau als Millennial: Wie geht das heute noch?”

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