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Reisebüros: Spitzenjahr und Rückgänge

01.11.2022 • 20:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch Urlaube für den nächsten Sommer werden bereits gebucht.         <span class="copyright">Shutterstock</span>
Auch Urlaube für den nächsten Sommer werden bereits gebucht. Shutterstock

Unterschiedlich ist die aktuelle Buchungslage in den Vorarlberger Reisebüros.

Hohe Inflation, immer weiter steigende Lebenshaltungskosten, Hilferufe von Sozialorganisationen und ein Krieg in Europa – eine dramatische Situation, die die Reisebüros im Land in ganz unterschiedlichem Ausmaß zu spüren bekommen, wie eine Nachfrage bei einigen ergibt.

„An und für sich ist es heuer, was Buchungen anbelangt, bis dato eines der besten Jahre überhaupt“, sagt Klaus Herburger von Herburger Reisen in Dornbirn und Fachgruppenobmann der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Natürlich mache man sich Sorgen in Hinblick auf die allgemeine Teuerung und die Kriegssituation – noch schlage sich das aber in den Buchungen nicht nieder.

Fachgruppenobmann Klaus Herburger.     <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Fachgruppenobmann Klaus Herburger. Klaus Hartinger

Derzeit habe man starke Buchungen für den Winter und den Frühling und auch kurzfristige für den November, so Herburger. Jänner und Februar seien stark gebucht, ein wenig Zurückhaltung gebe es noch, was nächsten Sommer betreffe, aber auch da hätten sich schon etliche für einen Urlaub entschieden. Auch für Mai und Juni nächsten Jahres kann Herburger auf bereits gut ausgelastete Reisen blicken. Ebenso seien Weihnachtsmärkte und Fernreisen über Weihnachten und Silvester sehr gut nachgefragt – trotz gestiegener Preise.

„Im Moment sind wir zufrieden, aber in abwartender Haltung“, beschreibt der Fachgruppenobmann die Situation. Ein Problem sieht er darin, dass Airlines vermehrt ihre Flüge zusammenlegen und somit einzelne Abflughäfen gestrichen werden. „Dann geht gleich einmal der Preis in die Höhe“, kritisiert Herburger, „da nehmen die Airlines wenig Rücksicht.“

“Ganz ganz schwierig”

Ganz anders schildert Patrick Moosmann von Sunshine Tours und 5 vor 12 reisen in Feldkirch die Lage. „Natürlich merken wir die Teuerung“, sagt er. Die ganz günstigen Reisearrangements gebe es nicht mehr, diese Kunden würden komplett wegfallen. Die hochpreisigen Angebote würden wie immer laufen und bei der Mittelschicht sei es „ganz ganz schwierig“.

Moosmann geht davon aus, dass das nächste Jahr noch problematischer werde, weil da die Familien die Teuerung stark zu spüren bekommen würden. „Die haben dann nicht mehr das Geld für einen Urlaub, weil die Preise viel zu hoch sind.“ Im Vergleich zu 2019 verzeichnet er Rückgänge „und die werden noch stärker werden“, ist er überzeugt.

Ganz unvorbereitet sei er aber nicht, zumal die Situation erwartbar war, wie er sagt. Moosmann sorgt dahingehend vor, dass personell nicht mehr nachbesetzt wird, erläutert er. „Damit wir, wenn das kommt, was wir uns erwarten, nicht ein Problem mit zu viel Personal haben“, so der Reiseprofi.

Rainer Nägele von Nachbaur Reisen.    <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Rainer Nägele von Nachbaur Reisen. Klaus Hartinger

„Wir sind sehr zufrieden und dürfen nicht klagen“, sagt wiederum Rainer Nägele von Nachbaur Reisen in Feldkirch. Bei den Buchungen schaue es sehr gut aus. „Wir haben alles, Weihnachten, Silvester und auch schon für das nächste Jahr.“ Es gebe eine Klientel, die wieder größere Reisen machen wolle und die buche bereits jetzt, um den steigenden Flugpreisen vorzubeugen, erklärt er.

Während in den beiden vergangenen Jahren die Winter eher durchwachsen gewesen seien, seien die Leute jetzt wieder „abschlussfreudiger“, so Nägeles Erfahrungen. Fazit: „Jetzt momentan sind wir sehr guter Dinge. Hoffen wir, dass es so bleibt.“

Ralf Loacker von Loacker Tours.    <span class="copyright">Jens Ellensohn</span>
Ralf Loacker von Loacker Tours. Jens Ellensohn

Die allgemeine Teuerung macht sich auch bei Loacker Tours in Götzis beim Buchungsverhalten aktuell nicht bemerkbar, informiert Ralf Loacker: „Derzeit merken wir noch nicht viel. Es läuft eigentlich ganz gut.“ Im Moment würden vor allem Fernreisen gebucht, berichtet er. Dabei handle es sich allerdings häufig um eine Klientel, der die gestiegenen Preise nicht so zusetzen würden. Loacker geht aber davon aus, das sich die Situation im nächsten Jahr ändern könne. „Es werden dann vermutlich zuerst die Familien sein, die sparen müssen“, so der Reisebürochef. Auf dem Niveau von 2019 – also vor der Pandemie – sei man noch nicht, sagt Loacker, „aber es ist so, dass wir zufrieden sind“.

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