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Im Zweifel Freispruch im Missbrauchsprozess

03.11.2022 • 20:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Prozess am Landesgericht dauerte zehn Stunden.     <span class="copyright">Symbolbild Hartinger</span>
Der Prozess am Landesgericht dauerte zehn Stunden. Symbolbild Hartinger

Gericht war aber nicht überzeugt, dass Angeklagter schon 14 und strafmündig war.

Vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen wurde der von Clemens Haller verteidigte Angeklagte am Donnerstag in einem zehnstündigen Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch im Zweifel freigesprochen. Das Urteil des Schöffensenats unter dem Vorsitz von Richterin Sabrina Tagwercher ist nicht rechtskräftig. Denn Staatsanwältin Konstanze Manhart nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Der Schöffensenat habe nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststellen können, dass der Angeklagte im angeklagten Tatzeitraum bereits 14 Jahre alt und damit strafmündig gewesen sei, sagte Richterin Tagwercher in ihrer Urteilsbegründung. Im Zweifel sei deshalb zugunsten des Angeklagten davon auszugehen gewesen, dass er im fraglichen Tatzeitraum noch strafunmündig gewesen sei. Das mutmaßliche Opfer sei bei der zeitlichen Einordnung der zumindest zehn Jahre zurückliegenden angeklagten Taten unsicher gewesen.

Drei Vorfälle

In der Anklageschrift wird dem Unterländer (25) zur Last gelegt, er habe zwischen Sommer 2011 und Dezember 2021 bei drei Vorfällen im Bezirk Feldkirch einvernehmlichen, aber verbotenen Sex mit seiner unmündigen Cousine gehabt. Zu Beginn des angeklagten Tatzeitraums war der Angeklagte 14 Jahre alt und seine Cousine 11.

Wegen der frühen Sexualkontakte mit dem Angeklagten habe das Mädchen eine negative Persönlichkeitsveränderung erlebt, die einer schweren Körperverletzung gleichkomme, meinte der Psychologe und Psychotherapeut Salvatore Giacomuzzi in seinem gerichtlichen Gutachten. Deswegen erhöhte sich der Strafrahmen für den zu den angeklagten Tatzeiten jugendlichen Angeklagten für den Fall eines Schuldspruchs auf null bis siebeneinhalb Jahre Gefängnis.

“Unglaubwürdig”

Der Angeklagte gab zu Protokoll, es habe keine sexuellen Kontakte zwischen ihm und seiner Cousine gegeben. Sie hätten lediglich einmal ein Doktorspiel gemacht. Der Angeklagte sei unglaubwürdig, seine Angaben seien Schutzbehauptungen, sagte Richterin Tagwercher. Glaubwürdig sei die Cousine des Angeklagten. Die inzwischen 22-Jährige gab an, es sei im Laufe der Jahre mehrfach zu sexuellen Handlungen mit ihrem Cousin gekommen.

Staatsanwältin Manhart merkte an, das mutmaßliche Opfer habe erst einige Jahre danach über die Vorfälle sprechen können. Sie habe sich zuerst vom Druck lösen müssen, den ihre Familie auf sie ausgeübt habe.

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