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Entlassungsgrund: Chef mit Corona angesteckt

04.11.2022 • 15:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Mann soll mit einer Coronainfektion arbeiten gegangen sein.  <span class="copyright">Symbolbild apa</span>
Der Mann soll mit einer Coronainfektion arbeiten gegangen sein. Symbolbild apa

Angestellter soll im Wissen um seine Infektion gearbeitet und dabei drei Mitarbeiter infiziert haben.

Der leitende Angestellte eines Unterländer Unternehmens wurde auch deshalb entlassen, weil er drei Mitarbeiter fahrlässig mit dem Coronavirus angesteckt haben soll, darunter auch den Geschäftsführer. In der Klage des Unternehmens wird dazu behauptet, er sei im Wissen um seine Coronainfektion trotzdem am 22. Oktober 2021 an seinem Arbeitsplatz erschienen.

Wegen der Ansteckungen sei es, so die Klage, zu einer Betriebsschließung gekommen. Auch dafür wird in einem anhängigen Arbeitsprozess am Landesgericht Feldkirch Schadenersatz gefordert. Entschädigt werden will die klagende Firma von ihrem beklagten Ex-Mitarbeiter auch für angefallene Anwaltskosten von 6000 Euro. Denn es habe ein Strafverfahren wegen Amtsmissbrauchs beim Vorführen eines Autos gegen den Mitarbeiter gegeben. Dadurch sei dem Unternehmen vorübergehend die Befugnis zum Pickerl-Ausstellen entzogen worden. Klagsvertreter Dominik Heimbach moniert auch private Einkäufe des Beklagten, bei dem Lieferanten ihm Firmenrabatte gewährt hätten.

Pönale

Das Unternehmen beruft sich auf eine Vereinbarung über eine Konventionalstrafe für den Fall der Auflösung des Dienstverhältnisses nach schuldhaftem Verhalten im Betrieb. Demnach soll sich der Mitarbeiter schriftlich zur Zahlung einer Pönale von drei Brutto-Monatsgehältern verpflichtet haben.

Die klagende Partei fordert 18.000 Euro. Im Juli schlossen die Streitparteien einen gerichtlichen Vergleich: Mit der Zahlung von 12.000 Euro durch den Beklagten sollte der Arbeitsprozess beendet werden. Der Beklagte widerrief aber den Vergleich. Deshalb wurde der Prozess am Freitag weitergeführt. Nun soll ein Molekularbiologe in einem Gutachten Auskunft darüber geben, ob der Beklagte tatsächlich die Ansteckungen verursacht hat.

Vorsätzliche Gefährdung

Arbeitsrichter Gabriel Rüdisser merkte in der Verhandlung am Freitag an, das Arbeitsgericht sei an das rechtskräftige Urteil im Strafprozess gebunden: Der angeklagte Ex-Mitarbeiter wurde am Landesgericht wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten zu einer Geldstrafe von 7500 Euro verurteilt. Weil er im Wissen um seine Coronainfektion am 22. Oktober 2021 im Unternehmen gearbeitet hat, ohne Schutzmaske.
Anhängig ist zwischen den Streitparteien noch ein zweiter Arbeitsprozess. Dabei bekämpft der anwaltlich von Barbara Salvatori vertretene Ex-Mitarbeiter als Kläger seine Entlassung.

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