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Musik in meinen Ohren – Ein Knopf für Gefühle

05.11.2022 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Ich brauche Musik, die mir Freude bereitet, die mich mittanzen lässt, die mein Herz zum Hüpfen bringt.

Ich wünschte, ich hätte mich anno dazumal, als ich noch mit den Mücken geflogen bin, ehrgeiziger dafür eingesetzt, mit ein wenig musikalischem Talent ausgestattet zu werden. Nur ein bisschen. Es würde mir schon genügen, wenn mein Singen unter der Dusche zumindest zumutbar und das Mitgrölen im Auto nicht nur ein unrhythmisches Quäken wäre.

Ergo: Ich krakele deshalb nur vor mich hin, wenn ich alleine bin, aber das dann wenigstens mit Inbrunst. Ich mag Musik nämlich. Sie ist eine wunderbarere Gefühlsverstärkerin oder gar Hervorkitzlerin. Sie schafft es, mich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit mitzunehmen und bringt mich genauso mit dem Hier und Jetzt meiner Kids zusammen. Da muss man echt drauf schauen, dass man am Puls der Zeit bleibt, denn ich neige dazu, musikalisch in meiner eigenen Geschichte hängen zu bleiben. Aber, es gab damals schon richtig lässige Musik. Himmel bewahre, wenn das Autoradio aus heiterem Himmel „Face no more“ hinausdröhnt.

Da wird die die Lautstärke auf Volume 500 hochgefahren, dass die Türen meines Dacias im Rhythmus mitzittern. Heidi sitzt dabei headbangend hinter dem Lenkrad und schreit mit glänzenden Augen mit. Das ist Befreiung. Ich brauche Musik, die mir Freude bereitet, die mich mittanzen lässt, die mein Herz zum Hüpfen bringt vor allem dann, wenn es mir nicht gut geht. Ich schaffe das nicht, mir mit Liebeskummer, angespannten Nerven oder Alltagssorgen auch noch eine – zwar wunderschöne – aber traurige Musik anzuhören. Passiert so etwas versehentlich, sitze ich ganz hollywoodmäßig mit rinnender Nase und weinender Seele in der Ecke meines Zimmers und der Rest des Tages ist für mich gelaufen. Gute Musik zeigt mir, wie es mir geht. Da funktioniert kein Verdrängungsmechanismuss mehr. Sie drückt einen Knopf, die Türe geht auf und die Gefühle, die da so lange im Dunklen gewartet haben, kraxeln hinaus an die Oberfläche. Das ist einerseits gut, weil dann kann man sie einmal ansehen, seine Gefühle und sich ihrer bewusst werden. Man sagt ja, das helfe beim Vermeiden von Magengeschwüren.

Andererseits habe ich nicht immer Zeit (und Lust), auf ein Tête-à-Tête mit Sorgen und Kümmernissen. Und weil ich finde, dass es genauso wunderbar wirkt diese wegzutanzen, beschalle ich ab und zu einmal halb Hohenems mit meiner Lieblingsmusik und springe durch meine Wohnung wie ein Gummiball. Die rollenden Augen meiner Mädels sind dabei ebenso unbezahlbar wie dieses wunderbare Gefühl von Glück. In meinem nächsten Leben werde ich Rockstar! Ich schwör!

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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