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Autos verschont, doch Schlüssel verbrannt

07.11.2022 • 20:22 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Gebäude liegt in Schutt und Asche. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Das Gebäude liegt in Schutt und Asche. Klaus Hartinger

Der Brand des Postverteilerzentrums hat Folgen.

Wer einen wichtigen Brief erwartet, muss sich angesichts des Vollbrandes des Postverteilerzentrums in Koblach keine Sorgen machen. Das heißt es zumindest von Seiten der Post. Denn alle wichtigen Sendungen seien am Freitag wie üblich noch zugestellt worden. Es hätten sich laut derzeitigem Wissensstand wahrscheinlich nur bereits vorbereitete Werbesendungen im Postverteilerzentrum befunden, als der Brand am Sonntag ausbrach, so Markus Leitgeb, Pressesprecher der Post.

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Keine wichtigen Briefe verbrannt

Die Zustellung der wichtigen Sendungen, wie etwa RSb- oder RSa-Briefe, sei am vergangenen Freitag noch erfolgt, entwarnt Leitgeb. Neue solche Briefe hätten dann erst nach dem Wochenende, nämlich am Montag, wieder im Verteilerzentrum einlangen sollen. Postgewerkschafter Franz Mähr meint dazu, dass jetzt noch nicht gesagt werden könne, ob kein wichtiger Brief den Flammen zum Opfer gefallen ist: „Ich glaube, jeder Brief ist wichtig.“

Die unmittelbar nach der Brandmeldung eingetroffenen Kräfte der umliegenden Feuerwehren begannen mit der sofortigen Brandbekämpfung.<span class="copyright">Feuerwehr Hohenems</span>
Die unmittelbar nach der Brandmeldung eingetroffenen Kräfte der umliegenden Feuerwehren begannen mit der sofortigen Brandbekämpfung.Feuerwehr Hohenems

Der verursachte Schaden sei noch schwer zu beurteilen, schätzt Leitgeb die Lage ein. Mähr vergleicht den entstandenen Schaden mit einem Bombeneinschlag. „Die komplette Infrastruktur des Gebiets wurde zerstört. Es liegt regelrecht in Schutt und Asche“, so Mähr. „So einen Großbrand habe ich noch nie erlebt. Es ist alles zerstört.“ Weder Tresore oder Fahrräder noch Dienstkleidung seien noch zu retten gewesen, schildert er das Ausmaß der Zerstörung. Es fehle nun das ganze Equipment, wie etwa Möbel und Technik.

Franz Mähr habe so einen Großbrand noch nie erlebt. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Franz Mähr habe so einen Großbrand noch nie erlebt. Klaus Hartinger

Während es von Seiten der Post heißt, dass der Fuhrpark großteils unbeschadet blieb, da die Hälfte der Fahrzeuge sich zum Brandzeitpunkt bei den Mitarbeitern zu Hause befand und der Rest relativ kleine Beschädigungen davontrug, weist Mähr darauf hin, dass jedoch die zugehörigen Schlüssel verbrannt seien und nun nachbestellt werden müssen. So seien die Fahrzeuge teilweise derzeit nicht fahrtüchtig. Es würden deshalb Fahrzeuge aus anderen Bundesländern geliefert werden, so der Gewerkschafter.
Dies sind nicht die einzigen Lieferungen, die angekündigt wurden. Mähr erzählt von Sattelschleppern aus anderen Bundesländern, die gestern erwartet wurden. Geladen hatten sie etwa Sortiertische.

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Zustellung gesichert

Von der Zerstörung und daraus resultierenden Auswirkungen betroffen sind laut Mähr mehr als zehn Gemeinden, also knapp 100.000 Kunden. Darunter sind unter anderem Hohenems, Mäder, Altach, Rankweil und Götzis. Die Versorgung sei jedoch trotz des Brandes gesichert, heißt es von Seiten der Post. Manche Mitarbeiter seien aus Eigeninteresse schon am Sonntag vor Ort gewesen, erzählt Leitgeb. Denn sie seien besorgt gewesen. Der Großteil sei dann am Montagmorgen durch die Post informiert worden. „Man spürt den Zusammenhalt der Kolleginnen vor Ort“, hebt Leitgeb hervor. Am betroffenen Standort sind es 70 Mitarbeiter. Sie seien motiviert, die Versorgung sicherzustellen. Außerdem gebe es für solche Situationen ein Notfallkonzept. „Wir haben uns für solche Fälle vorbereitet und haben schon einen Notfallplan in der Schublade“, so Leitgeb. Dieser beinhaltet unter anderem Antworten auf die Fragen nach anderen Räumlichkeiten, verfügbaren Fahrzeugen und wie logistisch oder organisatorisch vorgegangen wird, wenn eine Zustellbasis ausfällt. Vorarl­berg verfügt über dreizehn solcher Zustellbasen. Schon am Sonntag sei auf den Brand reagiert worden, indem die Sendungen über andere Zentralen umgeleitet wurden, so Leitgeb. Pakete werden vorerst über die Zentralen in Wolfurt und Briefe über die Stelle in Meiningen umgeleitet. Briefträger, die ein Auto zur Verfügung hatten, haben gestern einen Teil der Post ausgetragen.

Mehrere Feuerwehren waren mit 300 Einsatzkräften und 40 Fahrzeugen im Einsatz. <span class="copyright">Feuerwehr götzis</span>
Mehrere Feuerwehren waren mit 300 Einsatzkräften und 40 Fahrzeugen im Einsatz. Feuerwehr götzis

Erwartete Verspätung

Es sind aber Verzögerungen bei der Zustellung in den kommenden Wochen möglich. „Es kann sein, dass es zu Beginn etwas holprig startet“, so Leitgeb. So könne es sein, dass der Brief erst wenige Stunden später als sonst im Briefkasten sei, so Leitgeb. Die Zusteller müssten sich erst an die neuen Gegebenheiten gewöhnen, begründet er das.

Während die Post laut Mähr schon mit einem vollständigem Hochfahren des Systems ab morgen rechne, sieht er selbst noch eine längere Anlaufphase. „Das Rad läuft nicht mehr ganz rund. Der Kunde darf nicht erwarten, dass es schon am Mittwoch bestens läuft“, entgegnet der Gewerkschafter. Er glaube aber, dass Kunden für Verspätungen großes Verständnis aufbringen würden.
Langfristig sucht die Post nach einem neuen Standort und evaluiert die Möglichkeit des Ausbaus einer bestehenden Zentrale. Das soll in den kommenden Wochen geschehen.

Nur die Hälfte der Postfahrzeuge war vor Ort. 50 Prozent waren vor Flammen geschützt bei den Mitarbeitern zu Hause.<span class="copyright">Feuerwehr Hohenems</span>
Nur die Hälfte der Postfahrzeuge war vor Ort. 50 Prozent waren vor Flammen geschützt bei den Mitarbeitern zu Hause.Feuerwehr Hohenems

Ursache unklar

Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Von Seiten der Landespolizeidirektion heißt es, dass es wahrscheinlich noch bis Ende Woche dauern wird, bis diese bestimmt werden könne. Ges­tern sollen zwei Personen der Kriminaltechnik aus Wien angereist sein und am Nachmittag die Brandstelle begutachtet haben. Der Schaden sei so groß, dass die Feststellung der Ursache mehrere Tage in Anspruch nehmen werde, prognostiziert die Polizei.

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