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Bürger wollen Bahnbrechendes

07.11.2022 • 21:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Drunter oder drüber? Diese Frage wird die Öffentlichkeit noch länger beschäftigen<span class="copyright">(C) DIETMAR STIPLOVSEK </span>
Drunter oder drüber? Diese Frage wird die Öffentlichkeit noch länger beschäftigen(C) DIETMAR STIPLOVSEK

Informationsabend zur Unterflurtrasse offenbarte politischen Differenzen.

Der Hofsteigsaal in Lauterach konnte am Montagabend nicht nur mit einer hohen Dichte an Männern mittleren bis gesetzten Alters aufwarten, sondern bot auch eine spannende Debatte zum möglichen Bahnausbau rund um Bregenz. Im Zentrum stand die seit den 40er-Jahren diskutierte Unterflurtrasse, mit der die Bahnstrecke nach Deutschland ausgebaut und unter die Erde verlegt werden soll.
Den Auftakt machte eine mit martialischen Tönen unterlegte Animation der möglichen Streckenführung zwischen Wolfurt und Hörbranz, die mit Applaus quittiert wurde. Pius Schlachter, Sprecher der Initiative „mehr am See“, hob hervor, dass es mittlerweile einen Konsens gebe, dass es einen Bahnausbau geben müsse. Bisher hätten sich die ÖBB auf den Standpunkt gestellt, dass es in den nächsten 30 Jahren keinen Ausbau brauche. Dass der zuständige Mobilitätslandesrat Daniel Zadra (Grüne) verhindert war, wurde im Publikum mit partieller Heiterkeit quittiert.

„Wir empfinden es als Privileg, dass wir die Bahn im Dorf haben“, zeigte sich der Lauteracher Bürgermeister Elmar Rhomberg ebenfalls grundsätzlich positiv. Man könne aber nicht „einfach nur Gleise dazulegen“. Es gebe immerhin zwei scharze, einen parteilosen, einen grünen und einen roten Bürgermeister, die sich in der Sache einig seien. „Wir müssen jetzt die richtigen Schienen legen, damit die nächsten Generationen dann die gute Ernte haben“, so Rhomberg. Es liege ihnen aber fern, etwas zu blockieren.

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(C) Moser

Badische Straßenbahn als Vorbild

Frank Nenninger, der technische Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur GmbH, präsentierte im Anschluss den unterirdischen Straßenbahnausbau in der ehemaligen badischen Hauptstadt. Dort wurde nach langjährigen Vorplanungen bis heuer die sogenannte U-Strab errichtet. Die Kosten verdreifachten sich von unter 500 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro. Nicht umsonst mahnte Nenning eine ehrliche Kostenplanung als Voraussetzung für ein solches Projekt ein. Man müsse einen „Puffer berücksichtigen“. Er müsse die Preissteigerung aber relativieren, da das Projekt 2004 berechnet und erst 2009 vergeben worden sei.

Im Gegensatz zum Bahnausbau im Unterland ging es in Karlsruhe jedoch um den öffentlichen Nahverkehr, nicht um eine internationale Eisenbahnverbindung mit Güterverkehr. Was auch in der anschließend Fragerunde moniert wurde. „Für Güterzüge ist das nicht ausgelegt“, erklärte auch Nenninger. Es seien aber schon ähnliche Bahnprojekte gebaut worden. In Karlsruhe habe man auch keinen langwierigen Schienenersatzverkehr einrichten müssen, wie er von den Gegnern der Unterflurlösung befürchtet wird. Landesrat Zadra hatte im Interview mit der NEUE erklärt, für ihn komme eine jahrelange Sperre der Bahnstrecke nicht infrage, da dadurch der über Jahre hinweg erreichte Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs gefährdet werde.

Der anwesende Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP) hielt fest, dass es nun eine einmalige Chance gebe, den Lebensraum neu zu gestalten. Natürlich müsse man am Ende über die Kosten sprechen, aber man solle die Zahl nicht voranstellen und damit die Diskussion beenden.

Exportprobleme auf Schiene

In der anschießenden Podiumsdiskussion erklärte Logistikunternehmerin Heidi Senger-Weiss, dass ohne Lkw-Verkehr die Vorarlberger Exportwirtschaft nicht funktionieren würde. Mit der eingleisigen Strecke nach Deutschland wäre das nicht möglich. Noch vor einem Jahr hätten die ÖBB behauptet, dass man bis 2040 an dieser Strecke nichts ändern müsse.

Etwa 60 Prozent des Vorarl­berger Exports gingen „nach dem Norden“, diese könnten nicht „über dieses eine Gleis­chen“ gehen. Bei Kufstein müsse nun für die Brennerbahn ein zusätzlicher Tunnel gebaut werden, der wohl so viel koste wie das ganze Projekt in Vorarlberg. Doch die Tiroler seien sich einig, und daher werde das gebaut. Sie wünsche sich, dass sich Vorarlberg in der Sache auch einig wäre und sie durchboxe.

Hubert Rhomberg hielt fest, dass es eine politische Entscheidung sei, wie die Bahn gebaut werde. Technisch sei es möglich. „Man kann den internationalen Verkehr nicht einfach acht Jahre abschneiden“, so Rhomberg. Es gebe aber auch hierfür Lösungen. Er spüre einen ideologischen Unterschied in der Landesregierung, so der IV-Vizepräsident. Wenn man beim Bahnausbau sage: „Das darf nicht unten sein, weil sonst komme ich mit dem Kiki nicht zum Bahnsteig“, lasse man die Wirtschaft zurück. Diese brauche die Kapazitäten auf der Schiene. Auch Tittler gestand ein, dass der Güterverkehr zu lange stiefmütterlich behandelt worden sei. Es dürfe aber auch kein Auseinanderdividieren von Güter- und Personenverkehr geben. Er könne sich jedenfalls nicht vorstellen, dass großflächig Häuser abgerissen werden. Ihm habe das eingangs gezeigte Video gefallen, so der Landesrat, aber man müsse auch bedenken, dass der Bregenzer Bahnhof mehr als die zwei dort gezeigten Gleise habe.

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