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Ex-Grünenchef Chorherr muss auf Anklagebank

07.11.2022 • 13:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ex-Grünenchef Christoph Chorherr
Ex-Grünenchef Christoph Chorherr APA/HANS PUNZ

Ex-Wohnbaupolitiker soll Spenden für karitatives Projekt erhalten haben.

Der ehemalige Parteichef der österreichischen Grünen, Christoph Chorherr, muss sich am Dienstag vor Gericht verantworten. Platz nehmen auf der Anklagebank im Landesgericht in Wien müssen unter anderem die illustren Investoren und Immobilienentwickler Rene Benko, Michael Tojner, Erwin Soravia, Wilhelm Hemetsberger, Günter Kerbler. Bis zum 20. Dezember sind elf Verhandlungstage anberaumt.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem ehemaligen Wiener Gemeinderat, Stadtplanungssprecher der Wiener Grünen und stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeinderatsausschusses für Wohnen und Wohnbau wie auch den prominenten Unternehmern Amtsmissbrauch und Bestechung vor. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung.

Im Kern wird dem langjährigen Wiener Kommunalpolitiker vorgeworfen, für das Zustandekommen von diversen Immobilienprojekten im Gegenzug Spenden für ein karitatives Schul- und Behindertenprojekt in Südafrika entgegengenommen zu haben. Chorherr war jahrelang Obmann des Vereins S2Arch. Letzterer profitierte nicht nur von Spenden-, sondern auch von großzügigen Fördergeldern der Stadt Wien.

Vorteile dank Spenden

Die WKStA geht davon aus, dass sich die Investoren durch ihre Spenden Vorteile bei Widmungsverfahren erhofft haben. Chorherr soll, so die Anklagebehörde, „Projekte von Einzahlern günstig behandelt“ haben. Auch habe er über Bauprojekte im Gemeinderat mitabgestimmt – trotz offenkundiger Befangenheit. Chorherr legte nach Aufkommen der Vorwürfe 2019 seine Parteimitgliedschaft bei den Grünen zurück.

Von der Anklage sind Spenden in Höhe von insgesamt 1,6 Millionen Euro umfasst. Tojner soll im Zusammenhang mit dem ohnehin höchst umstrittenen Hochhausprojekt am Wiener Heumarkt 56.000 an Chorherrs Verein gespendet haben, Benko 100.000 Euro im Kontext eines Grundstückskaufs unweit des Wiener Hauptbahnhofs, Soravia, der in Wien die spektakulären Triple Towers beim Prater sowie das Wohnturmprojekt Danube Flat an der Neuen Donau errichtet hat, 15.000 Euro, Kerbler 100.000 Euro wegen diverser Projekte in der Seestadt. Benko steht seit Tagen in Deutschland schwer unter Beschuss wegen der drohenden Insolvenz der Kaufhauskette Karstadt, in Österreich wegen der jüngsten Enthüllungen im Zusammenhang mit den Schmid-Chats.

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