Allgemein

So soll Notre-Dame in neuem Glanz erstrahlen

07.11.2022 • 19:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Renovierungsarbeiten sind im Gange und der Zeitplan hält bis jetzt. Die Innenräume sollen Ende 2024 fertig sein
Die Renovierungsarbeiten sind im Gange und der Zeitplan hält bis jetzt. Die Innenräume sollen Ende 2024 fertig sein (c) Jo – stock.adobe.com

Seit dem Brand der Pariser Kathedrale hat sich viel getan.

Gearbeitet wird nicht nur in Paris: Fernab der französischen Hauptstadt wird derzeit sogar in der Kölner Dombauhütte an der Restaurierung von vier Kirchenfenstern aus der Pariser Kathedrale Notre-Dame gefeilt. “Es ist natürlich nur ein Symbol, aber in diesen Zeiten ein sehr wichtiges Symbol”, sagte Armin Laschet, als er im Oktober die Baustelle der Kathedrale in Paris besucht hatte. Der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hatte nach dem Brand der Pariser Kathedrale am 15. April 2019 gemeinsam mit der deutschen Unesco-Kommission zu einer Spendenaktion aufgerufen. Dabei war eine halbe Million Euro zusammengekommen.

Dombaumeister Peter Füssenich bezeichnete es als “große Ehre”, dabei mithelfen zu dürfen, dass die Pariser Kathedrale wieder “so erstrahlen kann, wie sie einst geleuchtet hat”.

So soll Notre-Dame in neuem Glanz erstrahlen
In der Kölner Dombauhütte werden Kirchenfenster derzeit akribisch und liebevoll restauriertAPA

Bei den Fenstern handelt es sich um vier Obergadenfenster mit abstrakten Motiven, die der französische Glasmaler Jacques Le Chevallier 1965 gefertigt hatte. Sie haben den Brand wie durch ein Wunder ohne schwerwiegende Schäden überlebt. Die Kölner Glasrestauratoren werden die Fensterscheiben reinigen, Sprünge kleben, Brüche im Bleinetz löten und die Außenseiten der Fensterpaneele neu verkitten.

Erste Phase abgeschlossen

Derweil geht die Baustelle in Paris planmäßig voran. Die erste Phase wurde Ende vergangenen Jahres abgeschlossen. Nach Angaben des französischen Rechnungshofes hat es 151 Millionen Euro gekostet, die bauliche Substanz zu sichern, die Innenräume zu säubern und die giftigen Überreste geschmolzenen Bleis des Dachs zu entfernen.

Erst in diesem Jahr hat die zweite, eigentliche Restaurierungsphase begonnen, für die 552 Millionen Euro veranschlagt sind. Dazu gehört der identische Wiederaufbau des Dachstuhls und des Dachreiters von Eugène Viollet-le-Duc. Schon Ende 2024 sollen die Innenräume fertig sein, sodass wieder Gottesdienste in Notre-Dame stattfinden können.

Vor dem Brand war Notre-Dame mit zwölf Millionen Besuchern jährlich die am meisten besichtigte Sehenswürdigkeit Frankreichs. Nach der Wiedereröffnung wird mit 14 Millionen Besuchern gerechnet. Die Stadt Paris hat deshalb einen Landschaftsarchitekturwettbewerb ausgeschrieben, um die Umgebung der Kathedrale neu zu gestalten, dessen Ergebnis vor einigen Monaten präsentiert wurde. Gewonnen hat ihn der belgische Landschaftsarchitekt Bas Smets, der gemeinsam mit einem Team aus Pariser Urbanisten, Denkmalschützern und Ingenieuren das gesamte Umfeld der Kathedrale in eine “grüne Schatulle” verwandeln soll, wie es die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo formuliert.

Klimawandel und Massentourismus

Auf den ersten Blick wirkt der Entwurf Smets fast so, als habe sich für den Besucher nicht viel verändert. Bei genauerem Hinsehen erkennt man indes schnell, dass Klimawandel und Massentourismus im Mittelpunkt stehen. Die Grünfläche um Notre-Dame wird um ein gutes Drittel auf viereinhalb Hektar anwachsen. 131 Bäumen sollen zusätzlich zum vorhandenen Bestand gepflanzt werden. Den Vorplatz der Kathedrale sieht Smets als eine Art “Lichtung”. Im Osten wird die zerstückelte Stadtlandschaft in einen weiträumigen Park verwandelt sein, wo man von großen Rasenflächen aus die Rückseite Notre-Dames mit den Seitenbögen und Rosetten wird bewundern können.

So soll Notre-Dame in neuem Glanz erstrahlen
Inferno: Der Brand richtete enormen Schaden anAPA

Es war Wunsch der Stadt und der Diözese, eine städtebauliche Einheit zu schaffen. “Wir wollten, dass die Mauern und Zäune fallen, die es unmöglich machten, um die Kathedrale herumzugehen”, versichert Domherr Gilles Drouin. Notre-Dame symbolisiere, was man gemeinsam erschaffen habe. Das sei der Grund, warum der Brand das Zugehörigkeitsgefühl nicht beschädigt, sondern verstärkt habe.

Der Unglückstag im April 2019 hatte sich tief in das kollektive Bewusstsein der Pariser eingebrannt. Die Brandursache ist noch ungeklärt. Als mögliche Auslöser gelten eine brennende Zigarette oder ein Kurzschluss. Hinweise auf eine Brandstiftung gibt es laut Behörden nicht.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.