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Biomüll geht ab 2024 nach Deutschland

08.11.2022 • 21:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Loacker  in Lustenau.   <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Loacker in Lustenau. Klaus Hartinger

Ausschreibung führt dazu, dass der Vorarlberger Haushalts-Biomüll nicht mehr in Lustenau verwertet wird.

Der in Vorarlberg anfallende Biomüll aller Haushalte wird ab 2024 nicht mehr in der Biogas-Anlage von Loacker in Lustenau verwertet. Denn eine notwendig gewordene neue Ausschreibung des Vorarlberger Gemeindeverbandes hat im Sommer 2022 die AWB Amtzeller Werk für Biogas GmbH in Amtzell im Großraum Ravensburg (D) gewonnen. An dem Unternehmen AWB ist unter anderem der Lindauer Entsorger Stark beteiligt.

Pro Jahr fallen in Vorarlberg rund 18.000 Tonnen Haushalts-Biomüll an. Bislang hatte die Firmengruppe Loacker den Auftrag zur Verwertung des Biomülls der Haushalte, was bis dato in der Biogas-Anlage in Lustenau (ehemals Häusle) durchgeführt wird. Loacker konnte die neue Ausschreibung allerdings nicht mehr für sich entscheiden.

„Massiver Unterschied“

Herbert Koschier, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft und Umwelt beim Gemeindeverband, erklärte, dass der Preisunterschied zwischen den beiden Angeboten „massivst“ gewesen sei und sich deutlich im zweistelligen Prozentbereich bewegt habe: „Es ist uns gar nichts anderes übriggeblieben, als den Auftrag an den Bestbieter AWB zu vergeben“. Man sei sich beim Gemeindeverband der Tatsache bewusst, dass dadurch in Lustenau keine Erzeugung von regionalem Biogas mehr mit Vorarlberger Haushalts-Biomüll erfolgen werde.

Dass sich durch die neue Lösung eine massive Verkehrsmehrbelastung ergibt, glaubt Koschier unterdessen nicht. Denn in den nächsten Wochen soll auch der Betrieb einer neu zu errichtenden Umladestation für den gesammelten Biomüll ausgeschrieben werden. Sie soll verkehrstechnisch deutlich günstiger liegen als der Loacker-Standort in Lustenau-Königswiesen. Denn bislang mussten alle Biomüll-Sammelfahrzeuge aus Vorarlberg nach Lustenau fahren.

“Mehr Wettbewerb”

Auch einen strategischen Aspekt betont Koschier: „Durch eine zentrale Umladestation bekommen die Gemeinden mehr Wettbewerb in den Entsorgungsmarkt für Haushalts-Biomüll in Vorarlberg.“ Denn bislang könne man den Biomüll nur in Lustenau abliefern. Mit einer Umladestation kämen mehrere Anbieter für die Verwertung in Frage.

Für den Fall, dass sich bis Anfang 2024 kein betriebsfertiger Standort für die Umladestation findet, gebe es beim Gemeindeverband als Übergangslösung einen „Plan B“, den man aus nachvollziehbaren Gründen nicht verraten wolle.

Biogas

Dass der Vorarlberger Haushalts-Biomüll ab 2024 nach Amtzell geht, hat jedenfalls unmittelbare Auswirkungen auf die Biogas-Anlage von Loacker in Lustenau. Konkrete Detailzahlen sind vom Unternehmen nicht zu erfahren. Nur so viel: Pro Jahr werden mehrere zehntausend Tonnen an Biomüll in Lustenau in Biogas umgewandelt. Der Haushalts-Biomüll aus Vorarlberg mache rund zwei Drittel dieser Menge aus. Loacker verwendet das Biogas für eine eigene Tankstelle und speist über ein Kraftwerk dort erzeugte Wärmeenergie in das Harder Nahwärmenetz ein.

Gleichzeitig wird das Biogas von Loacker auch in das Erdgasnetz von Illwerke vkw eingespeist. Loacker in Lustenau und 11er-Nahrungsmittel in Frastanz sind die einzigen Biogas-Produzenten in Vorarlberg, die das Biogas in der dafür notwendigen Qualität erzeugen. Die Mengen sind anteilsmäßig derzeit allerdings überschaubar. Nach Angaben von Illwerke vkw stammen rund zwei Prozent des in Vorarl­berg nachgefragten Gases von diesen beiden Anbietern, bei 98 Prozent handelt es sich um Erdgas.

Der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer.   <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer. Dietmar Stiplovsek

Auch der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer sieht die zwei Seiten dieser neuen Vergabe. Einerseits müsse sich der Gemeindeverband an das Vergaberecht halten und könne derartige Preisunterschiede bei Angeboten nicht ignorieren. Dazu komme die Verkehrsbelas­tung im Gemeindegebiet von Lustenau durch die Biomüll-Sammel-Lkw aus ganz Vorarlberg.

Andererseits verliere jetzt ein regionales Unternehmen mit Arbeitsplätzen einen wichtigen Auftrag. Dadurch bestehe langfristig auch die Gefahr des Know-how-Abflusses in Bezug auf die regionale Erzeugung von Biogas. Gerade für das Streben nach Energieautonomie könnte das ein Nachteil sein, so Fischer.

Sammlung erledigt Bietergemeinschaft

Die neu vergebene Verwertung des Biomülls ist nicht zu verwechseln mit der Sammlung des Biomülls in allen 96 Gemeinden. Diese wurde vor Jahren im Rahmen einer gesonderten Ausschreibung an eine Bietergemeinschaft bestehend aus den Entsorgungsunternehmen Loacker Recycling, Branner, Ennemoser und Burtscher vergeben.
Zusammen mit den städtischen Entsorgungsbetrieben in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz liefern sie den gesammelten Biomüll bislang beim Loacker-Standort in Lustenau ab. Der Vertrag zur Sammlung läuft nach Angaben des Gemeindeverbandes unverändert weiter. Ab 2024 wird der gesammelte Biomüll nicht mehr zu Loacker nach Lustenau transportiert, sondern zur vorgesehenen Umladestation, wo auch immer diese sein wird.

Günther Bitschnau/wpa

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