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Leif Trenklers „Update der Realität“

09.11.2022 • 20:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Leif Trenkler und "Yellow Haze"<span class="copyright"> Sieglinde Wöhrer</span>
Leif Trenkler und "Yellow Haze" Sieglinde Wöhrer

Neue farbbetonte ­Arbeiten vom Künstler Leif Trenkler sind bis 26. November in der Ausstellung „Yellow Haze“ in der Feldkircher Galerie Sechzig zu sehen.

Die weiße Farbe der Palmen war wichtig für die Konzeption des Bildes, die Schatten sind bunt, Sterne leuchten mit den Lichtern der Stadt, die Balance zwischen gelb und blau muss bewahrt bleiben, ein roter Himmel spiegelt sich im seichten Wasser. Manchmal dauert es Stunden, bis der Künstler die richtige Farbe fertig gemischt hat, die, die zu der anderen Farbe passt, denn „ein Bild darf nicht auseinanderfallen, sondern sollte eine Einheit bilden“. Ein Strich zu viel kann die Komposition zum Einsturz bringen, „man muss aufpassen, wo man anfängt und wo man aufhört.“ Manchmal gebe es auch Komplikationen, die zu bewältigen sind. „So entwickelt sich das Bild, bis es fertig wird“, erklärt Leif Trenkler.

Momentaufnahmen

Leif Trenklers in der Galerie Sechzig ausgestellten Werke. <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Leif Trenklers in der Galerie Sechzig ausgestellten Werke. Sieglinde Wöhrer

Trenkler spielt mit den Farben, erzeugt Wärme und Dynamiken einer positiven, aufgeräumten Atmos­phäre. Er kreiert in seinen Werken Momentaufnahmen aus unserer Welt, die das schöne Leben in sich tragen und zurechtrücken. Echte Schauplätze werden künstlich aufgebessert und in kräftige Kolorierungen getaucht, die Farben stimmen, auch wenn sie nicht der Realität entsprechen, denn nicht die Wirklichkeit ist bedeutend, sondern der optimistische Charakter.

Die Motive für seine Werke findet Trenkler an ganz konkreten Orten in Belgien, der USA, Frankreich oder Österreich. In Südafrika malte er das Haus eines Sammlers, die Flusslandschaft mit den spielenden Kindern ist in der Nähe von Giverny, wo auch Monet seine Bilder gemalt hat. „Ich verarbeite das und füge Sachen hinzu oder lass Sachen weg, dass das Bild dann perfekt wird.“ So hat er beispielsweise in einer Arbeit als Reminiszenz ein Bild des amerikanischen Malers Clifford Still hineingemalt. „Ein Bild im Bild, das hängt in Wirklichkeit in Madrid“, erklärt Trenkler Details und Akzentuierungen.

L.A. by Night (Hollywod) <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
L.A. by Night (Hollywod) Sieglinde Wöhrer

Steigerungen

Trenklers Werke basieren auf Gesehenem und Erlebtem, bei dem „das Schöne“ durch Farbkompositionen nochmal gesteigert wird, um die reale Welt in einer Utopie der Realität zu übertreffen. Es sind Impressionen vom Perfekten, wo Licht und Farbe eine ausgewogene Dynamik schaffen und Gegensätze miteinander harmonieren.

Die Natur wird kontrastreicher und strahlender gemacht und mit den strengen geometrischen Linien der Architektur in Einklang gebracht. Doch auch Farbverläufe und Stimmungen verändern sich von Zeit zu Zeit. Je nachdem, welche Ereignisse sich in der Welt abspielen, fließen auch Umbrüche in Trenklers Arbeit mit ein. Doch Trenkler will in erster Linie die Schönheit darstellen, er kümmere sich in seiner Malerei um die Ästhetik, denn „Probleme haben wir genug“.

"Sommertage" <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
"Sommertage" Sieglinde Wöhrer

Intensiv mit Kunstgeschichte auseinandergesetzt

Schon als kleiner Junge habe sich der Künstler intensiv mit der Kunstgeschichte auseinandergesetzt, schildert die Galeris­tin Leonie Hirn. So habe er die ganze Geschichte aufgearbeitet und sich dann einzelne Sachen rausgepickt und zu seinem eigenen Stil gemacht, ein Stil aus ganz vielen verschiedenen Stilen. Er sei eigentlich ein „impressionistischer Expressionist“, weil er Farben wählt, die nicht der Natur entsprechen, sondern oft seine Gefühle darstellen und gewisse Stimmungen vermitteln. Das kombiniert er „mit einer ziemlich realistischen Darstellungsweise“.

Einflüsse

Wie Trenkler beschreibt, sind seine Bilder beeinflusst von barocker Malerei und Malern der Frührenaissance. Maler wie Paolo Veronese oder Jean Honoré Fragonard seien ähnlich frei mit Farbe umgegangen und ebenso wie alte Meister, die alle Holz gemalt haben, bevor die Leinwand erfunden wurde, malt Trenkler seit den 90er Jahren ausschließlich auf Birkenholz. Ein Material, das „schon Leben hat, bevor du anfängst“ und dem Bild eine „natürliche Wärme“ gibt mit durchschimmernder Struktur, die auch beim Malen hilft, wie Trenkler beschreibt.

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