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Zwischen Kälte und Wärme – zum Wetter

12.11.2022 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Neue Kopfkino Salmhofer Kolumne
Neue Kopfkino Salmhofer Kolumne

Teenager: T-Shirts werden so lange angezogen, solange nicht zumindest ein feiner Schneefilm den Boden bedeckt.

Lassen wir uns über das Wetter reden und zwar ernsthaft. Nicht dieses „Heut ist es kalt – morgen soll es schneien“– Geplänkel, sondern Klartext. Auf mein allgemeines Grundverhalten hat das Wetter da draußen nämlich unmittelbaren Einfluss. Einen, der über das klassische „Regenschirm mitnehmen“ hinaus geht. Dabei rede ich noch nicht einmal vom Klimawandel.

Ich meine zum Beispiel die ganz simple Umstellung von Sommersaison auf Winter. Die Jahreszeit nach dem Herbst ist vorzugsweise eine, bei der wir davon ausgehen können, dass sich unser Bekleidungsritual maßgeblich verändert. Im Hause Salmhofer heißt das, wechseln von der Ladung Sommerjacken und dem Haufen Sommerschuhe auf schnee- und minusgradtauglichen Überwurf. Und hier beginnt schon meine Überforderung.

Die Wintersachen sind in einem Kasten am Dachboden, die Sommersachen noch in der Wohnungsgarderobe. Jetzt ist es aber so, dass das Wetter sich seit längerem nicht entscheiden kann, ob es nun in die Kaltfront übergeht oder sich nicht doch noch ein wenig im warm-herbstlichen Sonnenbereich aufhält. Ergo: Minimum die Hälfte der Wintersachen hängt, liegt und steht schon in der Garderobe und die Sommersachen freuen sich noch auf einen weiteren Einsatz. Das hat zur Folge, dass mein Flur aussieht wie das Innere einer Altkleidersammelbox, in der sämtliche spendierte Säcke aufgeplatzt sind. Jeder Besuch wird erstmals förmlich gebeten, einen großen Schritt hinweg über Teenie-Sneakers und Moonboots zu machen.

Aber das ist noch nicht das einzige! Mein Körper meint noch dazu: „Madame, es ist November, somit habe ich jetzt erstens mehr Hunger, weil laut meiner Erfahrung eine Eiszeit durchwegs ein realistisches Vorkommnis ist und zweites ist mir einfach kalt, obwohl die Innenraumtemperatur sich von jener im Sommer höchstens um 0,2 Grad unterscheidet!“ Somit sitze ich, zusätzlich bekleidet mit langer Unterhose, Wollsocken und Haube in meiner Wohnung und verstehe mich nicht. Ich streite mit mir selbst und verweigere zu heizen. Sicher nicht! Meinen Teens hingegen ist das alles total egal. T-Shirts werden so lange angezogen, solange nicht zumindest ein feiner Schneefilm den Boden bedeckt, eine Daunenjacke wird sowieso nur, weil Frau Mutter meint es sei jetzt November und es müsse somit kalt sein, getragen. Den Kids ist das Wetter somit relativ egal. Ich hingegen wäre eine freudige Kandidatin für eine Marsbesiedelung. Dort gibt’s unter den Glaskuppeln nur bedingt Wetter. Ich twittere mal an Elon.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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