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Wo in Vorarlberg eine Privatklinik entstehen soll

14.11.2022 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Medical Center Rheintal in Lustenau soll in 1,5 Jahren eine ambulante Vollversorgung bieten. Der nächste Schritt ist eine Privatklinik.
Das Medical Center Rheintal in Lustenau soll in 1,5 Jahren eine ambulante Vollversorgung bieten. Der nächste Schritt ist eine Privatklinik.

Medical Center Rheintal will ambulante Vollversorgung auf Wahlarzt-Basis anbieten.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Vorarlberg keine Privatkliniken mit einem breiteren medizinischen Angebot. Am ehesten könnte die Bezeichnung eingeschränkt noch für das Sanatorium Dr. Schenk in Schruns oder das Unfallsanatorium Dr. Rhomberg in Lech gelten. Der Klinik-Markt wird von der landeseigenen Krankenhaus-Betriebsgesellschaft KHBG mit den fünf Landeskrankenhäusern sowie dem Krankenhaus der Stadt Dornbirn dominiert. Jetzt allerdings kommt die in Vorarlberg bislang von der öffentlichen Hand geprägte Klinik-Branche auch hierzulande langsam etwas in Bewegung. Das geht jedoch nur Schritt für Schritt. Kürzlich wurde in Lustenau das Medical Center Rheintal (MCR) eröffnet. Es handelt sich dabei um eine Kooperation zwischen dem niedergelassenen Allgemeinmediziner Wilhelm Gruber und der Uniqa Versicherung. Betrieben wird das MCR von der Dr. Gruber Service GmbH, an der Wilhelm Gruber derzeit noch 100 Prozent der Anteile hält. Das MCR verfügt über eine vollwertige Röntgenanlage und ein hauseigenes Labor. Dazu kommt eine Kältekammer.

Der Allgemeinmediziner Wilhelm Gruber betreibt das Medical Center Rheintal in Kooperation mit der Uniqua.
Der Allgemeinmediziner Wilhelm Gruber betreibt das Medical Center Rheintal in Kooperation mit der Uniqua.

Fachärzte-Zentrum

Unter dem Dach des Medical Center Rheintal arbeiten 13 selbstständige Wahlärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin und Kardiologie, Urologie, Chirurgie und Enddarmerkrankungen, Orthopädie und Traumatologie, Anästhesie und Intensivmedizin, Radiologie, Neurologie sowie klinische Psychologie. Die Ärzte sind an unterschiedlichen Wochentagen zu bestimmten Zeiten im MCR tätig und leisten für die genutzte Infrastruktur und das Personal einen finanziellen Beitrag an die Service-Gesellschaft. Die Konstruktion des MCR als inhabergeführtes Facharzt-Zentrum sei eine entscheidende Voraussetzung für dessen Erfolg, so Gruber. Wie er zur Entstehungsgeschichte des MCR erklärte, habe man vor drei Jahren die Idee einer Akutversorgung zu Tages- und Wochenrandzeiten gehabt.

Seither gibt es für Uniqa-Privatversicherte, die einen kostenpflichtigen Zusatzbaustein in ihrer Krankenversicherung haben, an Wochentagen von 18 bis 22 Uhr und an Wochenenden sowie an Feiertagen von 10 bis 20 Uhr eine Erstversorgung im Akutfall. Für die Behandlung stehen sechs Ärzte vor Ort zur Verfügung, die sich im Rahmen eines Dienstplanes abwechseln. Im Schnitt behandle man in der Akut-Versorgung vier Notfälle pro Tag, so Gruber.

Grundsätzlich für alle offen

Aus den Erfahrungen mit der Akut-Versorgung habe man jetzt das MCR ins Leben gerufen. Das stehe grundsätzlich allen Patienten offen, also auch ÖGK-Versicherten, sagt Gruber. „Der Bedarf an ambulanter Versorgung steigt auch in Vorarlberg immer stärker. Und die vorhandenen Systeme sind mehr oder weniger am Anschlag.“ Allerdings wolle das MCR auf natürliche Weise entsprechend der Nachfrage wachsen und keine Konkurrenz zu den niedergelassenen Hausärzten werden.

Das Medical Center Rheintal verfügt über eine vollwertige Röntgenanlage.<span class="copyright"> Shourot</span>
Das Medical Center Rheintal verfügt über eine vollwertige Röntgenanlage. Shourot

So sei es das Ziel, bis in eineinhalb Jahren eine permanente ambulante Vollversorgung anbieten zu können. Dazu würden vor allem noch die Fächer Augen, Gynäkologie und Psychiatrie fehlen. Platz dafür biete das MCR und zwei nutzbare Ordinationsräume in unmittelbarer Nachbarschaft genug. „Für alle angebotenen Fächer würde dann jeden Tag ein Wahlarzt in Lustenau anwesend sein“, erklärt Gruber. Mit anderen Fachbereichen wie Kinderärzten oder Zahnärzten seien Kooperationen angedacht. Die gibt es unter anderem schon mit den Betreibern von MRT- und CT-Anlagen.

Der Bedarf an ambulanter Versorgung steigt auch in Vorarlberg immer stärker.

Wilhelm Gruber, Allgemeinmediziner

Die ambulante Vollversorgung in eineinhalb Jahren könnte die Ausgangsbasis für den Schritt hin zu einem stationären Angebot werden, also für medizinische Behandlungen mit Übernachtungserfordernis (etwa Operationen). „Es ist langfristig unser Ziel, in Vorarlberg eine Privatklinik mit einem breiten Angebot zu gründen“, so Gruber. Sie würde dann allen Patienten auf Wahlarzt-Basis zur Verfügung stehen. Für die Umsetzung des Projektes benötige man allerdings einen Erweiterungsbau in Lustenau oder einen Neubau an einem anderen Ort.

Günther Bitschnau / wpa

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