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Dornbirn: Das sagen die Anrainer zu den Zelten

15.11.2022 • 20:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im ersten Moment leicht zu übersehen: Die Zelte.<span class="copyright">Hartinger</span>
Im ersten Moment leicht zu übersehen: Die Zelte.Hartinger

In Dornbirn werden Zelte gelagert. Diese sollen nicht zum Einsatz kommen. Sie sorgen trotzdem für Kritik.

Erst sorgten schon im Oktober Zelte in Feldkirch für Aufregung. Diese wurden dort zwar aufgestellt, aber bisher nicht als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Einen Monat später stoßen Zelte an einem neuen Standort auf Kritik. Mehrere Zelte der Flüchtlingsbetreuungsagentur BBU werden in der Wiese hinter dem Bezirksgericht Dornbirn von der ehemaligen Außenstelle der Justizanstalt unter einer Plane gelagert.

Hinsichtlich der nach Dornbirn gelieferten Zelte äußert sich Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) am Dienstag, dass er wenig von Zelten als Unterbringung für Flüchtlinge halte.

Markus Wallner hält von Zelten für Flüchtlinge als Unterkunft nichts.<span class="copyright">Hartinger</span>
Markus Wallner hält von Zelten für Flüchtlinge als Unterkunft nichts.Hartinger

Kritik an Zentrumsnähe. Auch die Dornbirner Anrainer äußern Kritik, wie eine Rundfrage der NEUE ergab. Laut Sicherheitslandesrat Christian Gantner (ÖVP) sollen die Zelte nicht aufgestellt werden. Nachbarn äußern jedoch Sorgen, dass dort womöglich doch in Zukunft Flüchtlinge einquartiert werden.

Helga Winkler kritisiert, dass Zelte im Winter zu kalt seien.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Helga Winkler kritisiert, dass Zelte im Winter zu kalt seien. Hartinger

Helga Winkler, deren Sohn gleich neben der Wiese in einem Wohnblock wohnt, bezeichnet die Zelte etwa als „furchtbar“. Dabei kritisiert die 69-Jährige vor allem die Zentrumsnähe und auch Zelte selbst als Unterbringung. „Wenn es kalt im Winter ist, sind Zelte keine Lösung“, so die 69-Jährige. „Dann werden die untergebrachten Menschen krank und wir müssen das auch noch zahlen.“ Sie schlägt die Messehallen als Lösung vor und spricht die ehemaligen dann doch nicht benötigten Kojen für Covidpatienten dort an.

Petra Kaufmann macht sich Sorgen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Petra Kaufmann macht sich Sorgen. Hartinger

Im gleichen Haus wie Winklers Sohn wohnt auch Petra Kaufmann. Die 49-Jährige schließt sich Winklers Meinung an: „Ich finde Zelte mitten in der Stadt nicht in Ordnung.“ Sie äußert vor allem Sorgen um ihre zwei Kinder, weil in Flüchtlingsunterkünfte meist junge Männer leben würden. Sie wolle den Flüchtlingen nichts Böses unterstellen, ergänzt sie. Doch sie wisse nicht, welche Menschen dort einziehen würden.

Brennpunkt Bahnhof

Mit Sicherheitssorgen ist sie nicht alleine. Nachbarin Kathrin Zeidler-Albert dazu: „Ich persönlich fühle mich unsicher. Ich gehe jeden Morgen im Dunkeln eine Runde Joggen und müsste dann an Zeltwänden vorbeilaufen.“ Die Sorge um ihre Sicherheit begründet die 56-Jährige damit, dass sie im Osten in Sachsen aufgewachsen sei und ihren Erfahrungen mit Russen aus dieser Zeit.

Peter Österle schlägt die Justizanstalt als Lösung vor. <span class="copyright">Hartinger</span>
Peter Österle schlägt die Justizanstalt als Lösung vor. Hartinger

Ihr Nachbar Peter Österle bezeichnet die Zelte als „Katastrophe“. „Sowas darf nicht vorkommen, dass mitten in der Stadt Zelte aufgestellt werden“, kritisiert er. Er sieht in der leeren Justizanstalt Potenzial für die Unterbringung. Beim Standort würde sich dann jedoch nicht viel ändern. Die Wiese grenzt direkt an das Gebäude an. Doch dann könnte um 20 Uhr Sperrstunde sein, entgegnet er: „Dann ist am Abend der Bahnhof leer und die Frauen können wieder ohne Angst auf den Zug gehen.“

Den Dornbirner Bahnhof sieht auch Walter W., der nicht mit vollem Namen genannt werden will, als Problemspot. Solche Orte wie der Bahnhof, wo sich vermehrt Flüchtlinge aufhalten würden, würde der 27-Jährige generell meiden. Er erzählt von schlechten Erfahrungen dort. Deswegen ist die Reaktion des Anrainers auf die gelagerten Zelte keine erfreute: „Ich brauche keine Flüchtlinge in der Nachbarschaft.“

Die Zelte sollen nur gelagert werden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Zelte sollen nur gelagert werden. Hartinger

Unterkunftssuche

Nach derzeitigem Stand sollen diese auch nicht seine Nachbarn werden – zumindest nicht in Zelten. Doch das Land Vorarlberg ist noch auf der Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge und möchte bis Weihnachten 300 zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen. Diese Unterkünfte sollen im ganzen Land verteilt werden, so Wallner. Zudem werde laut ihm weiter an „Container-Lösungen“ gearbeitet. Auch Hallen sollen umfunktioniert werden. Es wurden in den vergangenen Wochen zwar über 200 Plätze geschaffen, die mit dem Bund vereinbarte Quote wird aber nicht erfüllt.

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