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Medien: Raketen in Polen eingeschlagen

15.11.2022 • 23:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<em>Jacek Siewiera (l.), Chef des polnischen Nationalen Sicherheitsbüros und Regierungssprecher Piotr Müller bei einem Statement nach dem Krisentreffen</em> <em><span class="copyright">JANEK</span> <span class="copyright">SKARZYNSKI</span></em>
Jacek Siewiera (l.), Chef des polnischen Nationalen Sicherheitsbüros und Regierungssprecher Piotr Müller bei einem Statement nach dem Krisentreffen JANEK SKARZYNSKI

Laut unbestätigten Medienberichten sollen in einem kleinen polnischen Dorf zwei russische Raketen eingeschlagen sein.

Nach einer Explosion mit zwei Toten in Polen haben Medien von einem Einschlag russischer Raketen in dem NATO-Mitgliedsland berichtet. Die polnische Feuerwehr bestätigte am Dienstag zunächst allerdings nur zwei Tote bei einer Explosion in Przewodow nahe der ukrainischen Grenze. “Es ist unklar, was geschehen ist”, sagte der diensthabende Beamte. Der polnische Hörfunk-Sender ZET berichtete von zwei verirrten russischen Raketen. Russland wies die Berichte zurück.

Die Nachrichtenagentur AP meldete unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise ebenfalls, bei dem Einschlag russischer Geschosse seien zwei Menschen getötet worden. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von Raketen aus Russland. Die USA erklärten, man könne das nicht bestätigen.

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Kreml dementiert Attacken

Das russische Militär wies Berichte über den Absturz angeblich russischer Raketen auf ein polnisches Dorf nahe der Grenze zur Ukraine als “gezielte Provokation” zurück. Es seien keine Ziele im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet beschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Dienstagabend mit. Auch die in polnischen Medien verbreiteten Fotos angeblicher Trümmerteile hätten nichts mit russischen Waffensystemen zu tun, hieß es.

Sondersitzung des Nationalen Sicherheitsrates

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki berief den Sicherheitsrat zu einer außerordentlichen Sitzung ein, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete. Regierungssprecher Piotr Müller warnte allerdings davor, ungeprüfte Informationen zu verbreiten. Alle Informationen aus dem Ausschuss für Sicherheit und Verteidigung der polnischen Regierung sollten später auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, kündigte er laut PAP an.

Betroffenheit

Die Europäische Union steht nach den Worten von EU-Ratspräsident Charles Michel an der Seite Polens. Er stehe zudem mit den polnischen Behörden, Mitgliedern des Rates und anderen Verbündeten in Kontakt, schrieb Michel auf Twitter.

Litauen, Lettland, Estland, Norwegen, Belgien und Tschechien erklärten in ersten Reaktionen, sie bemühten sich um weitere Informationen. “Russlands Leichtsinnigkeit gerät außer Kontrolle”, schrieb der slowakische Verteidigungsminister Jaroslav Nad auf Twitter.

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock zeigte sich betroffen. “Wir beobachten die Situation genau und stehen in Kontakt mit unseren polnischen Freunden und NATO-Verbündeten”, schrieb sie am Dienstagabend auf Twitter. Die NATO hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie Berichte über die tödliche Explosion prüfen werde.

Auch das Pentagon erklärte, Berichte über den Raketeneinschlag prüfen zu wollen. Die Presseberichte seien dem Pentagon bekannt, sagte ein Sprecher in Washington. Zum jetzigen Zeitpunkt habe das Ministerium aber keine Informationen, die diese Berichte bestätigen könnten. “Wenn wir ein Update zur Verfügung stellen können, werden wir dies tun.”

Selenskyj: NATO gefordert

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meinte in einer ersten Stellungnahme, dass er immer davor gewarnt habe, dass sich russische Aktionen nicht nur auf sein Land beschränken würden. Zudem versicherte er Warschau seine Solidarität zu und legte sich sodann fest, dass es russische Raketen gewesen seien, die polnisches Territorium getroffen hätten. Jetzt sei eine Reaktion der NATO gefordert, verlangte Selenskyj.

Selenskyj hat den Einschlag mutmaßlich russischer Geschosse in Polen als “sehr bedeutende Eskalation” bezeichnet. Der Zwischenfall liefere den Beweis, dass der (russische) “Terror nicht durch unsere Staatsgrenzen begrenzt ist”, sagte er in seiner täglichen Videoansprache am Dienstagabend. “Wir müssen den Terroristen auf seinen Platz verweisen”, sagte er. Je länger sich Russland straffrei fühle, umso mehr Bedrohungen werde es für jeden geben, der sich in Reichweite russischer Raketen befinde.

Der private polnische Radiosender Zet hatte berichtet, zwei verirrte Raketen seien in Przewodow nahe der Grenze eingeschlagen. Die russische Armee hatte am Dienstag nach Kiewer Angaben die Ukraine mit über 90 Raketen und Marschflugkörpern beschossen. Auch die westukrainische Stadt Lwiw war nach Behördenangaben am Dienstag Ziel russischer Angriffe gewesen. Bürgermeister Andrij Sadowij sprach von Schäden am Energiesystem.

Russische Raketenangriffe am Dienstag

Russland hatte am Dienstag Dutzende Ziele in der Ukraine mit Raketen angegriffen. Die ukrainische Luftwaffe berichtete von 100 Geschossen.

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