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Auf der Spur der modernen Skulptur

16.11.2022 • 22:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Künstler Fritz Panzer vor seinem Werk „Volkswagen“. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Künstler Fritz Panzer vor seinem Werk „Volkswagen“. Klaus Hartinger

Morgen um 19 Uhr eröffnet die neue Ausstellung „Hier und Jetzt. Wien Skulptur 2022“ im Kunstraum Dornbirn.

Feingliedrige Drähte formen den VW Golf 1 in Originalgröße. Im hinteren Teil des schwebenden Wagens verschwinden die Umrandungen im Nichts. Daneben steht eine Schachtel aus ultrahochfestem Beton.

An der Wand lehnen zwei gefüllte Jutesäcke und werden mit abgebrochenen Dosenverschlüssen und gegossenen Hockern in Szene gesetzt. In der anderen Ecke ragen vor den hohen Fenstern des Kunstraums fantasievolle Wolkenkratzer aus antiquarischem „Playmobil“ in die Höhe.

Moderne Skulpturen

In der Gruppenausstellung „Hier und Jetzt. Wien Skulptur 2022“ hat der Direktor des Kunstraums Thomas Häusle die Montagehalle mit zeitgenössischen Skulpturen gefüllt und dabei versucht, der künstlerischen Disziplin der Bildhauerei auf die Spur zu kommen.

Die Skulpturen lassen eine „Vielfalt an Interpretationen“ zu und beinhalten unterschiedliche Aussagen und Motivationen, beschreibt Thomas Häusle im Pressegespräch. Trotzdem weisen die Werke auch sehr viele Ähnlichkeiten auf: Sie regen zum Nachdenken an, schaffen Raum für Reflexionen und sind oft Ausdruck des Absurden, ein künstlerischer Witz. Gebräuchliche Gegenstände und Materialien werden zweckentfremdet und dysfunktional gemacht. Übrig bleiben fast schon wertlose Materialien, die das, was sie können sollen, nun nicht mehr können.

Direktor Thomas Häusle im Kunstraum Dornbirn. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Direktor Thomas Häusle im Kunstraum Dornbirn. Klaus Hartinger

Rudolf Polanszky präsentiert Arbeiten aus alten Industriestoffen wie Acrylglas, Harz oder Silikon, die er auf einem Tisch als Sockel präsentiert. Peter Sandbichlers handelsübliche mit Beton überzogene Schachtel kann weder zum Transport noch zur Aufbewahrung verwendet werden. „Jetzt ist sie nur noch schwer und für die Ewigkeit gemacht“, sagt Häusle. Toni Schmale hat Blechplatten an die Wand gelehnt, aus denen Rohre hinausragen, die das Material am Boden abstützen und Kerstin von Gabains „Stove“, ein Ofen aus Karton, kann nur ein einziges Mal angezündet werden. „Es kann nichts mehr anderes als Kunst sein“, erklärt Häusle den Charakter dieser ins „ad absurdum“ geführten Werke. Durch die Transformation in Kunstwerke gewinnen die Objekte ihren Wert.

Peter Sandbichlers „Alte Schachtel #08/2020“ <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Peter Sandbichlers „Alte Schachtel #08/2020“ Klaus Hartinger

Zeichnungen in 3D

Ästhetisch interessant sind die in den dreidimensionalen Raum übertragenen Zeichnungen von Constantin Luser und Fritz Panzer. Aus Messingdraht hat Luser ein im Raum hängendes Gebilde erschaffen, in dem die Drähte parallel in Schichten angeordnet sind und Kurven und Biegungen in die Luft malen. Es soll „Ideen von einem Klang“ 3D abbilden, so Häusle. Panzers erfasst dagegen alltägliche Gegenstände in Zeichnungen, deren Umrandungen durch fragil wirkende Drähte als dreidimensionale Skulpturen verwirklicht werden.
Die Künstlerin Sascha Auerbakh spielt mit den Klischees der Aktmalerei und thematisiert die patriarchale Dominanz des nackten männlichen Körpers. In „Sebastian S.2“ hat sie zwei große weiße Kugeln mit männlichen Akten bebildert und an einer schwarzen Kette aufgehängt, die durch Herz-Schlösser romantisiert wird.

"Sebastian S. 2" von Sasha Auerbakh <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
"Sebastian S. 2" von Sasha Auerbakh Klaus Hartinger

Die Ausstellung wurde vom Verein Skulptur Wien entwickelt und war von Juni bis Oktober im Neuen Kunstverein Wien zu sehen. Dreizehn Arbeiten hat Häusle ausgewählt und in Zusammenarbeit mit Herwig Kempinger und Kasia Matt-Uszynska für den Kunstraum adaptiert. Mit den Werken von den internationalen, in Wien lebenden Künstlern möchte Häusle die Qualität zeitgenössischer Bildhauer repräsentierten.
Bis 12. Februar 2023 im Kunstraum Dornbirn.

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