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Verdis „Ernani“ als Hausoper für 2023

17.11.2022 • 20:42 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Programmpräsentation auf der Werkstattbühne <span class="copyright">Klaus hartinger (3)</span>
Die Programmpräsentation auf der Werkstattbühne Klaus hartinger (3)

Im Ausblick auf den 77. Bregenzer Festspielsommer hat Intendantin Elisabeth Sobotka gestern in der Werkstattbühne das Programm für 2023 präsentiert.

Trotz des schwierigen Starts mit der Regenpremiere, sei der letzte Festspielsommer ein unglaublicher Erfolg gewesen, zeigt sich der kaufmännische Direktor Michael Diem angesichts der vorliegenden Zahlen zufrieden. „Madame Butterfly“ habe auch „wirtschaftlich geliefert“, und die Besitzer der 20.000 Karten, die durch die vier Regenabsagen zurückbezahlt wurden, „werden natürlich nächsten Sommer wiederkommen“.

Kontrastreiches Programm

Auch der Festspielpräsident Hans-Peter Metzler ist mit der ablaufenden Saison glücklich: „Es geht uns sehr, sehr gut.“ Die Intendantin Elisabeth Sobotka habe bei der Programmierung „offensichtlich sehr vieles sehr richtig gemacht“. Die insgesamt 80 Veranstaltungen der kommenden Saison versprechen ein breites und kontrastreiches Programm für 215.000 Besucher.

Der kaufmännische Leiter Michael Diem freut sich über gute Zahlen.
Der kaufmännische Leiter Michael Diem freut sich über gute Zahlen.

Änderungen

Bis dahin werden Andreas Homoki und Sobotka in Regiegesprächen mögliche Änderungen besprechen. Auch wenn Homoki in der Pressekonferenz bereits einige Ideen dazu anreißt, wird es bei der Wiederaufnahme von „Madame Butterfly“ keine großen Änderungen geben, sagt Sobotka. Dennoch möchte Homoki Erfahrungen, wie die der Sonne geschuldeten unterschiedlichen Lichtverhältnisse zu Beginn und zum Ende der Serie in seine Inszenierung einarbeiten und die Anfangsstimmung anpassen. Die Möglichkeit der direkten Empathie mit einer Figur sei durch die Distanz zwar „wahnsinnig erschwert“, erklärt Homoki, durch die Verwendung der teuersten, besten und neuesten Laserbeamer sei dies aber trotzdem gelungen. Zudem hätten LED-Seitenlichter das Problem der Bühnenausleuchtung gelöst. „Wir sind immer ganz vorne dran bei den Entwicklungen“, sagt Sobotka und erklärt diesen Sonderstatus mit der Überzeugungskraft von Franck Evin (Licht „Madame Butterfly“) und der Neugierde der Licht-, Ton- und Bühnentechniker.

Im derzeitigen Umbau der Tribüne wird jeder Sitzplatz neu geplant. Diem verspricht dadurch bessere Sichtlinien und mehr Barrierefreiheit und Beinfreiheit. Statt elf können nun maximal 38 Rollstuhlplätze angeboten werden. Auch das Sicherheitskonzept wurde überarbeitet. Dadurch habe man leider 200 Plätze verloren. Zurzeit sind mehr als ein Drittel der 26 Abende auf dem See gebucht.

(von links: Axel Renner, Andreas Homoki und Elisabeth Sobotka)
(von links: Axel Renner, Andreas Homoki und Elisabeth Sobotka)

Abstruser Ehrbegriff

Am 19. Juli 2023 startet die Festspielsaison mit der Premiere der Hausoper „Ernani“ von Guiseppe Verdi in der Inszenierung von Lotte de Beer. Die musikalische Leitung hat Festspiel-Residenzdirigent Enrique Mazzola. Ernani habe noch eine absurdere Handlung als Verdis „Il trovatore“ und sei ein Stück, das Sobotka durch die „melodische Kraft“ der einprägsamen Szenen schon länger verfolgt habe. Das packende Drama um Liebe und Rache mit dem „Irrsinn eines vollkommen verdrehten Ehrbegriffs“ beruht auf einem Theaterstück des französischen Autors Victor Hugo.

Trotz der vielen Möglichkeiten der drei männlichen Hauptfiguren, aus dem Irrsinn auszusteigen, machen sie sich „die Hölle auf Erden selbst“ und bringen sich in eine Situation, in der sie nur Leid, Unglück und Hass herbeiführen, beschreibt Sobotka die Radikalität des Stücks. Die belebte Musik habe unglaublich schöne Melodien und große Chorszenen, sagt Sobotka und vergleicht sie mit einem Zug, der auf den Abgrund zufährt. Trotz der abstrusen Handlung sieht sie im Stück auch eine „Allegorie auf die Welt“, die ihre Zwänge selbst schafft.

Kontrastreich

Zwei sehr unterschiedliche Produktionen werden auf der Werkstattbühne stattfinden. Der Intendantin war es wichtig, „die ganze Möglichkeit von Musiktheater zu zeigen“. Zwischen den Opern am See, im Haus und auch im Opernstudio, wo „ganz starre Vorstellungen der Welt die Menschen bewegen“, gibt es am 27. Juli die österreichische Erstaufführung der Produktion „The faggots and their friends between revolutions“.

Das Stück geht zurück auf ein Buch, das in den 70er-Jahren in Amerika in der ersten großen Freiheitsbewegung der Queer-Bewegung geschrieben wurde. In dieser sehr skurrilen, witzigen Novelle wird die Utopie einer matriarchalen Welt geschildert, in der am Anfang alles gut war und alle Geschlechter und sexuellen Orientierungen sich zurechtfinden. „Heute würde man wahrscheinlich „genderfluid“ dazu sagen, sagt Sobotka. Doch nach der ersten Revolution der Männer wurde alles eng und schwierig, und mit der nächsten Revolution kehrt die Hoffnung auf Freiheit zurück. Realisiert wird das Stück von Regisseur Ted Huffman und dem Komponisten Philip Venables.

Die andere Uraufführung (am 17. August) ist eine brutalere „Butterfly“-Geschichte, wie Sobotka sagt. In „Judith von Shimoda“ wird die Geisha für das Wohlergehen der Gesellschaft geopfert. Die „relativ klassische Literaturvertonung“ beruht auf Bertold Brecht und wird von Fabián Panisello inszeniert. Die beiden Stücke wurden in Kooperation mit der Neuen Oper Wien und der Factory International für das Manchester International Festival produziert.

Rollen für junge Sänger

Mit der Opernstudioproduktion am Kornmarkt „Werther“ (Premiere am 14. August) wollte man eine Oper für das Studio auswählen, „wo die jungen Sänger eine Rolle, die für ihre Karriere bestimmend sein wird, hier unter idealen Bedingungen lernen können“, beschreibt Sobotka die Auswahl. Der französische Komponist Jules Massenet hat über 100 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Goethes Briefroman den Protagonisten eine hörbare Stimme verliehen und die unglückliche Liebe musikalisch nachgezeichnet.

Mit starker ästhetischer Setzung präsentiert das Deutsche Theater Berlin Kleists Drama von 1811 im Bregenzer Kornmarkttheater. Am 21. Juli ist Premiere von „Der zerbrochene Krug“ in der Inszenierung von Anne Lenk.
Bei den Orchesterkonzerten werden Werke von berühmten sowie auch weniger bekannten Komponisten zur Aufführung gebracht. Mit der Kinderoper „Die Zauberflöte“ wird es insgesamt sechs Musiktheaterproduktionen geben. Vier Produktionen werden bereits vor der Eröffnung präsentiert: Im Jänner kann im Opernatelier der Bregenzer Festspiele und des Kunsthauses Bregenz die Entstehung einer neuen Oper begleitet werden. Im März ist die Meisterklasse mit Brigitte Fasssbaender. Zu Ostern gastiert das Burgtheater mit Raimunds „Die gefesselte Phantasie“, und im Mai laden die Jungen Festspiele zur Zauberflöte für Kinder.

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