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Freie Fahrt über die Rheinbrücke

18.11.2022 • 22:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Roland Paulitsch

Der erste Fahrstreifen der neuen Rheinbrücke wurde gestern für den Verkehr freigegeben. Nächste Woche folgt die andere Richtung.

Der Weg zur gestrigen Pressekonferenz bei der Rheinbrücke zwischen Fußach und Hard führte noch über die alte Brücke. Zurück in die Redaktion konnte schon die neue Brücke befahren werden. Diese wurde gestern nämlich eröffnet.

Martin Staudinger war bei den ersten Die anwesenden Politiker weihten die Brücke mit Fahrzeugen ein. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Martin Staudinger war bei den ersten Die anwesenden Politiker weihten die Brücke mit Fahrzeugen ein. Roland Paulitsch

Allerdings ist erst der Fahrstreifen von Fußach Richtung Hard befahrbar, die andere Richtung wird dann kommende Woche wahrscheinlich am Mittwoch oder Donnerstag für den Verkehr freigegeben, hieß es. Bis dahin wird in die andere Richtung noch die alte Brücke benutzt.

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Gestern erfolgte zwar ein großer Schritt im Projekt, doch es ist nicht der letzte. „Wie Sie sehen, befinden wir uns derzeit noch auf einer Baustelle“, stellte der technische Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, Peter Jungbauer, gestern fest. Anfang Dezember folgt dann, dass die alte Brücke abgetragen wird. Das wird bis Ende Mai 2023 dauern, wenn alles nach Plan läuft. Danach müssen noch weitere Arbeiten erfolgen, wie etwa, dass eine Stützmauer errichtet oder das Rheinbähnle verlegt wird. Voraussichtlich sollen die Arbeiten zwischen September und Oktober 2023 fertig sein, so Jungbauer. „Wir haben noch einiges vor uns“, sagte er. Verkehrslandesrat Marco Tittler kündigte eine Eröffnung der Brücke mit der Bevölkerung im Laufe des kommenden Jahres an.

70 Millionen Euro Gesamtkosten

Nachdem am Freitag das Band durchtrennt worden war, wurde die Brücke anschließend mit einer Fahrt eingeweiht. Unter den ersten, die über die Brücke fuhren, war auch der Harder Bürgermeister. Dieses Erlebnis beschreibt Martin Staudinger als „sehr bewegend“. „Ich wusste zwar, dass sie hält, aber es war ein aufgregendes Gefühl, darüber zu fahren“, so Staudinger. Inzwischen sind ihm einige gefolgt.

Der erste Fahrstreifen wurde gestern eröffnet. Der zweite folgt kommende Woche. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Der erste Fahrstreifen wurde gestern eröffnet. Der zweite folgt kommende Woche. Roland Paulitsch

Generell wird die Brücke über den Rhein täglich laut Tittler von 15.000 Autos und 4300 Fahrradfahrern und Fußgängern überquert. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurde eine neue Brücke neben der alten errichtet. Eine Instandsetzung der alten Brücke, welche sich in einem schlechten Zustand befindet, wäre nämlich technisch nicht möglich gewesen, so Projektleiter Armin Wachter von der Abteilung Straßenbau des Landes Vorarlberg.

„Es ist eines der größten Brückenprojekte der vergangenen 40 Jahren“, hebt Wachter hervor. Die Planung begann schon im Jahr 2008. Die Gesamtkosten belaufen sich aktuell auf 70 Millionen Euro. Darin sind auch Grundablöse, Bau und weiteres enthalten. Tittler meint dazu: „Wir bleiben im Budget.“ Die Kosten sind schlussendlich laut Wachter am oberen Ende der vorher festgelegten Bandbreite angelangt. Als Gründe für gestiegene Kosten nennt er Corona, den Ukrainekrieg, die Teuerung und hohe Stahlbaupreise.

Hochwasser, Krieg und Teuerung

Schon gleich zu Beginn musste das Projekt mit Rückschlägen kämpfen. Nur wenige Wochen nach Baubeginn im Juli 2020 überraschte ein Hochwasser. „Das ganze Rheinvorland stand unter Wasser. Das hat uns etwas zurückgeworfen“, so Wachter. Das Hochwasserrisiko begleitete die ganze Bauphase. So wurden Arbeiten, die normalerweise im Sommer durchgeführt werden, in die Wintermonate verlegt, wegen des ständigen Hochwasserrisikos während des Sommers, erklärt Jungbauer. Auch den generell schwierigen Baugrund erwähnt er als besondere Herausforderung.

Bei der Pressekonferenz. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Bei der Pressekonferenz. Roland Paulitsch

Sicherheit, Schutz und Busspur.

Doch genau vor solchen Hochwassern soll die Brücke in Zukunft Autofahrer und Radfahrer schützen. Neben verkehrstechnischen Anforderungen soll die Brücke auch die des Hochwasserschutzes erfüllen, so Wachter. Die Brücke ist nämlich in Abstimmung mit dem „Rhesi“-Projekt nun 2,50 Meter höher und hat nur noch drei Pfeiler im Fluss. So sollte die Brücke einem 300-jährigen Hochwasser standhalten, sagt Tittler.

Tittler bezeichnet die Brücke wegen ihrer Sichtbarkeit als „schönes einzigartiges Bauwerk“. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Tittler bezeichnet die Brücke wegen ihrer Sichtbarkeit als „schönes einzigartiges Bauwerk“. Roland Paulitsch

In Sachen Sicherheit werden auch Radfahrer berücksichtigt. Mit einem drei und fünf Meter breiten Geh- und Radweg soll den bisherigen gefährlichen Situationen ein Ende bereiten werden. Fahrgäste von Bussen sollen von einem Busstreifen profitieren.

Durch eine breitere Brücke mit drei statt wie vorher zwei Fahrstreifen erhofft sich Wachter, dass sie schneller an ihr Ziel kommen. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass es Erleichterungen bei Staus für Pkws und Lkws mit sich bringe. Denn der Verkehr bleibt.

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