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Am Puls der künftigen Ärztegeneration

21.11.2022 • 19:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die jüngere Generation der Ärzteschaft will geregelte Arbeitszeiten und planbare Freizeit. <span class="copyright">(C) Shutterstock</span>
Die jüngere Generation der Ärzteschaft will geregelte Arbeitszeiten und planbare Freizeit. (C) Shutterstock

Ärztekammer, ÖGK und Land lassen in Studie Ärztebedarf erheben.

Ärztemangel ist in den vergangenen Jahren zu einem geflügelten Wort geworden. Beinahe ansatzlos löste es den Begriff Ärzteschwemme ab. Das Thema ist aufgeladen, denn die mit dem Gesundheitssystem befasste Gruppen – Politik, Ärzte, Krankenkassen – schieben sich in der Diskussion um die immer angespanntere Ärztesituation den Schwarzen Peter gegenseitig zu.

Brunner (l.), Landesrätin Martina Rüscher und Ärztekammerpräsident Burkhard Walla. <span class="copyright">Ärztekammer</span>
Brunner (l.), Landesrätin Martina Rüscher und Ärztekammerpräsident Burkhard Walla. Ärztekammer

In Vorarlberg will man nun einen anderen Weg gehen und gemeinsam nach einem Rezept suchen. In einem ersten Schritt soll der künftige Bedarf an Medizinern im Land erhoben werden. Ziel der Studie ist nicht die Darstellung der Faktenlage allein, sondern auch eine Analyse darüber warum sich Jungärzte für eine bestimmte Fachrichtung und Arbeitsstelle entscheiden. „Wir wollen nicht wie bisher nur die Köpfe zählen, sondern auch die Motive für Entscheidungen erforschen“, erklärt Ärztekammerpräsident Burkhart Walla. Dazu sollen möglichst viele Ärzte in Ausbildung in den heimischen Spitälern befragt werden. „Im Detail wird nach der regionalen Herkunft gefragt, nach dem gewünschten Fach, aber auch nach persönlichen Zukunftsplänen wie Vorstellungen zum Gehalt, zur Lebenssituation wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie und in welchem Bundesland man leben und arbeiten will.“

„Der persönliche und individuelle Zugang zu den Ärztinnen und Ärzten gibt uns wichtige Aufschlüsse und Handlungsanleitungen, um rasch gegenzusteuern. “

Burkhard Walla, Präsident der Ärztekammer Vorarlberg

Zudem sollen die künftigen Ärzte gefragt werden, warum sie sich für oder gegen die Allgemeinmedizin entscheiden. Auch die Bereitschaft, eine Kassenpraxis zu führen, wird laut Walla abgefragt. Die Ergebnisse, die die Grundlage für einen Aktionsplan 2025 bis 2030 bilden werden, sollen bis April 2023 vorliegen. „Durch die Zusammenarbeit wollen wir zeigen, dass ein Miteinander in der Gesundheitspolitik sowohl für die Patienten als auch für die Ärzteschaft und das gesamte Gesundheitssystem Vorteile bringt“, betont der Ärztekammerpräsident.

GÖG beauftragt

Beauftragt und finanziert wird die Studie von allen drei Partnern zu gleichen Teilen. Die Entscheidung fiel auf Gesundheit Österreich GÖG, deren Studie zum österreichweiten Pflegekräftebedarf unlängst von der AK Vorarlberg als „Schönwetterstudie mit falschen Annahmen“ verrissen wurde. Walla begründete die Wahl des Instituts damit, dass die GÖG bereits im Jahr 2015 im Auftrag des Landes Vorarlberg eine Analyse der ärztlichen Kapazitäten in der Niederlassung und in den Spitälern durchgeführt habe und damit über bestes Zahlenmaterial verfüge.

Walla erwartet sich von der Studie „wichtige Aufschlüsse und Handlungsanleitungen, um rasch gegenzusteuern“. Vor allem im Bereich Allgemeinmedizin erhoffe man sich wertvolle Informationen. „Aufgrund der Studie wissen wir auch, an welchen Rädchen wir zusätzlich drehen müssen, damit Vorarlberg ein attraktiver Standort für Ärzte bleibt“, sagte ÖGK-Vertreter Manfred Brunner.

70 Neubesetzungen

Brunner rechnet ab 2025 mit einer leichten Entspannung der Situation im niedergelassenen Bereich, da der Zenit der Pensionierungswelle dann überschritten sei. In den nächsten fünf Jahren müssten allerdings rund 70 Kassenarztstellen nachbesetzt werden. Die Nachbesetzungen hatten bereits in den vergangenen fünf Jahren für Probleme gesorgt, so gab es etwa in der 35.000-Einwohner-Stadt Feldkirch mehrere Monate lang keinen einzigen Kinderarzt mit Kassenvertrag. Versorgungsprobleme gibt es auch im augenärztlichen und gynäkologischen Bereich. In der Allgemeinmedizin sind laut Brunner derzeit sieben Kassenplanstellen nicht besetzt.

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) stellte klar, dass die künftigen Herausforderungen nicht nur mit mehr Personal gelöst werden können. „Es braucht auch strukturelle Veränderungen und eine klare Patientenlenkung. Kooperationsmodelle zwischen den Systempartnern werden in Zukunft dabei einen noch höheren Stellenwert erhalten.“ Klares Ziel sei, dass Mitarbeitende sowohl in den Spitäler als auch im gesamten niedergelassenen Bereich attraktive Arbeitsplätze vorfinden, die vorhandenen Ressourcen zielgerichtet investiert werden und Patienten „auf eine ausgezeichnete und stabile Versorgung“ vertrauen können.

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