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Isabelle Fausts feurige Klänge

21.11.2022 • 20:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim zweiten Bregenzer Meisterkonzert spielte das Orchestre des Champs Élysées am Freitag Johannes Brahms und Antonín Dvořák unter der Leitung von Philippe Herreweghe.<span class="copyright">Udo Mittelberger</span>
Beim zweiten Bregenzer Meisterkonzert spielte das Orchestre des Champs Élysées am Freitag Johannes Brahms und Antonín Dvořák unter der Leitung von Philippe Herreweghe.Udo Mittelberger

Bregenzer Meisterkonzert mit Orchestre des Champs Élysées.

Kurz sind sie derzeit, die Programme der Meisterkonzerte, es fehlt das dritte Stück eines „klassischen“ Konzertaufbaus, doch durch den Umzug vom großen Saal in die benachbarte, recht nüchterne Werkstattbühne ist weniger Platz für das Publikum und die Konzerte werden zweimal gespielt. Aber mit weniger als 60 Minuten Spieldauer für die Tragische Ouvertüre von Brahms und das Violinkonzert von Dvorák war das Gastspiel des Orchestre des Champs Elysées unter ihrem Gründer und Leiter Philippe Herreweghe schon arg knapp bemessen, selbst die Solistin ließ sich nicht zu einer Zugabe bewegen.

Das Konzert war jedoch mit den dunklen Farben der Ouvertüre und den warmen Klängen des Violinkonzerts in sich sehr stimmig.

Dramatische Originalklänge

Die „Tragische Ouvertüre“ von Brahms, ein Schwesternwerk der „Akademischen Festouvertüre“, wirkt dramatisch, streng, im herben Brahmston wie eine dreiteilige verkürzte Symphonie. Philippe Herreweghe, der belgische Originalklangspezialist, der mit seinem Orchester alle Werke mit dem für sie zeitgemäßen Instrumentarium verwirklicht und die „historisch informierte Aufführungspraxis“ damit ins 19. und frühe 20. Jahrhundert führt, gestaltet sie plastisch in den Figuren und mit einem samtig warmen Grundklang.

Da scheinen die Bläser zu seufzen, baut sich die Dynamik in großen Wellen auf.
Johannes Brahms hat den acht Jahre jüngeren Komponisten Antonín Dvorák immer wieder unterstützt. Auch als der 38-jährige Tscheche sein Violinkonzert komponierte, holte er sich Rat bei Joseph Joachim, dem Freund von Brahms und Schumann: Dvorák widmete ihm das Konzert, doch Joachim zeigte sich erstaunlich zurückhaltend und brachte es auch nicht zur Uraufführung. Immer noch ist das Konzert nicht so oft zu hören, obwohl es doch so reich an slawischen Melodien und tänzerischen Rhythmen ist.

<span class="copyright">Udo Mittelberger</span>
Udo Mittelberger

Solo auf “Dornröschen”

Isabelle Faust, die deutsche Geigerin, die seit einigen Jahren die kostbare Stradivari-Geige „Dornröschen“ wachküssen und mit Klang beleben darf, vereint in ihrem Spiel Feuer und Empfindsamkeit, spielt in enger Verbindung mit dem Dirigenten (dessen minimalistische Zeichengebung nicht einfach zu deuten ist) und mit dem Konzertmeister.

Aus dem kraftvollen Einstieg des Orchesters löst sich ihr Solo heraus, wird von den Holzbläsern getragen, schwingt sich empor und tanzt mit den Bläsern und Streichern. Im Zentrum steht der langsame Satz mit der lyrisch strömenden Geigenmelodie, den sanften Bögen von Flöte und Oboe, die von den Streichern aufgenommen werden.

Slawische Melodien

Im Duett mit den Flötentrillern verströmt sich die slawische Melodie, Fanfaren leiten den volksmusikantischen Rundtanz des Finalsatzes ein. Das sprüht vor Lebensfreude, die immer neu entzündet wird, und verbindet Solistin, Dirigent und Orchester im schwingenden Pulsieren und kernigen Synkopen.

Das nächste Meisterkonzert darf dann im Jänner wieder im großen Saal stattfinden, die Wiener Symphoniker musizieren auf ihrer Januartournee die ersten beiden Brahms-Symphonien unter der Leitung des Spaniers Pablo Heras-Casado, der für den zurückgetretenen Chefdirigenten Andres Orozco-Estrada einspringt.

Programm und Infos: www.bregenzermeisterkonzerte.at

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