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Warum FIFA so gut zu Staaten wie Katar passt

21.11.2022 • 16:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das "One Love"-Zeichen ist Katar und der FIFA ein Dorn im Auge – nun lenken Harry Kane und Europa ein
Nun greift die FIFA im Streit um die “One Love”-Kapitänsbinden zum Äußersten und droht mit Gelben Karten, Sperren und Punktabzügen. IMAGO/ActionPictures

“One Love”-Zeichen ist Katar und der FIFA ein Dorn im Auge.

Europa wollte Zeichen setzen – und es waren keine wirklich großen. Die Kapitäne der Elitenationen, mit Ausnahme Frankreichs, sollten und wollten mit einer Kapitänsschleife zart zum Ausdruck bringen, dass man nicht mit allem einverstanden ist, was in und rund um die WM in Katar passiert. “One Love” in Regenbogenfarben, das sollte sich gegen Ausgrenzung von LGBTQ+-Menschen, aber auch gegen Rassismus und Antisemitismus wenden. Werte, die in Katar nicht unbedingt ganz oben auf der Liste stehen.

Doch das Emirat, das sich schon im Kampf um den Bierausschank in den Stadien kurz vor WM-Anpfiff durchsetzte (was zum Protest ecuadorianischer Fans führte), arbeitete hinter den Kulissen zusammen mit dem Fußball-Weltverband FIFA verbissen daran, selbst diese Art des Protests, der Auflehnung, abzudrehen, bevor sie begann. Und nur wenige Stunden, bevor Englands Team und Kapitän Harry Kane die Schleife erstmals aufs Feld führen wollten, gab es auch hier den Niederschlag der freien Meinungsäußerung.

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Beinahe könnte man meinen, dass sich der Weltverband den Leitspruch “Make Love not War” einfach umgedreht zurechtgelegt hat. Man will offenbar die Kritik heraufbeschwören – im Bewusstsein, dass sich diese auf Westeuropa beschränkt. Denn vielen Menschen im Süden Europas, in Südamerika oder auch in Asien, ist die Diskussion rund um Menschen-, Frauen- und Homosexuellenrechte in Katar offenbar herzlich wurscht.

Und so zog die FIFA die Schraube an, der lange eher dahinplätschernden Diskussion, in der der Weltverband zunächst versuchte, die Mannschaften und Kapitäne amikal von Protesten abzubringen, sie dazu aufzurufen “nur Fußball zu spielen”. Als das nicht fruchtete, wurde nun auf einen Artikel 13.1.8 der Bestimmungen verwiesen. Man stelle dafür andere Schleifen zur Verfügung, die auch andere Botschaften vermitteln sollen. Begonnen wird mit “Fußball verbindet die Welt”.

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Ein Hohn für die, die anderes mitteilen wollten. Eine Demonstration der Stärke eines Weltverbandes, der immer mehr mit jenen Staaten gemein hat, in die er sich mit Großveranstaltungen begibt und von denen er sich mit milliardenschweren Verträgen abhängig macht. Ganz unlogisch ist das nicht, wenn man Gianni Infantino zuhörte. Auch er gibt sich als absolutistisch herrschender “Emir” eines Weltverbandes, in dem er sich dank finanzieller Versprechungen an die “Kleinen” sicher im Sattel wähnt. Widerspruch ist nicht erwünscht, selbstständiges Denken auch nicht.

So mag es sein, dass Fußball die Welt verbindet – seine “Heimat”, den Ursprungskontinent Europa, aber lässt er einmal mehr enttäuscht und frustriert zurück.

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