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„Aus Liebe zur Kunst“

22.11.2022 • 20:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lorenz Helfer mit Malereien im Magazin 4<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Lorenz Helfer mit Malereien im Magazin 4Klaus Hartinger

Am Freitag eröffnet die Ausstellung „Bregenz fördert Kunst“ im Magazin 4 mit den Arbeiten der 15 Stipendiaten.

Drei Monate lang wurden 15 Bregenzer Künstler und solche mit intensivem Bregenzbezug im vergangenen Jahr mit einem Stipendium von 1500 Euro monatlich unterstützt. Denn man wollte Kulturschaffende in dem durch die Pandemie schwierigen Jahr 2021 „nicht im Regen stehen lassen“, wie Kulturstadtrat Michael Rauth bei der Pressekonferenz erklärt. Es sei wichtig gewesen, dass „die Stadt Bregenz in solch einer Zeit ihre Verantwortung wahrnimmt und einen Beitrag leistet“.
Geplant waren ursprünglich zehn Stipendien zu je insgesamt 4500 Euro geplant, die jedoch auf 15 aufgestockt werden konnten. Nach Bekanntgabe der Jury am 22. Februar 2021 konnten die ausgewählten Künstler ihr Stipendiat antreten. Ein Teil der in dieser Zeit geschaffenen Kunstwerke ist ab Freitag in der Gruppenausstellung „Bregenz fördert Kunst“ im Magazin 4 zu sehen.

Der Künstler Alexander Stark <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Künstler Alexander Stark Klaus Hartinger

Vielseitig

Die Jury hat ein breites Spektrum an Kulturschaffenden ausgewählt und in der Ausstellung verschiedene Kunst-Genres wie Malerei, Tanz, Literatur, Musik, Gesang und konzeptionelle Kunst vereint. Darunter findet sich auch die Produktion der Tänzerin Ursula Sabatin. In „Innendrinnen“ geht es um Begrenzung, um bestimmte Ausschnitte von Räumen und die dazu passenden Gedanken in dieser Zeit, „wo man nicht mehr proben konnte“, wie die Künstlerin sagt. Neun Videoarbeiten zeigen Tänzerinnen des Ensembles Tanzufer in ihrem persönlichen und privaten Umgang mit den eigenen vier Wänden. Diese Kurzportraits wurden mit Interviews und musikalischen Kompositionen ergänzt.
Der multidisziplinäre Künstler Alexander Stark war dagegen draußen unterwegs und hat in einer mobilen performativen Installation die Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Raum ausgelotet. Mit seiner Wanderinstallation sei er in Bregenz herumgelaufen, um seine Installation an verschiedenen Orten mit der Sonne, dem Untergrund und der Umgebung interagieren zu lassen. Dabei steht der beim Vorbeigehen entstehende Schatten im Vordergrund.

Der Künstler Rafet Jonuzi vor seiner Arbeit <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Künstler Rafet Jonuzi vor seiner Arbeit Klaus Hartinger

Wissenschaft wird Kunst

Einen ganz anderen, eher wissenschaftlichen Bezug zur Kunst präsentiert Rafet Jonuzi in seinen Arbeiten „Colorful Conundrum 4a, 4b und 4c”. Es sind zeitlose Werke, in denen der Künstler versucht, die Wissenschaft wieder zu Kunst zu machen. Angelehnt an den schottischen Physiker James Clerk Maxwell, der „aus Liebe zur Kunst“, wie Jonuzi beschreibt, das Prinzip der Farbmischung entdeckte, begann der Künstler, Maxwells Idee der „Farben des Lichts“ zusammen mit einem Text von Schopenhauer künstlerisch darzustellen. Für jede der drei ausgestellten Arbeiten hat er zwei bis drei Monate mit Tusche und Feder verbracht und ähnlich wie im Photoshop mehrere Layer der Farben übereinandergelegt. Schopenhauers Text „Die Welt als Wille und Vorstellung“ hat er zu 15 Kunststoffschablonen verarbeitet und damit in blauen, grünen und roten Tuschefarben Rundzeichnungen erstellt. „Je nachdem, wie die Farben am Papier aufeinandertreffen, verändern sich die Töne per Zufall“, erklärt Jonuzi.

Blick in die Ausstellung im Magazin 4<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Blick in die Ausstellung im Magazin 4Klaus Hartinger


Während man diese einzelnen Farbtöne von Jonuzis Werken erst beim näheren Herantreten erkennen kann, erfordern Lorenz Helfers Malereien einen Blick aus der Ferne. Doch auch dessen Gemälde drehen sich in erster Linie um die Farbe an sich, die in verschiedenen Schichten aufgetragen wird, wie er erklärt. In einem Farbexperiment hat er es gewagt, eine „schlechte Farbe zu verwenden“, nachdem er sein ganzes Leben lang immer mit den guten Ölfarben gemalt habe. Die zwei Werke „Rücken“ und „Figur bind Schuh“ wurden mit Außendispersion gemalt. Durch die Verwendung dieser Fassadenfarbe sei „man von vornherein eingeschränkt. Vieles ist nicht möglich“, beschreibt Helfer die Schwierigkeit, die ihn wiederum dazu motiviert habe, sich in dem beschränkten Umfeld der Farbe zu bewegen und sich auf Farbkombinationen einzulassen. Auf diesen Aspekt hat sich der Künstler fokussiert, ausprobiert und dabei die eigenen Bilder immer wieder übermalt.

Neben diesen Werken sind auch die vielfältigen und teils sehr unterschiedlichen Positionen der anderen Stipendiaten Edilberto Fonseca Alfonso, Lukas Weithas, Monika Mayer-Pavlidis, Bianca Tschaikner, Wolfgang Mörth, Ruth Schmiedberger, Selina Reiterer, Miriam Feuersinger, Andreas Paragioudakis-Fink, Natalie Fend und Marbod Fritsch im Bregenzer Magazin 4 ausgestellt.

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