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„Schenken ist mehr als reiner Konsum“

22.11.2022 • 20:23 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Die Geschäfte sind für das Weihnachtsgeschäft gerüstet.  <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Geschäfte sind für das Weihnachtsgeschäft gerüstet. Klaus Hartinger

Trotz krisenhaften Umfelds zeigt sich der Handel in Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft optimistisch.

Die äußeren Bedingungen sprechen heuer nicht unbedingt für ein lukratives Weihnachtsgeschäft. Vor allem die hohe Inflation und damit einhergehend steigende Preise könnten die Einkaufslust durchaus in Grenzen halten. Dennoch herrscht Optimismus in der Branche und das hat mehrere Gründe, wie Michael Tagwerker, Spartengeschäftsführer Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, erklärt.

„Zuletzt hat eine Umfrage (sie­he unten) gezeigt, dass es so schlecht nicht werden könnte“, informiert Tagwerker. „Die Menschen wollen schenken.“ Schenken sei eine soziale Interaktion, die nichts mit dem normalen Konsum zu tun habe, sondern tiefer sitze, sagt er. Das lasse hoffen, dass das Weihnachtsgeschäft nicht so schlecht werde wie man befürchte. Daher herrsche durchaus ein gewisser Optimismus.

Michael Tagwerker, Spartengeschäftsführer Handel in der WKV. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Michael Tagwerker, Spartengeschäftsführer Handel in der WKV. Stiplovsek

Mit dem kommenden ersten Adventsamstag sollte nun das Weihnachtsgeschäft starten. Tagwerker betont diesbezüglich auch die Bedeutung des regionalen Einkaufs. „Das ist ein Beitrag zur Krisenbewältigung.“ Eine Rolle könnten auch die heuer wieder allerorts stattfindenden Weihnachtsmärkte spielen. Diese dürften laut Tagwerker vor allem den innerstädtischen Handel beleben. „Darauf hoffen wir.“

Am Samstag beginnt das eigentlich Weihnachtsgeschäft.  <span class="copyright">Hartinger</span>
Am Samstag beginnt das eigentlich Weihnachtsgeschäft. Hartinger

Die Weihnachtsmärkte sieht auch Manfred Böhmwalder, Obmann des Vereins Wirtschaft amKumma der Gemeinden Götzis, Altach, Koblach und Mäder, positiv. „Die Leute wollen sich treffen, weil sie müde von schlechten Nachrichten sind“, sagt er. Und sie wollen auch einkaufen. „An und für sich ist die Stimmung bei den Handelstreibenden positiv“, so Böhmwalder. Man merke, dass die Leute zwar sparen wollen, ihnen Weihnachten aber wichtig sei. „Es wird vielleicht gezielter eingekauft als sonst“, glaubt der Obmann, „aber zu Weihnachten wollen es die Leute schön haben.“ Auch Böhmwalder appelliert an die Vorarlbergerinnen und Vorarl­berger in heimischen Geschäften einzukaufen – „das ist wichtiger denn je“. Der Handel sei auf jeden Fall gerüstet.

Manfred Böhmwalder, Obmann Wirtschaft amKumma.  <span class="copyright">Katharina Loacker</span>
Manfred Böhmwalder, Obmann Wirtschaft amKumma. Katharina Loacker

„Wir sind alle guten Mutes, dass es ein gutes Weihnachtsgeschäft wird“, sagt auch Eva Molnar-Thielmann, Geschäftsführerin von Juwelier O. Rein und Obfrau von inside Dornbirn. Sie hofft, dass sich die Leute nicht zu sehr von der ihrer Meinung nach auch medial verbreiteten Katastrophenstimmung verunsichern lassen. Unter den Händlern sei die Stimmung gut.

Auch in Dornbirn habe sich der Weihnachtsmarkt sehr belebend auf die Innenstadt ausgewirkt, bestätigt Molnar-Thielmann. Der Unterschied zwischen vergangenem Samstag, als er geöffnet war, und dem Samstag davor sei deutlich spürbar gewesen. Und auch das Bewusstsein für regionalen Einkauf sei gestiegen. „Viele haben die Anonymität von Onlinekäufen satt und wollen Beratung und Kommunikation“, so ihre Erfahrungen. Dazu komme, dass man als kleiner Betrieb, der selbst produziere, auch schneller auf internationale Entwicklungen wie etwa die Senkung von Rohstoffpreisen reagieren könne.

Eva Molnar-Thielmann ist Obfrau von inside Dornbirn.  <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Eva Molnar-Thielmann ist Obfrau von inside Dornbirn. Klaus Hartinger

Walter Simma, Center-Manager des Zimbaparks in Bürs will keine Prognose abgeben, „aber wir gehen grundsätzlich positiv in den Advent“. Der bisherige Geschäftsverlauf sei sehr gut gewesen, besonders September und Oktober. Er geht davon aus, dass sich dieser Aufwärtstrend in Hinblick auf Umsätze und Frequenzen fortsetzt.

Aus Simmas Sicht haben die staatlichen Förderungen zur Kaufkraft beigetragen. „Mit dem Weihnachtsgeld sollte weiter entsprechend Geld vorhanden sein“, sagt er. Die Kunden würden sich endlich wieder auf ein „normales“ Weihnachten ohne Pandemieeinschränkungen freuen. „Unsere Geschäfte sind gut vorbereitet.“ Zudem würden in diesem Jahr fünf Wochen Weihnachtsshopping auf die Kundinnen und Kunden warten, nachdem es nach dem vierten Adventsonntag noch eine ganze Woche bis Heiligabend sei.

Die Kaufbereitschaft ist laut einer Umfrage groß.   <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Kaufbereitschaft ist laut einer Umfrage groß. Hartinger


86 Prozent der Vorarlberger wollen Geschenke kaufen

Trotz Rekordinflation, Teuerung, globaler Unsicherheiten und steigender Energiekosten blicken die Vorarlberger Konsumentinnen und Konsumenten mit Zuversicht auf das Weihnachtsfest. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der KMU Forschung Austria, wie die Wirtschaftskammer Vorarlberg in einer Aussendung mitteilt. Befragt wurden 310 Personen über 15 Jahre zwischen Ende Oktober/Anfang November 2022. Sichtbar wurde bei der Umfrage auch, dass die Kaufbereitschaft der Vorarl­bergerinnen und Vorarlberger im Vergleich zum Vorjahr nur leicht zurückgegangen ist.

Konkret haben 86 Prozent bzw. über 290.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger vor, heuer Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Das bedeutet einen Rückgang von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Pro Käuferin bzw. Käufer ist laut Umfrage mit Ausgaben von durchschnittlich 340 Euro zu rechnen, was im Vergleich zu 2021 einen Anstieg darstellt. Damals waren es 320 Euro.

Schmuck ist in den Top Ten der beliebtesten Weihnachtsgeschenke.   <span class="copyright">Hartinger </span>
Schmuck ist in den Top Ten der beliebtesten Weihnachtsgeschenke. Hartinger

Ebenfalls im Trend bleibt die frühe Erledigung der Weihnachtseinkäufe. Eine Verschiebung, die auch schon im vergangenen Jahr sichtbar war und sich heuer wieder bestätige, sodass der Anteil der Late Shopper weiter rückläufig ist, wie es heißt. Das habe sicherlich auch mit den medial breit diskutierten Lieferschwierigkeiten und den längeren Lieferzeiten auf Seiten der Produzenten zu tun, so die Vermutung.

Die häufigsten Weihnachtsgeschenke

Das Ranking der häufigsten Weihnachtsgeschenke wird von Gutscheinen angeführt – knapp die Hälfte der Konsumentinnen und Konsumenten beabsichtigt, diese unter den Christbaum zu legen. Auf Platz zwei des Rankings liegen Spielwaren (37 Prozent) gefolgt von Kosmetika (32 Prozent), Bekleidung/Textilien (29 Prozent), Büchern (26 Prozent) und sonstigen Genussmitteln (23 Prozent). Auf Platz sieben und acht liegen Schmuck und Bargeld, die von 20 Prozent bzw. 19 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger verschenkt werden. Die Top 10 werden schließlich von Wein und Sportartikeln vervollständigt.

Spielzeug steht natürlich jedes Jahr zu Weihnachten hoch im Kurs.   <span class="copyright">Hartinger</span>
Spielzeug steht natürlich jedes Jahr zu Weihnachten hoch im Kurs. Hartinger

Auf der Suche nach den passenden Geschenken ziehen die Käuferinnen und Käufer im Land unterschiedliche Informationsquellen zu Rate. Die mit Abstand beliebteste Inspirationsquelle bleibt mit 62 Prozent das Internet. 39 Prozent der Befragten lassen sich durch die Impulse direkt im Geschäft bzw. Schaufenster inspirieren. Zudem stellen Freunde/Kollegen/Bekannte, Prospekte und der Brief ans Christkind weitere wichtige Informationsquellen dar.

„Es zeigt sich eine gewisse Vorfreude auf Weihnachten, die Stimmung bei den Menschen ist entgegen den Erwartungen positiv. Das freut uns, weil es auch vielversprechende Auswirkungen auf unseren Handel im Land hat“, sagt Carina Pollhammer, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, und: „Diese zuversichtliche Stimmung müssen unsere Einzelhändlerinnen und -händler nützen, um positive Akzente in einem Handelsjahr zu setzen, in dem die Herausforderungen und das wirtschaftliche Umfeld so schwierig wie noch nie zuvor waren.“

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