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Klare Zeichen gegen Gewalt an Frauen

23.11.2022 • 20:16 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Lichtinstallation von Wolfgang Schwarzmann am Frauenmuseum in Hittisau. <span class="copyright">Frauenmuseum Hittisau</span>
Lichtinstallation von Wolfgang Schwarzmann am Frauenmuseum in Hittisau. Frauenmuseum Hittisau

„Orange the World“: Weniger mit beleuchteten Gebäuden, aber mit einigen Aktionen wird heuer Gewalt an Frauen thematisiert.

Im Vorjahr sind in Österreich 26 Frauen ermordet worden, heuer waren es bereits 28 – eine davon in Vorarlberg. Dazu kommen zahlreiche angezeigte Gewaltdelikte gegen Frauen und eine große Dunkelziffer. „Jede vierte Frau ist seit ihrem 15. Lebensjahr von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen“, informiert Angelika Wehinger, die designierte Leiterin der ifs-Gewaltschutzstelle in Feldkirch.

Im Vorjahr wurden in Vorarlberg 475 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen. „Das bedeutet, dass die Polizei zum Teil mehr als ein Betretungs- und Annäherungsverbot pro Tag angeordnet hat“, verdeutlicht Wehinger. Heuer sind es bis dato 454 Verbote.

Angelika Wehinger von der ifs Gewaltschutzstelle.  <span class="copyright">ifs</span>
Angelika Wehinger von der ifs Gewaltschutzstelle. ifs

Insgesamt 802 Opfer von häuslicher Gewalt wurden im vergangenen Jahr durch die ifs Gewaltschutzstelle unterstützt, informiert die Expertin. Im laufenden Jahr waren es bisher bereits 839. Diese Steigerung hänge vielleicht auch damit zusammen, dass es ein gutes Unterstützungsangebot gibt und sich Frauen früher an Beratungseinrichtungen und an die Polizei wenden, vermutet Wehinger.

Gedenktag 25. November

Gewalt an Frauen ist ein weltweites Problem. Daher wird seit Jahren am 25. November bzw. an den darauffolgenden Tagen mit der Farbe Orange darauf aufmerksam gemacht (siehe unten). Die Beleuchtungen werden heuer aufgrund der Energieproblematik zwar größtenteils ausfallen. Dennoch gibt es im Land eine Reihe von Veranstaltungen, die auf die Thematik aufmerksam machen und ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen.

„Die ‚16 Tage gegen Gewalt an Frauen‘ machen weltweit auf das Ausmaß und die verschiedenen Ausprägungen von Gewalt gegen Frauen aufmerksam und stellen das Recht auf ein gewaltfreies Leben in den Mittelpunkt“, erläutert Wehinger. Die Tage seien vor allem auch deshalb wichtig, da Gewalt gegen Frauen kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem sei, betont die Fachfrau.

Haben die Aktionen im Bregenzerwald organisiert: Stefania Pitscheider Soraperra, Eva Brunner, Veronika Sutterlüty, Elisabeth Gruber (v.l.).<span class="copyright"> FMH</span>
Haben die Aktionen im Bregenzerwald organisiert: Stefania Pitscheider Soraperra, Eva Brunner, Veronika Sutterlüty, Elisabeth Gruber (v.l.). FMH

So haben sich im Bregenzerwald das Frauenmuseum Hittisau, die Initiative „Der Bregenzerwald lässt kein Kind zurück“, die ifs Gewaltschutzstelle und ifs Frauenberatungsstelle der Zweigstelle in Egg sowie das Kulturbüro Bregenzerwald zusammengeschlossen, um sich gemeinsam an der der UN-Kampagne „Orange the World“ zu beteiligen. Als sichtbares Zeichen werden an der Fassade des Frauenmuseums 24 orange Warnleuchten von Wolfgang Schwarzmann installiert. Warnleuchten werden auch in den einzelnen Gemeinden in öffentlichen Gebäuden aufgestellt.

In zehn Büchereien im Wald werden orange Plätze mit einem Büchertisch mit Mut-Geschichten, Heldinnenerzählungen und anderem eingerichtet. Die Künstlerinnen und Künstler Anna-Amanda Steurer, Sophie Thelen Weinmann, Simeon Melchior und Wolfgang Schwarzmann zeigen im Werk­raum Andelsbuch, im Frauenmuseum und bei witus Bezau Werke rund um das Thema Gewalt und Frauen. Weiters gibt es am 30. November um 18 Uhr im Frauenmuseum eine Podiumsdiskussion, bei der Vertreter und Vertreterinnen von ifs, Polizei, Hauskrankenpflege und Schule über Gewaltprävention sprechen.

Diskussion in Bregenz

Eine Podiumsdiskussion veranstalten am 28. November auch die Soroptimist Clubs Bregenz-Rheintal, Dornbirn und Feldkirch Montfort. Sie beginnt um 19.30 Uhr im Alten Landtagssaal der Hypobank in Bregenz. Es diskutieren der Psychiater Reinhard Haller, Landesrätin Katharina Wiesflecker, Kathrin Yen, Direktorin des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg – Spezialgebiet Kindesmisshandlung – und Ulrike Furtenbach von der ifs-Gewaltschutzstelle.

Bereits morgen, Freitag, wird im Landhaus in Bregenz die Ausstellung „Die rote Linie“ des Frauenmuseums eröffnet, in der es um sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen geht. Dazu gibt es einen Vortrag der Psychologin Alina Zachar, die stellvertretende Leiterin beim 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien ist. Sie wird über „Cybergewalt“ sprechen.

Kassabons

Eine weitere Aktion, die im vergangenen Jahr ihr Debüt erlebte, wird auch heuer wieder durchgeführt. Ab morgen wird 16 Tage lang auf den Kassabons der Spar-Märkte in Vorarlberg die Frauennotrufnummer gedruckt. Zudem liegen einschlägige Informationsbroschüren mit Kontakten auf.
Im Theater am Saumarkt in Feldkirch wird morgen ebenfalls an den Gedenktag erinnert: 13 bekannte Vorarlbergerinnen – Künstlerinnen, Autorinnen, Unternehmerinnen, Politikerinnen – präsentieren je ein ausgewähltes Gedicht.

Die im vergangenen Jahr beleuchtete Schattenburg in Feldkirch.  <span class="copyright">Hartinger</span>
Die im vergangenen Jahr beleuchtete Schattenburg in Feldkirch. Hartinger

Ursprung: Drei ermordete Frauen

Lateinamerikanische und karibische Feministinnen waren es, die bei einem Treffen im Jahr 1981 den 25. November zum Gedenktag der Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen haben. Das Datum erinnert an die Ermordung von drei Schwestern im Jahr 1960 in der Dominikanischen Republik. 1999 wurde die Initiative offiziell von den Vereinten Nationen aufgegriffen. Bereits 1991 war die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ initiiert worden. Diese umfassen die Zeit vom 25. November bis zum 10. Dezember – dem internationalen Tag der Menschenrechte. Seit damals werden in diesem Zeitraum weltweit Gebäude mit der Farbe Orange beleuchtet, die zum Symbol für eine Zukunft ohne Gewalt an Frauen wurde. In den vergangenen Jahren waren es auch in Vorarlberg eine Vielzahl an Amtsgebäuden, Kirchen, Burgen, Kultureinrichtungen und anderes, die in Orange erstrahlten.

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