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Aktionstheater zeigt
Trilogie des Scheiterns

24.11.2022 • 22:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Regisseur Martin Gruber <span class="copyright">Aktionstheater Ensemble  </span>
Regisseur Martin Gruber Aktionstheater Ensemble  

Ab Dienstag präsentieren Martin Gruber und sein aktionstheater ensemble „Die große Pension Europa Show“ am Spielboden Dornbirn.

Als Martin Gruber nach „Pension Europa 1“ und „2“ die Produktion für „Die große Show“ begann, habe er das Gefühl gehabt, dass die Stücke zusammengehören. Zusammen mit dem 18-köpfigen Theater- und Musik-Ensemble reagiert er nun in einer Trilogie auf kriegs- und krisenbedingte Umbrüche. Alle drei Stücke verbindet „diese Sehnsucht des Menschen nach Wahrnehmung, nach dem Wahrgenommenwerden“, sagt Gruber. Auf politischer Ebene habe es immer etwas mit dem Mangel an Wahrnehmung zu tun, wenn „irgendeine Form von Konflikt oder eine Form von Aggression entsteht“.

Ego-Show

Bei der „Trilogie des Scheiterns“, die ab nächster Woche im Spielboden Dornbirn zu sehen ist, geht’s um ein „Sezieren der Missstände, ein Sezieren des Scheiterns am Miteinander“ und um eine bestimmte Form von Narzissmus, von Ego-Shooting, von Ego-Show. Angefangen bei den alten Griechen und dann später in Melodramen im Hollywood-Kino sei es schon das „Scheitern“ gewesen, das der Mensch „immer am liebsten anschaut, weil es uns auf eine ganz eigenartige Weise beruhigt, uns selbst beim Scheitern zuzuschauen. In diesem Scheitern finde man auch eine Poesie und „wahrscheinlich auch die Möglichkeit zum Nicht-Scheitern“, sagt Gruber im Gespräch.
Seine Kunst versteht der Regisseur und Leiter des aktionstheater ensemble als Aufgabe, „Phänomene zu betrachten, die vielleicht mit Worten gar nicht zu fassen sind, oder wo die Sprache letztlich auch versagt, das ist schon was, was mich sehr interessiert, zu sagen: Was liegt dahinter, hinter dieser Nicht-Kommunikation, oder was lässt uns nicht kommunizieren.“

Nah am Individuum

Aber Gruber will kein Aufklärungstheater machen, wie er sagt, das wäre für ihn eine „völlige Selbstüberschätzung“. Dagegen versuchte er, die Missstände oder den Status Quo „immer absolut auf das Individuum herunterzureißen und bei den eigenen Unzulänglichkeiten zu beginnen“. Trotz der berechtigten Kritik einer Gesellschaft, die in ihrer Diversität politisch nicht abgebildet wird, die sich spaltet, wenn etwas im Argen liegt, und bei der der Einzelne dabei auf der Strecke bleibt, sei nie ganz klar, wo die Eigenverantwortung anfängt. Auf der Bühne sei das komisch, „weil wir uns in unserer Eitelkeit selbst erkennen“, so Gruber.

Szenenbild aus "Die große Show" <span class="copyright">Aktionstheater Ensemble  </span>
Szenenbild aus "Die große Show" Aktionstheater Ensemble  

Stück im Stück

Diese ganzen Narzissmen werden für „Die große Show“ hochgeschraubt, die nun am Dienstag im Spielboden Dornbirn uraufgeführt wird. Wie Gruber beschreibt, werde die ganze Performance von der Protagonistin Babette „zu ihrer persönlichen 60. Geburtstagsparty umfunktioniert, es sei quasi „ein Stück im Stück“. Die 40-jährige Michaela tut so, als würde sie die Feier organisieren, „in Wirklichkeit geht’s auch nur um sie selbst und um diesen Fight der Generationen“, bei dem auch ein junger Vertreter der „Last Generation“ mitmischt. Mit seinen Zaubertricks will er die Welt ein bisschen besser machen.
„Bei ‘Der großen Show’ geht’s auch um die verschiedenen Welten und Standpunkte. Und eigentlich versteht man, trotz aller Eitelkeit, den Einzelnen immer dann, wenn er spricht. Wenn mir jemand was erzählt, dann erzählt er mir was aus seiner Welt, im Kontext seiner Welt ist das meistens nachvollziehbar und logisch. Blöd ist es, wenn diese alle Welten zusammenkommen“, beschreibt Gruber.

Verschärfungen

Während das bisher aktuellste Stück „Pension Europa 2: Lüg mich an und spiel mit mir“, welches erstmals im Frühling im Landestheater gezeigt wurde, nun als Wiederaufnahme zur Aufführung kommt, wurde „Pension Europa 1“ nochmal ganz neu inszeniert. Es hätte auch so funktioniert, und „es war erschreckend aktuell, betont Gruber, trotzdem wollte er das Stück nochmal „verschärfen“. Szenen seien heftiger geworden, eine muslimische Schauspielerin wurde durch eine jüdische ersetzt. Im vorher reinen Frauenstück ist jetzt ein schwuler Mann Teil der „Mädelsrunde“. „Durch die Umbesetzung passieren andere Dinge, der Fokus hat sich teilweise verändert.“

Auch die Musik sei „völlig neu komponiert“, sehr kraftvoll und besonders stark, was das Transportieren von Emotionen betreffe“. Es gehe von Gypsy Balkan bei „Pension Europa 2“ über Jazz, Rock zu Indie bis hin zu Gospel Elementen bei „Pension Europa 1“.

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