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Königin Alice im Wunderland

25.11.2022 • 20:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alice im Glanz der bunten Papierschnipsel. <span class="copyright">Anja Koehler</span>
Alice im Glanz der bunten Papierschnipsel. Anja Koehler

Bunt, lebhaft und mit großartigem Bühnenbild begeistert die Premiere von Alice im Wunderland am Donnerstag die Kinder und auch das erwachsene Publikum des Landestheaters.

Die absurden Momente entfalten sich bereits zu Beginn der Vorstellung außerhalb des Wunderlandes, wenn Alice zuhause im Wohnzimmer sitzt und von ihren Eltern in Anzügen ermahnt wird, langsamer zu essen, während gestresste Bedienstete immer wieder zur Tür herein- und hinaushetzen, auftragen und abservieren. Wahrscheinlich ist es das rastlose weiße Kaninchen, das unters Personal gemischt für Pünktlichkeit sorgt und nebenbei auch die Aufmerksamkeit von Alice weckt, bevor es in einem Loch im Bühnenboden verschwindet. Vivienne Causemann (Alice) folgt ihm, fällt aber nicht, sondern holt sich eine Strickleiter, die kunstvoll in der nächsten Szene von der Decke fällt. Eine schwebende Alice bezaubert die Besucher.

Von Logik befreit

Kleine Details und originelle Ideen holen Kinder aus ihrer Welt ab und bringen sie mitten ins rätselhafte Theatergeschehen, wo es im Wunderland einen Lift gibt, die Türen sich drehen und ein blinkender Pfeil für Klarheit sorgt. Ebenso wandelbar zeigt sich Alice selbst in ihrem Gemüt, so wirkt sie einmal überrascht und ängstlich, während sie dann wieder voller Tatendrang die Verfolgung des Kaninchens in Angriff nimmt und sich Dinge wünscht, die sie dann doch nicht mehr will, sobald sie in Erfüllung gehen. Eindringlich bittend wendet sie sich an ihre Füße mit Forderungen und verspricht im Gegenzug, „nett“ zu ihnen zu sein. Den teils unverschämten und nicht gerade hilfreichen Figuren begegnet Alice mit Protest und Widerspruch. Sogar richtig wütend kann sie werden, wenn ihr die Königin den Kopf abschlagen will. Es dauert eine Weile, bis sich die ernste Alice auf die verrückte Welt einlässt, die sie sich erträumt.

Die Teegesellschaft mit dem Hutmacher, dem Hasen und der Maus. <span class="copyright">Anja Koehler</span>
Die Teegesellschaft mit dem Hutmacher, dem Hasen und der Maus. Anja Koehler

Natürlich wird die Schauspielerin Vivienne Causemann nicht wirklich kleiner, nachdem sie von dem Fläschchen getrunken hat, dass die surreale Hand ihr aus der zu kleinen Tür herausreicht. Trotzdem gelingt es ihr hervorragend, die scheinbar veränderten Größenverhältnisse glaubhaft in Szene zu setzen. Den wundervollen Garten im Inneren bekommt das Publikum nicht zu Gesicht, denn es ist ein tickendes Uhrwerk, in dem Alice gegen die Zeit rennt. Buchstäblich wird an den Zahnrädern des Bühnenbilds gedreht und die Technik in Gang gebracht.
Danielle Fend-Strahm hat in ihrer Inszenierung von „Alice im Wunderland“ eine märchenhafte komische Welt konstruiert und viele überraschende Szenen eingebaut, die wie im Traum zusammenhanglos aufeinanderfolgen. Ein Hase fällt plötzlich von oben herab, die Teegesellschaft klettert aus dem Boden heraus, der Eiermann sitzt in luftiger Höhe, bunte Papierschnipsel regnen auf Alice, und im dichten Nebel kriechen gefährliche Gestalten.

Die Grinsekatze mit leuchtenden Augen. <span class="copyright">Anja Koehler</span>
Die Grinsekatze mit leuchtenden Augen. Anja Koehler

Fantasievolle Filmmusik

Variierende Stimmen und Geräusche machen das Stück lebendig. Die besonderen Figuren Carrolls lachen herzhaft und schrill, flüstern geheimnisvoll, schreien oder quietschen, und nicht selten reden sie alle durcheinander. Für Alice ist dieser Unsinn „alles Quatsch“. Die Sprachspiele, philosophischen Dialoge und Wendungen erheitern besonders die Erwachsenen im Premierenpublikum, in dem auch der 1941 geborene Übersetzer dieser Fassung, Peter Siefert, sitzt.
Tobias Fend, Luzian Hirzel, Johanna Köster, Dalibor Nikolic und Nico Raschner wuseln auf der Bühne um Alice herum und erscheinen immer wieder in anderen kreativen Kostümen (Matthias Strahm) als Raupe, Mäuschen, Hutmacher, Hase oder im Kartendesign der königlichen Gefolgschaft. Besonders eindrucksvoll schwebt die Grinsekatze mit leuchtenden Augen und zerteiltem Körper im Raum. Nicht zuletzt die episch filmische Musik von Florian Wagner sorgt für eine magische und fantasievolle Atmosphäre.

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