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Mit der Polizei vor Ort: Diese Schwachstellen nützen Einbrecher

26.11.2022 • 21:34 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Diese Haustüre bietet aufgrund ihrer Verriegelung und Beschläge nur wenig Schutz. Versierte EInbrecher brauchen nur wenige Sekunden,um sie aufzuhebeln.<br><span class="copyright">Hartinger(6)</span>
Diese Haustüre bietet aufgrund ihrer Verriegelung und Beschläge nur wenig Schutz. Versierte EInbrecher brauchen nur wenige Sekunden,um sie aufzuhebeln.
Hartinger(6)

Hochsaison für Dämmerungseinbrüche: Vorarlberger Kriminalbeamter erklärt, wie man Haus und Wohnung schützen kann.


Das Fenster steht offen, das Haus ist durchwühlt, Wertsachen sind verschwunden: Ein Einbruch in die eigenen vier Wände ist für die meisten Menschen ein echter Schock. Viel schlimmer als der materielle Schaden sind dabei oft die psychischen Folgen, die durch die Verletzung der Privatsphäre und das verlorengegangene Sicherheitsgefühl entstehen.

Vorstehende Zylinder machen es Einbrechern leicht. Die Rosette lässt sich leicht abnehmen, in weitere Folge kann der Zylinder mittels Zange abgebrochen werden. Der Experte empfielt eine konische Sicherheitsrosette<span class="copyright">. Hartinger</span>
Vorstehende Zylinder machen es Einbrechern leicht. Die Rosette lässt sich leicht abnehmen, in weitere Folge kann der Zylinder mittels Zange abgebrochen werden. Der Experte empfielt eine konische Sicherheitsrosette. Hartinger

Das weiß auch Christian Spitaler, Präventionsbeamter beim Landeskriminalamt. „Ich erinnere mich an zwei Einbruchsopfer, die sogar ihr Haus verkauft haben. Betroffene sollten deshalb sofort psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.“ Damit es erst gar nicht so weit kommt, rät der Chefinspektor zu solidem Einbruchschutz. Wie dieser aussieht, erklärt er im Rahmen eines kriminalpolizeilichen Beratungsgesprächs.

Der poröse gußeiserne Beschlag kann leicht ausgebrochen werden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der poröse gußeiserne Beschlag kann leicht ausgebrochen werden. Hartinger

Analyse vor Ort

Wie sicher ist eigentlich mein Haus? Diese Frage stellte sich auch Frau Moosmann (Name geändert), die mit zwei Kindern in einem knapp 30 Jahre alten Einfamilienhaus im Unterland lebt. Die NEUE am Sonntag durfte dem Beamten beim Beratungsgespräch über die Schulter schauen. Die Analyse beginnt an der Tür, obwohl die meisten Einbrecher über die Terrassentür oder ein Fenster einsteigen. Im Einfamilienhausbereich sei das in 90 Prozent der Fälle so, erklärt der Chefinspektor.

Klassischer Fehler: Schlüsselschale im EIngangsbereich.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Klassischer Fehler: Schlüsselschale im EIngangsbereich. Hartinger

Seinem geschulten Blick entgeht nichts. Schon im Eingangsbereich entdeckt er zahlreiche Schwachstellen. Er mustert die Türbeschläge und schüttelt den Kopf. „Einfache Fensterbeschläge, keine Horizontalverriegelung. Die hebelt ein Profi mit einfachstem Werkzeug in wenigen Sekunden auf.“ Auch der Zylinder des Türschlosses gefällt ihm nicht. Der Grund: Der Zylinder steht und kann ganz einfach mit einer Rohrzange abgebrochen werden. „Diese Methode wird gerne bei Wohnungseinbrüchen angewendet“, erklärt Spitaler. Sein Rat: Eine konische, von innen verschraubte Sicherheitsrosette.

Hier fehlt der Türsipon. Der Experte empfielt einen Spoion mit 180-Grad-Blickwinkel oder eine Kamera. <span class="copyright">Hartinger</span>
Hier fehlt der Türsipon. Der Experte empfielt einen Spoion mit 180-Grad-Blickwinkel oder eine Kamera. Hartinger

Und weiter geht es. Türspion? Fehlanzeige. „Wenn es läutet, sehen sie nicht, wie viele Leute draußen stehen“, sagt der Polizist und empfiehlt einen Türspion mit 180-Grad-Blickwinkel. Ein klassischer Fehler, den sich vor allem Einschleichdiebe und Trickbetrüger zunutze machen, ist, Schlüssel und Wertgegenstände im Eingangsbereich zu deponieren. Auch bei Frau Mossmann findet sich dort eine Schale mit Schlüsseln. „Schlechte Idee“, sagt der Beamte.

Die Fensterbohrer-Methode

Handesübliche Fenstergriffe können mittels Fensterbohrermethode im Handumdrehen geöffnet werden. Abhilfe schaffen hier Fenstergriffe mit Druckknopf oder absperrbare Griffe. <span class="copyright">Hartinger</span>
Handesübliche Fenstergriffe können mittels Fensterbohrermethode im Handumdrehen geöffnet werden. Abhilfe schaffen hier Fenstergriffe mit Druckknopf oder absperrbare Griffe. Hartinger

Auch die Fenster in dem Haus sind kein Hindernis für Einbrecher. Spitaler schätzt, dass ein versierter Einbrecher nicht einmal zehn Sekunden benötigt, um sie zu öffnen. Wie? „Entweder er hebelt es auf, oder es wird gebohrt“, erklärt der Polizist. Die sogenannte Fensterbohrer-Methode sei immer noch einer der gängigsten Einbruchsarten. Die Täter bohren dabei unterhalb des Griffs ein Loch in den Rahmen und öffnen das Fenster oder die Balkontür mit einem gebogenen Metallstab. Abhilfe schaffen hier Fenstergriffe mit Druckknopf. Auch sogenannte Pilzkopfzapfenbeschläge wirken einbruchshemmend. „Die Fenster lassen sich nicht mehr so einfach aufhebeln, und die Materialkosten sind überschaubar“, erklärt Spitaler. Etwas besser sieht es bei der Schiebetür zur Terrasse aus. Die Verriegelung scheint in Ordnung zu sein. „Wenn ein Einbrecher die aufbekommt, hat er sichs verdient“, schmunzelt der Präventionsbeamte.

Das Lichtschachtgitter sollte gut befestigt sein. Ansonsten hat der Einbrecher ein leichtes Spiel. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Lichtschachtgitter sollte gut befestigt sein. Ansonsten hat der Einbrecher ein leichtes Spiel. Hartinger
Auch das Kellerfenster lässt sich leicht aufhebeln. Der Experte empfielt eine Nachrüstung mit Pilzopfzapfenbeschlägen.
Auch das Kellerfenster lässt sich leicht aufhebeln. Der Experte empfielt eine Nachrüstung mit Pilzopfzapfenbeschlägen.

Im Keller ortet Spitaler dann jene Schwachstelle, die ein schlauer Einbrecher seiner Meinung nach wohl am ehesten ausgenutzt hätte: Die Lichtschachtgitter sind nicht gesichert. „Hier kann ein Einbrecher optimal einsteigen. Die Nachbarn würden nicht einmal hören, wenn er die Scheibe des Kellerfensters einschlägt, da der Schall nach oben abhaut.“

Meist steigen Einbrecher über die Terassentür oder Fenster ein. Deshalb sollten diese gut gesichert sein. <span class="copyright">Hartinger</span>
Meist steigen Einbrecher über die Terassentür oder Fenster ein. Deshalb sollten diese gut gesichert sein. Hartinger

Das Fazit

Fenster und Türen, einbruchshemmend nachzurüsten, würde Frau Moosmann deutlich mehr kosten als die Anschaffung einer Alarmanlage. „Wenn sie gut sichtbar ist, gibt es nichts, was abschreckender wäre“, sagt der Chefinspektor. Und welche Rückschlüsse zieht die Hausbesitzerin? Frau Moosmann ist einigermaßen erstaunt über die vielen Schwachstellen. Sie möchte sich nun zunächst einmal bei einem Fachmann zum Thema Alarmanlagen erkundigen. „Bis jetzt habe ich gut geschlafen“, sagt sie nicht ganz ernst und lacht.

Kostenlose Beratung: Kriminalpolizeilicher Beratungsdienst, LKA Vorarlberg,
Tel. 059133/80-3333

Eigenprävention

Im Internet:

• Einbrecher durchkämmen das Internet und soziale Medien nach Informationen über mögliche Einbruchsobjekte.

• Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit.

• Achten Sie auf die Privatsphäre-Einstellungen der Plattform

In der Wohnstätte:

• Vermeiden Sie Zeichen der Abwesenheit: Leeren Sie Briefkästen und beseitigen Sie Werbematerial

• Bitten Sie eine Vertrauensperson oder Nachbarn, auch untertags nach dem Rechten zu sehen.

• Alarmanlagen können als Ergänzung eine abschreckende Wirkung haben.

• Schließen Sie Fenster, Terrassen- und Balkontüren zur Gänze (nicht kippen).

• Räumen Sie Werkzeuge, Leitern etc. weg, die für einen Einbruch genutzt werden könnten.

• Verwenden Sie bei Abwesenheit in den Nachmittags- und Abendstunden Zeitschaltuhren für die Beleuchtung und bringen Sie eine Außenbeleuchtung bzw. Bewegungsmelder an.

• Lassen Sie an Ihrer Wohnungstüre Zusatzschlösser einbauen und schließen Sie diese auch bei kurzer Abwesenheit ab.

Im Keller und Fahrradraum:

• Der Keller ist besonders gefährdet – lagern Sie hier keine wertvollen Dinge, Dazu gehören auch: Fahrräder, elektrische Werkzeuge, Instrumente etc.

• Fahrräder sind begehrtes Diebesgut – wenn es einen gesonderten Fahrradraum gibt, sollte dieser auch besonders gesichert sein (Zutrittsmöglichkeiten, sichere Schlösser).

Worauf besonders zu achten ist:

• Personen in der Nachbarschaft/in der Siedlung, die umherstreifen, Autos mustern etc.

• Autos (auch Lieferwägen, Kastenwägen, kleine Lkw), die scheinbar ziellos umherfahren.

• Neue Einbruchsspuren an Türen und Fenstern

• Geräusche, die auf einen Einbruch hinweisen könnten

Gegen den Trend: Steigerung im Jahr 2020

In den Pandemiejahren 2020 und 2021 ist in Österreich die Zahl der angezeigten Einbruchsdiebstähle deutlich zurückgegangen. Das ändert sich nun wieder. Bei Wohnhaus-Einbruchsdiebstählen gibt es laut Angaben des Bundeskriminalamts ein Plus zwischen 25 und 43 Prozent. „Wir nähern uns dem Niveau vor der Pandemie an“, hieß es in einer Aussendung.

In Vorarlberg verhält sich die Situation etwas anders. Hier stieg sowohl die Zahl der Wohnhaus- als auch Wohnungseinbrüche im Jahr 2020 an (siehe Grafik). Das habe höchstwahrscheinlich mit der Lage im Dreiländereck zu tun, vermutet Christian Spitaler von der Abteilung Kriminalprävention im Landeskriminalamt. Auch was die Dämmerungseinbrüche betrifft, gibt es Unterschiede: Während die Saison im Osten bereits im Oktober beginnt, geht es in Vorarlberg meist erst Mitte November los. Derzeit sei allerdings noch kein sprunghafter Anstieg zu verzeichnen, berichtet Spitaler.

Mit der Polizei vor Ort: Diese Schwachstellen nützen Einbrecher
Einbruchszahlen 2019 bis 2021 in Vorarlberg.

Dämmerungseinbrecher schlagen in den Herbst- und Wintermonaten meist zwischen 16 und 21 Uhr zu. Abgesehen haben sie es meist auf Wohnungen und Wohnhäuser, die gut an Hauptverkehrsrouten angebunden sind und eine rasche Flucht ermöglichen. Auch Siedlungsgebiete mit schwer einsehbaren Grundstücken haben die Einbrecher im Visier.

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