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Großaufgebot geht gegen Protestierer vor

28.11.2022 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Festnahmen auch in Shanghai
Festnahmen auch in Shanghai. “Nieder mit der Partei und mit Xi Jinping”, rufen die Demonstranten.APA/AFP/HECTOR RETAMAL

In China kommt es zu Protesten und offener Kritik an der Führung.

Eine ganz gewöhnliche Straßenkreuzung an der Wulumuqi-Straße mitten in Shanghai. Hunderte Polizisten riegeln die Kreuzung ab, wer dennoch Blumen niederlegen will, muss mit Verhaftung rechnen. Wulumuqi ist der chinesische Name für Urumqi, die Hauptstadt der Uiguren-Provinz Xinjiang. Dort sind vor wenigen Tagen bei einem Wohnungsbrand mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Die Feuerwehr konnte wegen eines Lockdowns nicht rechtzeitig eingreifen, Fluchtwege waren versperrt. Seither schwappt eine Welle der Empörung über ganz China, in Shanghai erreichte sie am Wochenende einen vorläufigen Höhepunkt. Und es werden nicht nur Blumen für die Todesopfer von Urumqi niedergelegt.

„Nieder mit der Partei, nieder mit Xi Jinping!“, rufen die Demonstranten in der Wulumuqi-Straße. Eine derart offene Kritik hat es in China seit dem Tiananmen-Massaker vor 33 Jahren nicht mehr gegeben. Videos von Protestaktionen auch aus anderen Städten fluteten das chinesische Internet, aber die Zensurbehörden löschen auf Hochtouren. In immer mehr Städten protestieren Menschen speziell gegen die Null-Covid-Politik Chinas, die vielen von ihnen Freiheit und Einkommen raubt. In Peking ging am Montag ein Großaufgebot der Polizei in den Morgenstunden gegen Hunderte protestierende Menschen in der Nähe des Diplomatenviertels vor.

Die Polizei hielt sich zunächst im Hintergrund, forderte dann aber die Menschen auf, nach Hause zu gehen. Zu Verhaftungen kam es vorerst nicht, Pekings Polizei scheint noch auf Deeskalation zu setzen, während vor allem aus Shanghai gewaltsame Verhaftungen von Demonstranten berichtet werden. Auf alle Fälle liegen die Nerven überall im Land blank, niemand weiß, ob sich die lokalen Unruhen noch ausweiten könnten. Die nächsten Tage und vor allem Nächte könnten entscheidend sein für die weitere Vorgehensweise des kommunistischen Regimes.

In der Zwischenzeit greifen Chinas Machthaber mitunter auch zu skurrilen Methoden. Bei den TV-Übertragungen des chinesischen Fernsehens von der Fußball-WM in Katar werden Zwischenschnitte von Fußballfans ohne Maske herausgeschnitten. Niemand soll sehen, dass außerhalb von China ein Leben ohne Maske und ohne Lockdown bereits möglich ist.

Und in Shanghai wurde nicht nur die Wulumuqi Straße abgesperrt, Arbeiter haben auch das Straßenschild „Wulumuqi Straße“ abmontiert – aus den Augen, aus dem Sinn. Das Schild ist weg, der Protest bleibt bis auf weiteres.

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