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„Unbefristeter Streik wäre Horrorszenario“

28.11.2022 • 19:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinhard Stemmer, ÖGB- und vida-Landesvorsitzender <span class="copyright">NEUE</span>
Reinhard Stemmer, ÖGB- und vida-Landesvorsitzender NEUE

Reinhard Stemmer, ÖGB- und vida-Landesvorsitzender, über den Bahnstreik und wie es weitergeht.

Stoßen Sie mit dem Streik auf Verständnis bei den Menschen?
Reinhard Stemmer: Teils, teils. Wenn jemand gestern vergebens auf einen Zug gewartet hat, dann war die Stimmung natürlich kritisch. Aber wir haben im Vorfeld informiert und sind da auf ziemlich gute Resonanz gestoßen. Ich glaube, zwei Drittel verstehen die Maßnahme, andere können sich vielleicht nicht damit identifizieren, aber akzeptieren sie.

Bei den Verhandlungen scheint es eine Pattstellung zu geben. Wie kommt man da wieder raus, ohne dass eine Seite ihr Gesicht verliert?
Stemmer: Das wird ein schwieriges Unterfangen. Aber wir brauchen im Eisenbahnerbereich in den kommenden fünf Jahren 17.000 Leute. Das ist bei den aktuellen Einstiegsgehältern nicht möglich.

Wie hoch sind die?
Stemmer: Während der einjährigen Lokführerausbildung beträgt der Lohn 2000 Euro brutto. Damit können viele nicht überleben.

Und nach der Ausbildung?
Stemmer: 2400 Euro brutto und etwa 600 Euro brutto an Zulagen. Das ergibt in etwa 2200 Euro netto – und das mit Sonntags-, Feiertags- und Wochenenddiensten. Gerade in Vorarlberg ist das im Vergleich zur Privatwirtschaft sehr wenig.

Wie weit wird die Gewerkschaft den Arbeitgebern entgegenkommen?
Stemmer: Wir sind schon von 500 Euro Erhöhung auf 400 gegangen. Jetzt kommt es darauf an. Bei einer angebotenen Erhöhung im hohen 300er-Bereich wird es eine Mitgliederbefragung geben. Bei jeder Summe unter 400 Euro werden die Mitglieder befragt. Aber wir sind verhandlungsbereit. Wir warten auf die Termine.

Falls es zu keiner Einigung kommt, was dann?
Stemmer: Wir haben nur die Möglichkeiten Betriebsversammlungen oder Streik. Gestern hatten wir einen befristeten Streik. Wenn sich nichts tut, gäbe es noch einen unbefristeten Streik, bis sich etwas bewegt. Das wäre das Horror­szenario – auch für uns. BKO

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