Allgemein

Zum 60. Geburtstag von Alfred Huber

28.11.2022 • 20:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alfred Huber und das Artis-Quartett im vorarlberg museum<span class="copyright">Johannes Huber (2)</span>
Alfred Huber und das Artis-Quartett im vorarlberg museumJohannes Huber (2)

Artis-Quartett spielte im vorarlberg museum Haydn und Schostakowitsch.

Alfred Huber hat mehrere Leben: Im einen ist der gebürtige Oberösterreicher Neurochirurg mit eigener Praxis in Kempten und Lindenberg, hier spezialisiert auf Wirbelsäulen, Rückenleiden und Schmerztherapie. Im anderen ist er Komponist und als solcher zuletzt Schüler von Herbert Willi. Dazu ist er bestens vernetzt in der Musikszene, unter anderem durch seine Frau Anita, die Geigerin im SOV ist, und seine beiden Söhne. Ausbildung und Tätigkeiten liefen in beiden Disziplinen immer parallel, sei es in Linz, Wien, Berlin oder Feldkirch.

Ungewöhnliche Besetzung

Zur musikalischen Feier des 60. Geburtstags, der im August war, kam jetzt das Wiener Artis- Quartett, dessen Cellist Othmar Müller einer der „Lebensmenschen“ von Alfred Huber ist, in den holzgetäfelten Saal im vorarlberg museum und bettete sein drittes Streichquartett „Ver sacrum“ in Werke von Haydn und Schostakowitsch. Die Uraufführung des Trios „Ich grolle nicht“ in der ungewöhnlichen Besetzung (Violine) Eszter Haffner, (Kontrabass) Benedikt Huber und (Schlagzeug) Krištof Hrastnik beendete den inspirierten Abend, den der Jubilar so ganz nebenbei kundig moderierte und dessen Spendenertrag an das Kiewer Symphonieorchester ging.

Porträt des Komponisten Alfred-Huber
Porträt des Komponisten Alfred-Huber

Mit der Musik Joseph Haydns ist das Artis-Quartett gleichsam naturgemäß verbunden: Die Dialoge und Winkelzüge in den harmonischen Gefügen von op. 33/2, einem der „russischen Quartette“, gehen ihnen ganz selbstverständlich von der Hand. Bodenständig und humorvoll ist der Scherzosatz mit seinen betonten Schleifern in der ersten Violine, im Adagio überzeugt der große Atem der vier Herren. Das filigrane Figurenwerk des Finalsatzes, einem Charakterstück voller Stolpersteine und Pausen, kos­ten sie bis zuletzt aus.

Sein drittes Streichquartett „Ver sacrum“ („heiliger Frühling“) bezieht der so umfassend interessierte Komponist Alfred Huber auf die gleichnamige Kunstzeitschrift der Wiener Secession und die Wirkung von Klimts Beethovenfries auf ihn: Sein Quartett werde nach avantgardistischem Beginn zunehmend heller und lockerer. Das Artis-Quartett, das das Werk 2016 bestellt und uraufgeführt hat, begibt sich hinein in die fröhliche Motorik des zweiten Satzes, das ausdrucksvolle Miteinander, das in einen sarkastischen Marsch und ein wild vorwärtsdrängendes Fugato übergeht.

Spieltechnische Wege

Beißende Rhythmen und untergründige Gefahr prägen das siebte Streichquartett von Schostakowitsch, wenn es auch nicht so beklemmend wirkt wie das achte Quartett. Hubers Werke, zwischen denen es platziert ist, scheinen gar nicht so weit weg zu sein in der Aussage. Denn „Ich grolle nicht“ – ein Verweis auf ein Lied aus Schumanns „Dichterliebe“ – legt den Focus auf die jungen Musikstudierenden während der Coronapandemie: Sein Sohn Benedikt, der Kontrabass in Essen studiert, hatte Kontakt mit einem begabten russischen Schlagzeuger, der sich das Leben nahm, das Trio sollte zur Abschlussprüfung in Essen aufgeführt werden, in Bregenz erlebte man jetzt die Uraufführung.

Zu hören waren nicht nur der fantasievolle Dialog von Geige (Eszter Haffner hat auch schon andere Werke von Huber uraufgeführt) und Kontrabass, sondern auch die spieltechnischen Möglichkeiten des slowenischen Perkussionisten Krištof Hrastnik, der sowohl mit Drumset als auch auf Vibraphon und Xylophon zaubert. Musikantisch und witzig, stilistisch farbig ist Hubers Musik hier, und Schumann geistert natürlich auch in gewisser Weise herum.
www.artis-quartett.at

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.