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Künstler aus allen Kontinenten

29.11.2022 • 19:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
KUB-Direktor Thomas Trummer bei der Pressekonferenz am Freitag.<span class="copyright">roland paulitsch</span>
KUB-Direktor Thomas Trummer bei der Pressekonferenz am Freitag.roland paulitsch

Die Künstler Valie Export, Monira Al Qadiri, Michael Armitage und Solange Pessoa sowie neue LED-Beleuchtungen stehen auf dem KUB-Programm für 2023.

Vorraussichtlich 55.000 Menschen werden Ende des Jahres das Kunsthaus Bregenz besucht haben, ein Erfolg, den sich KUB-Direktor Thomas Trummer bei der Programmvorschau vergangenen Freitag mit den Themen der Zeit erklärt, die im Kunsthaus verhandelt werden. „Wichtig ist, dass es immer immersive Erlebnisse sind.“ Im neuen Jahr werden die drei Künstler Monira Al Qadiri, Michael Armitage und Solange Pessoa in ihren Ausstellungen unseren eurozentristischen Blick spiegeln und dabei ein Umdenken von Grundwerten ermöglichen und nicht-westliche Ausdrucksformen sensiblisieren.

Verlängerung einen Monat

Beginnen wird das Jahr jedoch ausnahmsweise so wie es endet. Die aktuelle Ausstellung „Period of Change“ von Anna Boghiguian, wird aufgrund des großen Zuspruchs um vier Wochen bis 19. Februar verlängert. In ihren Installationen und Zeichnungen reagiere die Künstlerin auf österreichische Geschichte und Denktraditionen, beschreibt Trummer, dabei „geht’s um Fragen der Ehtik, des Verhaltens, um Geschichte und politische Bildung“, was ein wunderbarer Anknüpfungspunkt für Schülerinnen und Schüler sei.
Ab 20. Februar bis Ende März findet im KUB ein Modernisierungsvorgang statt, der Teil des 2013 gestarteten Gesamtkonzepts ist. Zum ersten Mal seit Errichtung des Gebäudes werden alle Leuchtmittel auf LEDs umgerüstet, wodurch bis zu 50 Prozent der Energie gespart werde.

Orgelpfeife aus der Wallfahrtskirche Pöstlingberg. <span class="copyright">Kunsthaus Bregenz</span>
Orgelpfeife aus der Wallfahrtskirche Pöstlingberg. Kunsthaus Bregenz


Gleichzeitig startet das KUB mit einem Projekt der Medienkünstlerin Valie Export. Die Oberösterreicherin bringt die alten Orgelpfeifen der Linzer Pöstlingbergkirche ins Erdgeschoss des Kunsthauses und interpretiert darauf den Song des Jazzmusikers Charles Mingus „Oh Lord, don’t let them drop that atomic bomb on me“. Mit dieser Mischung aus Klagelied und Geheul eines angstvollen Szenarios wird das Gebäude zu einem Klangraum, den man in den Gedärmen spüre, sagt Trummer und erklärt die Hintergründe: „Man hätte eigentlich zusperren müssen, wenn drei Stockwerke für den Umbau geschlossen werden müssen“, aber gerade in prekären und krisenhaften Zeiten sei die Kunst umso wichtiger, denn sie stelle Fragen und eröffne Dinge in uns, „die uns ohnedies vorantreiben und beunruhigen“. Auch in den restlichen ausnahmsweise kunstbefreiten Stockwerken wird es Besucherführungen zur Konstruktion und Technik des Gebäudes geben.

Spectrum von Monira Al Qadiri. <span class="copyright">Tony Elieh</span>
Spectrum von Monira Al Qadiri. Tony Elieh

Öl als zerstörerische Kraft

Mit einer bildgewaltigen Ausstellung kommt Monira Al Qadiri, eine der wichtigsten Künstlerinnen der Golfregion, im April ins KUB. Die im Senegal geborene und in Kuwait aufgewachsene Künstlerin hat in Japan Kunst studiert und lebt in Berlin. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Öl und zeigt Bohrköpfe, die an Schmuckstücke, Fahrzeugteile oder futurische Elemente erinnern und sich zum Teil bewegen.

Intensive Farben verwendet auch der Maler Michael Armitage. Auf großformatigen Gemälden verbindet der in Nairobi aufgewachsene und in Indonesien lebende Künstler ostafrikanische und europäische Maltraditionen. So könne man „van Gogh, Gauguin oder manchmal sogar Egon Schiele“ in den Bildern erkennen, so Trummer. Haben die Bilder einerseits etwas Stürmisches und Träumerisches, zeigen sie bei näherer Betrachtung Leid, Brutalität und Aufstand, deren Motive aus Ritualen, Werbetafelnd, Medien oder politischen Ereignissen stammen. Besonders ist auch der Malgrund: Armitage verwendet Rinde eines ugandischen Feigenbaums, die sich ähnlich wie Leinwand verhält, jedoch durch Nähte zusammengehalten wird und Löcher aufweist. „Nicht nur das Bild als Illusion zeigt die Verwundung dieser Geschichte, sondern das Bild als Faktum.“, ist Trummer fasziniert.

Michael Armitage_Curfew.   <span class="copyright">Theo Christelis</span>
Michael Armitage_Curfew. Theo Christelis


Am 10. November wird die dritte große Ausstellung eröffnet. Die brasilianische Künstlerin Solange Pessoa arbeitet mit unterschiedlichen Medien und organischen Materialien, wie Haare oder Kristalle. Die Natur begreift sie als schöpferisches Prinzip, welches sich ohne menschliches Zutun selbst gestaltet und erneuert. Was sie genau in ihrer Ausstellung zeigen wird, kann Trummer noch nicht sagen, aber sie habe auf jeden Fall dieses „skulpturale Gefühl für die Gegenstände“.

Die „Happy Fridays“ werden ab Februar von der „KUB-Night“ (freier Eintritt an jedem ersten Donnerstagabend pro Monat) abgelöst. Zudem werden die Preise 2023 auf jeweils einen Euro erhöht.

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